Chaos Communication Congress: Hacker mit iPads, iPhones und MacBooks

Rifkin Zaroc
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Auf dem 27. CCC Ende letzten Jahres in Berlin waren trotz der Vorbehalte der Szene gegen Apple viele Produkte des Herstellers zu sehen. Das erfuhren wir im Interview mit Sören Engelbert, Informatikstudent im siebten Semester und Benutzer eines ThinkPad und eines Mac mini. macnews.de: Der 27. Chaos-Communication-Congress ist nun schon ein paar Tage vorbei. Wie war die Stimmung?

Sören Engelbert: Es gab ein paar kleinere Verspätungen durch den vielen Schnee in den Tagen zuvor, aber das tat der Stimmung eigentlich keinen Abbruch. Zwischen den Vorträgen und am Ende des Tages hat man immer wieder neue Leute kennen gelernt. Viele haben Mehrfachsteckdosen und teilweise sogar Netzwerk-Switches mitgebracht und die auch bereitwillig mit Fremden geteilt, so kam man schnell ins Gespräch. Bei meinen Nachfragen für Fotos, die ich machen wollte, bin ich nie auf Ablehnung gestoßen, ich fand die Atmosphäre sehr angenehm und war rundum zufrieden.

macnews.de: Der CCC gilt als internationale Hacker-Veranstaltung mit ausgesprochen politischem Anspruch. War davon etwas zu spüren?
Engelbert: Sogar mehr denn je. Mit Whistleblowing, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchungen und dem neuen “Jugendmedienschutz” gab es viele politische Themen, die sehr kontrovers diskutiert wurden. Für mich hat das einen Großteil des Kongresses ausgemacht.

macnews.de: Wir kommen in Frieden. Warum dieses Motto?
Engelbert: Das ist wohl ein bisschen mehrdeutig. Es soll zeigen, dass auch der CCC friedfertige Absichten hat und nicht etwa Chaos stiften möchte, wie Rop Gonggrijp in der Keynote erwähnt. In der Erklärung dazu im 27C3-Wiki heißt es aber auch, dass das Verständnis von “in Frieden kommen” sehr unterschiedlich sein kann. Ich denke, es soll gezeigt werden, dass der CCC durchaus bereit ist, auch mit Etablierten zusammen zu arbeiten, aber zu eigenen Konditionen.

macnews.de: Bei Hackern denkt man immer an Nerds mit PC-Hardware und Linux-Betriebssystem. Hast Du auch Macs, iPhones und iPads bei den Teilnehmern gesehen?
Engelbert: Unglaublich viele hatten Apples. Macbooks waren fast eben so viele zu sehen wie Thinkpads. Das iPhone war vermutlich das Handy, das am häufigsten vertreten war und auch der iPod Touch war immer mal wieder in der Hand eines Teilnehmers zu sehen. Am meisten erstaunt hat mich aber die Beliebtheit des iPads. Es gab zwar vereinzelt auch andere Tablet-Computer zu sehen, aber das iPad hat eindeutig dominiert.

macnews.de: Was machen Hacker mit Macs, iPhones und iPads?
Engelbert: Auf diese Frage eine generelle Antwort zu geben, ist schwer. Viele MacBook-Bildschirme waren mit einer Reihe geöffneter Konsolen gefüllt und das Mac OS X darunter war nur noch schwer zu erkennen. Den “normalen Mac User” mit Photoshop und Safari auf dem Bildschirm konnte man natürlich auch treffen. Allerdings gab es nur vereinzelt Menschen, die ihr MacBook mit einem anderen Betriebssystem ausgestattet hatten, was mich ein bisschen verwundert hat.

macnews.de: Apple wird von vielen heute so verachtet wie noch vor wenigen Jahren Microsoft Was hattest Du für einen Eindruck: Wie sehen die Hacker Apple?
Engelbert: Darauf gab es ganz unterschiedliche Sichtweisen. Natürlich trifft man immer noch Leute, die sich über Apple in erster Linie lustig machen, vor allem der App Store wurde gehörig niedergemacht. Aber auf der anderen Seite wurde zum Beispiel der CCC-Jahresrückblick von einem MacBook präsentiert. Insgesamt steigt die Verbreitung von Macs auch unter Hackern deutlich an. Das erhöht natürlich die Akzeptanz, da erkannt wird, dass eben nicht nur Grafiker und Designer mit dem Mac arbeiten.

macnews.de: Gab es Veranstaltungen zu Apple-Produkten und Sicherheitsproblemen oder Datenlecks?
Engelbert: Es gab keine reinen “Apple-Veranstaltungen”, aber im Vortrag “hacking smart phones” von Ilja van Sprundel gab es einen relativ großen Abschnitt zum iPhone. Dabei wurde der mobile Safari heftig kritisiert und als Sicherheitsalptraum bezeichnet. Aber auch andere Smartphone-Systeme haben ihr Fett wegbekommen.

macnews.de: Gab es Aktionen zur Verteidigung von Whistleblower-Plattformen wie Wikileaks?
Engelbert: Es gab dazu Vorträge vom Whistleblower-Netzwerk e.V. und vom deutschen Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg. Schon an den Vortragenden erkennt man vielleicht, dass es nicht nur um Wikileaks ging, sondern eher um Whistleblowing im Allgemeinen. So wurde zum Beispiel ein rechtlicher Schutz für Whistleblower gefordert. Vielfach kritisiert wurde aber, dass Wikileaks nur auf den öffentlichen Druck aus sei und dafür teilweise persönlichen Schaden von Einzelpersonen in Kauf nimmt. Domscheit-Berg stellte in diesem Zusammenhang auch das Projekt openleaks.org vor, was sich deutlich von WIkileaks unterscheiden soll und in naher Zukunft startet.

macnews.de: Netzneutralität, Volkszählung, RFID, Whistleblowing, ACTA, Internetzensur waren einige der Themen 2010. Welche Veranstaltungen fandest Du besonders interessant?
Engelbert: Ich fand die angesprochene Vorstellung von openleaks.org interessant, auch weil es dazu eine sehr offene Diskussion gab. Ansonsten hat mich die mobile Sicherheit ziemlich gefesselt, einmal der Smartphonevortrag, aber auch der generelle GSM-Hack von Harald Welte und Steve Markgraf. Besonders unterhaltsam war der Vortrag von Bruce Dang Microsoft zum Stuxnet Wurm, der sehr viel Lob geerntet hat.

macnews.de: Für uns besonders interessant: Was kam beim Vortrag zu “Three Jobs that Journalists will do in 2050″ heraus? Werden wir zu “hacker journalists, data-mining-reportern und crowd-engineers”?
Engelbert: So ähnlich könnte man das verstehen. Das Wichtigste war aber wohl das Fazit, dass der Beruf des Journalisten nicht aussterben wird. Annalee Newitz hat einleuchtend erklärt, dass sich der Beruf weiterentwickelt, wie er das auch in den letzten 40 Jahren schon getan hat, aber keinesfalls überflüssig werden wird. Denn das Weltgeschehen muss nicht nur verbreitet und veröffentlicht werden, sondern auch im Kontext gesehen und erklärt werden. Nach der Prognose ändern sich in erster Linie die Quellen und die Veröffentlichung, nicht aber die Bewertung und Einordnung der Geschehnisse durch professionelle Journalisten.

macnews.de: Hast Du irgendwelche Hacks mitgebracht?
Engelbert: Das als einen mitgebrachten Hack zu bezeichnen, ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ich werde die von Daniel J. Bernstein vorgestellte Idee zur sicheren Kommunikation im Netz ausprobieren.

macnews.de: Was gab es Schönes an Basteleien zu sehen?
Engelbert: Quadrocopter! Viele kennen vielleicht die AR.Drone von Parrot, die sich mit dem iPhone steuern lässt. Solche Quadrocopter wurden in den unterschiedlichsten Größen und Ausstattungen selbst zusammengebaut und spät in der Nacht auch mal eine Runde fliegen gelassen, sehr spaßig.

macnews.de: Viel geschlafen in den vier Tagen in Berlin?
Engelbert: Viel nicht, aber dafür gut. Als ich am ersten Tag gegen 4 Uhr in mein Bett gefallen bin, hatte ich mich schon fast damit abgefunden, den Vortrag um 11 Uhr 30 zu verpassen. Ich bin dann aber doch aus dem Bett gekommen und war sogar erstaunlich fit. So ging es auch an den anderen Tagen weiter und ich habe nicht ein Mal morgens verschlafen. Nach dem Kongress habe ich dafür erstmal 12 Stunden durchgeschlafen.

macnews.de: Irgendeine lustige Anekdote erlebt?
Engelbert: Im Vortrag von Bruce Dang war es schon sehr witzig, mitzuerleben, wie eine gewisse Reserviertheit einem Microsoft-Funktionär gegenüber sich nach und nach in große Begeisterung gewandelt hat und am Ende das Fazit stand, dass sie ja eigentlich auch nicht soviel anders arbeiten als man selbst.

Info:
27C3, We come in Peace, Dokumentation: http://events.ccc.de/congress/2010/wiki/Documentation

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