Thunderbolt: Target Display und Target Disk Mode im Test

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Mit der Vorstellung des originalen Thunderbolt-Kabels* von Apple, erhalten die Macintosh-Anwender erstmals die Gelegenheit nicht nur zukünftige Thunderbolt-Peripherie anzuschließen, sondern können ferner ebenso den Target Display und Target Disk Mode basierend auf der neuen Technologie nutzen. macnews.de erklärt den praktischen Einsatz beider Funktionen und untersuchte in einem Geschwindigkeitsvergleich die Relevanz des neuen Anschlusses zur bisherigen FireWire-Technik.

Target Display Mode: Der neue iMac als Bildschirm

Schon das Vorgängermodell des aktuellen iMacs konnte als zusätzlicher Bildschirm für Rechner mit Mini DisplayPort genutzt werden, wenngleich dieses nützliche Feature allein der großen Variante mit 27-Zoll vorbehalten war. Bei der Vorstellung der aktuellen Generation schien es, dass Apple den Target Display Mode zunächst schlicht vergessen hatte, schließlich fehlte ein Hinweis diesbezüglich auf den Webseiten des Herstellers.

Im Nachgang bestätigte Apple später jedoch, dass der Target Display Mode noch immer vorhanden ist, allerdings mit zwei Einschränkungen: Nur noch neue Thunderbolt-Rechner könne man auf diese Weise anschließen, des Weiteren benötigt man ein Thunderbolt-Kabel. Mini DisplayPort-Varianten verweigern den Dienst, wie auch der Autor dieser Zeilen an anderer Stelle schmerzlich erfahren musste. Kleiner Vorteil: Auch das Basismodell mit 21,5-Zoll-Bildschirm ist fortan fähig als Display zu fungieren.

Dumm nur, dass das notwendige Thunderbolt-Kabel vorerst nicht zu erstehen war, dieser Missstand ist mittlerweile behoben und wir konnten uns in einem Praxistest von der Funktionsweise des Target Display Mode überzeugen. Im Gegensatz zum alten Modell erkennt der aktuelle iMac (bei uns im Test die 27-Zoll-Variante) unser MacBook Pro (13 Zoll) nicht automatisch und schaltet demnach nicht selbständig in den Bildschirmmodus. Daher wenden wir, die schon vom Vorgängermodell bekannte Tastenkombination an: Command (Befehlstaste) und F2 gleichzeitig drücken – et voilà, folgend wird der iMac als Display am MacBook erkannt. Wie schon zuvor, läuft der iMac im Hintergrund weiter. Eine erneute Betätigung der Tastenkombination lässt uns zwischen den zwei Modi wechseln.

Einschränkungen bei der Anwendung gibt es keine: Der iMac lässt sich wie ein normaler Bildschirm nutzen – ob im Modus des erweiterten Desktops oder aber synchron zum MacBook-Display. Wie schon erwähnt, profitieren vom Target Display Mode allerdings nur neue Rechner mit Thunderbolt-Technologie – bedauerlich und für manchen Kunden sicherlich auch ein berechtigter Grund zur Kritik.

Target Disk Mode: Thunderbolt vs. FireWire 800

Eine wesentlich ältere, aber ungleich bekanntere und beliebte Funktion ist der Festplattenmodus (Target Disk Mode). Verfügt der Mac über einen FireWire-Anschluss, kann der Anwender seinen Rechner kurzerhand mit einem Tastendruck in eine externe Festplatte verwandeln. Hierfür muss nur während des Systemstarts die Taste „T“ gedrückt werden. Ungeheuer praktisch bei der schnellen Migration oder auch einfach nur zum unkomplizierten Datenaustausch.

Neuerdings funktioniert dies zusätzlich auch über den Tunderbolt-Anschluss der aktuellen Mac-Generation – die Vorgehensweise ist dabei identisch zum bisherigen Prozedere mit FireWire, dabei schließen sich beide Möglichkeiten nicht unbedingt aus.

Bei Start mit gedrückter T-Taste erscheinen vorderhand zwei Symbole auf dem Bildschirm unseres MacBooks – jeweils für Thunderbolt und für FireWire. Hat der Mac die tatsächliche Verbindung erkannt, verbleibt allein das FireWire- oder aber Thunderbolt-Symbol auf dem Display. Apropos: Sind die Macs gleichzeitig über FireWire und Thunderbolt verbunden, präferiert der Mac stets den Donnerkeil. Ein dezenter Hinweis über das baldige Ableben von FireWire?

Übrigens, die Festplatte über das mit Thunderbolt angeschlossene MacBook muss sich mit einem einfachen, orangenen Icon auf dem Schreibtisch begnügen. Kein entsprechendes Logo wird dargestellt – im Gegensatz zum bekannten FireWire-Symbol. Als Startvolume lässt sich unsere MacBook-Festplatte sowohl über FireWire als auch über Thunderbolt booten.

Auch können wir bestätigen, dass sich die Kabelenden der Thunderbolt-Strippe während des Betriebs erwärmen, schließlich beherbergen sie nicht nur profane Kabeltechnik, sondern eine Reihe von Chips, sprich „echte“ Elektronik. Wohl auch ein Grund für den absonderlichen Preis von 50 Euro.

Theorie: Benchmarks
Wie schlägt sich nun Thunderbolt im Vergleich zu FireWire 800 bei Verwendung des Festplattenmodus? Vorab konzentrieren wir uns auf einen reinen Benchmark. Zur Anwendung kommt AJA System Test unter der Simulierung eines Schreib- und Lesevorgangs einer Datei mit 128 MB. Alle Messungen wurden stets dreifach ausgeführt um einen verhältnismäßig validen Mittelwert zu erhalten. In unserer Testanordnung fungiert das MacBook Pro als Festplatte für den iMac. Die umgekehrte Anordnung ließen wir bewusst aus, bestätigten doch schon die Redakteure von heise online, dass die Ergebnisse austauschbar sind.

Als Ausgangswert dient uns folgend das Ergebnis des internen SATA-III-Anschlusses des MacBook Pro. Bei der verbauten Festplatte haben wir es mit einer Hitachi HTS545032B9A30Z zu tun – ein eher geruhsames Modell mit 5400 U/Min. Entsprechend verhalten fallen zunächst die Werte aus: Circa 74 MB/Sekunde schaufelt die Platte beim Lesen und Schreiben durch den SATA-Anschluss.

Für Thunderbolt mit seinen 10 Gbps doch ein Klacks, oder? Weit gefehlt: Beim Schreiben schafft der Blitzstrahl nur ganze 37 MB/Sekunde, lesen kann er die Daten immerhin noch mit circa 50 MB/Sekunde. Noch ein Stück schlechter vollführt die FireWire-Verbindung die Aufgabe – 33 MB/Sekunde beim Schreiben und nur magere 31 MB/Sekunde im Lesemodus. Beide Technologien zeigen enttäuschende Resultate im Target Disk Mode, besonders das hochgelobte Thunderbolt entzaubert die Marketingaussagen. Warum nur? Bevor wir uns dieser Frage erneut zuwenden, überprüfen wir die Ergebnisse aber im Praxistest.

Praxis: Verifizierung der Ergebnisse
Wir kopieren bzw. duplizieren eine Filmdatei mit einer Größe von 272,9 MB. Der SATA-III-Anschluss benötigt hierfür ganze 4,4 Sekunden – unser Ausgangswert. In welcher Zeit schaffen dies die Thunderbolt- und FireWire-Verbindungen?

Thunderbolt: Beim Übertragen der Datei vom MacBook auf den iMac benötigen die beiden Rechner 5,97 Sekunden. In umgekehrter Richtung sind es schon 7,43 Sekunden.

FireWire 800: Die Datei benötigt circa 8,33 Sekunden vom MacBook auf den iMac. Die Rolle rückwärts wird in 7,8 Sekunden vollführt.

Die zuvor im Benchmark ermittelten Werte bestätigen sich also auch so in der Praxis. Die schnellere Lesegeschwindigkeit der Thunderbolt-Verbindung kommt vor allem bei der Datenübertragung vom MacBook auf den iMac zum tragen – bei den Schreibwerten hingegen nehmen sich beide Technologien nicht viel. Doch zurück zur Ausgangsfrage, warum enttäuscht insbesondere Thunderbolt, zeigte doch beispielsweise das RAID-System von Promise, dass der Donnerkeil durchaus ein Sprinter sein kann?

Wir können zwar nur vermuten, doch spricht sehr viel für den eigentlichen Target Disk Mode als Schuldigen. Ein Indiz allein ist schon der katastrophale Wert der FireWire-Verbindung. Diese dümpelt auf USB-2.0-Niveau, „richtige“ externe FireWire-800-Platten (auch mit nur 5400 U/Min.) übertrumpfen diese Werte bei weitem. Es scheint, die Thunderbolt-Verbindung nimmt sich ein schlechtes Beispiel am Feuerdraht. Ein bissel Schwund ist ja immer – eine Binsenweisheit, die beim Target Disk Mode sich erneut bestätigt. Vielleicht schafft Apple es ja, den Festplattenmodus zukünftig durch entsprechende Firmware-Updates noch zu optimieren – es wäre zu wünschen.

Fazit

Wir halten fest: Praktisch sind beide Modi, doch einen erhofften Geschwindigkeitsrausch durch Thunderbolt konnten wir nicht feststellen. Wer also den Target Disk Mode nutzen möchte, sollte auch weiterhin zum günstigen FireWire-Kabel greifen – sofern möglich. Denn das neue MacBook Air hingegen wird aller Wahrscheinlichkeit zwar über einen Thunderbolt-Anschluss verfügen, nicht aber – wie auch schon jetzt – über FireWire 800. In diesem Fall bleibt nur der Griff zum „güldnen“ Kabel für bescheidene 50 Euro.

Für die Bereitstellung der Testgeräte bedanken wir uns recht herzlich bei Cyberport*.

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