2001-2011

von

Die vergangenen zehn Jahre in der Geschichte Apples wirken rückblickend wie geschätzte fünfzig Jahre Microsoft oder hundert Jahre Google. Das vergisst man schnell, wenn man tagtäglich damit Umgang pflegt. Ein Vergleich von heute mit damals.

Apple Stores: virtuelle und reale
Apples Online Store machte bemerkenswerte Veränderungen durch und dient mittlerweile sogar als Indikator für neue Apple-Produkte, die dem Publikum nicht selten als Überraschung präsentiert werden. Sobald er offline ist, stehen die Fans Gewehr bei Fuß, das war vor zehn Jahren noch kein Thema. Noch interessanter aber die Zahl der realen Apple-Läden, die von genau einem im Mai 2001 eröffneten auf deutlich über 300 im Jahr 2011 anwuchs, womit Apple seinen Direktmarketing-Konkurrenten Dell weit hinter sich ließ – kein Unternehmen ist wie Apple in allen Verkaufskanälen derart präsent.

Auch der App Store ist natürlich ein Store – und hat es in sich. Wer hätte 2001 gedacht, dass das ewige Software-Sorgenkind Apple eines Tages sogar Microsoft zum Schmollen veranlassen könnte? Jajaja, das ist schon so – der App Store bringt's und zeigt allen eine lange Nase, sogar Nintendo. Viel kopiert, oft misslungen, funktioniert er am besten im Apple-Universum und beschert seinen Anwendern eine Fülle von geprüften Programmen, auf die diesmal andere neidisch schielen. Für den Mac ist der App Store zwar unverändert ein Problemfeld, denn Mac OS X ist nunmal nicht iOS, aber solange die meisten Software-Hersteller zweigleisig fahren, soll das nicht weiter stören.

Apple TV: vom Experiment zum Hobby
Es gab zwar schon 1993 mal den Ansatz einer Set Top Box von Apple für den Fernseher, das war aber nur eine der recht zahlreichen Verzweiflungstaten des Herstellers vor der Rückkehr von Steve Jobs ins Unternehmen. Also Schwamm drüber.

Apples aktuelle Box sollte von Anfang an iTV heißen, denn mittlerweile läuft darauf schließlich auch Apples iOS, doch war der britische TV-Privatsender gleichen Namens dagegen. Auch die zweite offizielle Version von Apple weiß noch nicht durchgehend zu überzeugen und ist bestenfalls auf dem Weg zu etwas, was mal ganz nett werden könnte. Es fehlt vor allem die Integration mit dem Mac, beispielsweise die Möglichkeit zum Abspielen einer DVD und reibungslose Weitergabe ans TV-Gerät. Noch ist Apples Schächtelchen zum Beistellen vor allem zum Verkauf gedacht, wer aber schon viele hundert Filme hat, den interessiert das iTunes-Angebot nicht unbedingt.

Cinema Displays: Evolution statt Revolution
Wirklich gewaltig sind die Unterschiede im Bereich der externen LCD-Displays seit 2001 nicht. Apples Cinema Display mit einer Bildschirmdiagonalen von 22 Zoll aus dem Jahre 2001 steht hier Apples Cinema Display mit einer Bildschirmdiagonalen von 27 Zoll aus dem Jahre 2011 gegenüber. Auch die damalige Auflösung von 1600×1024 Pixeln ist gegenüber den 2560×1440 Pixeln von heute so schlecht nicht – beeindruckend wenig Fortschritt für zehn Jahre, wäre da nicht die Preissenkung um rund 75 Prozent. Für mangelnden Fortschritt im Displaybereich kann Apple aber nur recht wenig, denn im Prinzip hat sich hier außer Verfeinerungen kaum etwas getan – zumindest nicht für haushaltsübliche Budgets. Erfreuen wir uns also besserer LED-Hintergrundbeleuchtungen, gesteigerter Darstellungsqualität, geringerer Abmessungen, höherer Umweltverträglichkeit und geringeren finanziellen Widerständen.

Nicht vergessen werden sollte aber die Entwicklung „von unten“. Apples iPhone führte erstmals ein so genanntes Retina Display ein, das auch in Apples künftigem System Mac OS X 10.7 (Lion) Unterstützung finden wird. Sobald jene Displays mit ihren extrem hohen Auflösungen in größerer Bauform verfügbar sind, dürften sie zumindest auch in Apples Laptops Einsatz finden. Bis zum ausgewachsenen Schreibtisch-Display ist aber bestimmt noch ein recht weiter Weg.

Große Macs: vom transparenten zum Aluminium-Boliden
Apple mag seine großen Macs nicht wirklich, doch sind sie mittlerweile sehr überzeugende Produkte. Dem mit maximal 733 MHz getakteten Einprozessor-Computer Power Mac G4 vom März 2001 steht der Aluminium-Bolide Mac Pro mit bis zu zwölf Prozessorkernen und 2,93 GHz Taktfrequenz gegenüber – allerdings kostet dieser fast das doppelte des damaligen G4, nämlich über 6.000 Euro. Vergleicht man dies mit den behäbigen Fortschritten im Display-Bereich, so lässt sich eindeutig feststellen, dass ein Computer von damals mit einem von heute absolut nichts mehr gemeinsam hat – 2001 und 2011 trennen Welten voneinander.

Äußerlich ist der Mac Pro der einzige Computer von Apple, der sich seit Juni 2003 (damals noch unter dem Namen Power Mac G5) im Design so gut wie nicht verändert hat. Selbst aus der Nähe betrachtet kann man die unterschiedlichen Generationen auf Anhieb überhaupt nur anhand der Zahl der optischen Laufwerke und zur Verfügung stehenden Anschlüsse erkennen – ein echter Designklassiker also. Das seit acht Jahren präsente Design ist leider auch ein deutliches Zeichen für Apples Desinteresse an professioneller Hardware. Die 2002 erstmals vorgestellte Xserve-Baureihe wurde denn auch unlängst ersatzlos gestrichen. Jede neue Mac-Pro-Generation könnte daher Apples letzte sein, angesichts mittlerweile zur Verfügung stehender Technologien wie Thunderbolt vielleicht aber noch kein Grund zur Panik. Verlagert Apple beim künftigen Mac Pro nämlich alle Laufwerke in ein separates Gehäuse, könnte ein interessantes neues Designkonzept entstehen, vielleicht sogar ein modulares wie Apples Jonathan-Projekt.

iMac: vom Buckel zum Flachmann
2001 gab es noch keinen iMac, der kaum größer als ein computerloser Flachbildschirm war. Der iMac vom Frühjahr 2001 verfügte über einen G3-Prozessor mit einer Taktfrequenz zwischen 400 und 600 MHz, einem Hauptspeicher von maximal einem Gigabyte Größe, einer Festplatte zwischen 10-40 Gigabyte und einer Grafikkarte vom Typ ATI Rage 128 Pro oder Ultra mit acht oder 16 MB VRAM, die einen Bildschirm mit einer Diagonale von 13,8 Zoll ansteuerte. Sein Gehäuse kann auch wohlgesonnen nur als Späthippie bezeichnet werden, denn die Farbgebungen des iMac gipfelten damals in psychedelischen Explosionen namens „Blue Dalmation“ und „Flower Power“ und waren die vorletzte Generation ohne Flachbildschirm – diese folgte im Januar 2002.

2011 steht dem ein iMac mit bis zu 27 Zoll Bildschirmdiagonale entgegen, in dem maximal ein mit 2,93 GHz getakteter Quad-Core Intel Core i7 seine Arbeit verrichtet. Ein Preisvergleich der Maximalkonfigurationen von damals und heute erlaubt den Schluss, dass Apple den iMac mittlerweile als sein Mac-Prestigeobjekt sieht, denn die Rolle des Einstiegssystems hat seither der Mac mini übernommen – in vielen Bereichen lautet die ideale Lösung sogar iPad.

Internetdienste: von iTools zu MobileMe
Hier hat Apple seit 2001 außer Preiserhöhungen kaum Erfolge vorzuweisen und ist eindeutig kein Marktführer. Zunächst kostenfreie und erfolgreiche Dienste wurden kostenpflichtig und erfolglos – mehr ist dazu kaum zu sagen. Warten wir ab, was die Zukunft von MobileMe uns bringt, ein erster Schritt in die richtige Richtung wurde mit „Find my iPhone“ bereits getan.

iPad: Apple-Technologie für die Massen?
Was ehemals vom iMac viele Anwender erwartet hatten, nämlich dass er der Mac für die Massen wurde, bewahrheitete sich leider niemals. Er blieb ziemlich teuer, wurde aber auch immer luxuriöser. Mit dem iPad ist Apple schließlich gelungen, was mit dem iMac schon aufgrund der eingeschlagenen Richtung nicht mehr möglich war – ein Apple-Produkt für die Massen. Dank mittlerweile existierender Technologien und des Know Hows, über das Apple dort verfügt, wurde aus dem iPad trotzdem kein billiger Kompromiss. Zwar fiel der Marktanteil des Tablet Computers jüngst von 93 auf 73 Prozent, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er der Erste seiner Art war und ist nur Zeichen für die übergroße Zahl an Nachahmern und Trittbrettfahrern.

iPhone: von Null auf Hundert
Auf diesem Sektor hatte Apple im Jahr 2001 genau Nullkommanix zu bieten – vermutlich noch nicht einmal eine Idee. Der Grundstein mag mit dem iPod zwar schon gelegt worden sein, doch war der Weg bis zum iPhone noch unendlich lang und mühsam. Keine Frage, das iPhone ist und bleibt revolutionär. Und vergleicht man ein iPhone von heute mit Smartphones wie dem Nokia 9110 Communicator aus dem Jahr 2001 – dann kann man nicht glauben, dass es sich um dieselbe Gerätekategorie handeln soll.

iPod: vom Scroll Wheel zum Touchscreen
Nicht mehr ganz so prominent im Mittelpunkt von Apples diversifizierter Ausrichtung steht der iPod. Dennoch stieß das Gerät jene Revolution an, die später all das mit sich brachte, was uns heute zum größten Teil erfreut: iTunes, den iTunes Store, den App Store sowie das iOS und weitere iDevices. Der erste iPod war im Herbst 2001 für rund 400 Euro erhältlich und hat mit dem heutigen Spitzenmodell mit Touchscreen zum gleichen Preis absolut nichts mehr gemein. Der Nachfolger des iPod-Konzepts ist streng genommen das iPhone, was denn auch dazu führte, dass aus dem iPod touch ein iPhone ohne Telefonfunktion wurde.

iTunes: von der Idee zum Marktführer
Dass ausgerechnet SoundJam MP, ein durch nichts herausragendes MP3-Abspielprogramm, als Basis dafür herhalten sollte, was iTunes heute alles ist, scheint mittlerweile kaum mehr vorstellbar. Aber die seit 1998 erhältliche Classic-Anwendung war auch gar nicht Apples erste Wahl, sondern sein flotterer Konkurrent Audion der Firma Panic, heute vor allem bekannt für Transmit. Da Panic sich jedoch während der Entscheidungsfindung Apples in Verhandlungen mit AOL befand, wechselte Apple auf seine zweite Wahl namens SoundJam MP.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist iTunes heute auf vielen privaten Computern (Mac wie PC) eine der am häufigsten genutzten Anwendungen und hat den kostenpflichtigen Musikerwerb übers Internet salonfähig gemacht. Dennoch hätte die Musikindustrie wohl zu gerne selbst die Zügel in die Hand genommen, es aber ohne die Hilfe Apples niemals geschafft. Apple hat sich damit in einem weiteren Bereich als Marktführer platziert und konnte sogar die verbliebenen Beatles davon überzeugen, ihren Musikkatalog im iTunes Store verfügbar zu machen – angesichts der problematischen Beziehung zwischen Apple und Apple Records 2001 noch unvorstellbar.

Kleine Macs: Gefallene Würfel und sexy Minis
Auch die kleinsten der Macs haben gewaltige Veränderungen durchlaufen. Der Cube von 2001 war seiner Zeit zu sehr voraus und vor allem deswegen ein finanzieller Misserfolg – der Mac mini von heute wiederum ist ein solider Dauerbrenner des Herstellers. Und beobachtet man aufmerksam Apples steten Drang zur Verkleinerung, wäre ein möglicher Nachfolger des Power Mac G4 Cube wohl sowieso kleiner geworden, um Anfang 2005 eben genau bei jener Bauform zu landen, die der erste Mac mini hatte. Mitte 2010 hat Apple den Mac mini ein weiteres Mal abgespeckt, diesmal leider nicht beim Preis. Die nächste Reduzierung im Jahr 2015 wird mit Spannung erwartet ...

Laptops: vom Power- zum MacBook
Aus dem iBook von 2001 wurde 2010 ein Buchladen, zumindest was die Bezeichnung angeht. Ansonsten ist bei Apple unverändert ganz viel los in Sachen Laptops. Kaum ein Bereich des Herstellers wird stets so aktuell gehalten, nirgends sonst gibt es dermaßen viele sichtbare Innovationen. Keine Frage, Apples Laptops sind seit langem die schönsten und gehören sicher auch zu den besten und technologisch anspruchsvollsten. Nicht ganz so überzeugt bis heute die Namensgebung der tragbaren Macs – MacBook klingt weit weniger einprägsam als iBook, aus dem leicht auch ein iBook Pro hätte werden können. Da es sich bei den MacBooks aber um keine iDevices mit iOS handelt, ist die Wahl Apples durchaus logisch. Dem PowerBook G4 des Jahres 2001 mit seinen Titan-Bauteilen steht im Jahr 2011 ein Unibody-Modell des MacBook Pro aus Aluminium gegenüber – ganz klar liegen beim Design die Änderungen im Detail, Apples bleibt sich im wesentlichen treu. Und in Sachen Technologie passt der Hersteller seine Modellreihe den Gegebenheiten mindestens einmal jährlich an, seit drei Jahren gibt es auch ein aufs Minimum reduziertes MacBook Air, das sich sogar in einer Aktenmappe verstecken kann.

Mac OS X: vom Halbstarken zum Erwachsenen
Mac OS X 10.0 war gerade verfügbar, Classic aber noch weit verbreitet. Im Dezember 2001 wurde Classic mit Version 9.2.2 schließlich zu Grabe getragen. Vermissen wir es? Nein, denn Classic fehlte es so ziemlich an allem, was ein modernes Betriebssystem ausmachte, weshalb es von vielen zum Mac umgestiegenen NeXT-Anwendern auch als Virus bezeichnet wurde. Nicht sehr fein, doch aber zutreffend für ein laufend abstürzendes und auch grafisch zurückgebliebenes System. Der technologische Wechsel war überfällig, anders hätte der Hersteller nicht überlebt.

Nachdem Mac OS X die letzten Jahre aufgrund Apples iOS-Anstrengungen etwas stagnierte und nur deswegen kein Terrain gegenüber der Konkurrenz verlor, weil es dieser um Jahre voraus war und Apple mit seinen iDevices geschickt von allem ablenkte, wird Mac OS X mit 10.7 Lion hoffentlich wieder zur alten Form zurückfinden. Vieles spricht dafür, dass Lion auch ohne Front Row ein echter Knüller werden könnte.

Peripherie: vom Flughafen zur Zeitkapsel
Verfeinerung lautet im Bereich von Apples Peripherie das Motto. Zumindest eine Pro Mouse von 2001 lässt sich heute noch genau wie damals problemlos verwenden, das kann allerdings zum traumatischen Erlebnis werden. Im direkten Vergleich zur Magic Mouse wirkt Apples Maus-Methusalem heute fast unbenutzbar – und ein Magic Trackpad schuf gar eine völlig neue Kategorie der Eingabegeräte.

Und sonst? Apples Time Capsule ist der vorläufige Höhepunkt der AirPort-Baureihe, die im Sommer 1999 mit Apples AirPort Base Station (Graphite) und dem Standard 802.11b begann. Macs mussten damals noch mit AirPort nachgerüstet werden, das war so richtig teuer. Mittlerweile ist AirPort zum etablierten Standard im Mac-Universum geworden, in welchem sich auch iPad, iPhone und Geräte vieler Zubehöranbieter wohlfühlen.

Fazit
Dieser Beitrag könnte auch zehnmal so lang sein, es gibt unendlich viel zu erzählen. Und der Verfasser dieser Zeilen hat nichts von alledem vergessen – vor zwanzig Jahren kaufte er seinen ersten NeXT und betrat im Jahr 2000 dann mit einem PowerBook die Apple-Szene, damals noch mit ziemlich fürchterlichen Beta-Versionen von Mac OS X. Wie dem auch sei, zehn Jahre Apple-Geschichte sind so viel mehr als zehn Jahre Unternehmensgeschichte anderer Hersteller – das ist und bleibt sehr beeindruckend. Was hat Microsoft in dieser Zeit getan? Neue Windows-Versionen, neue Eingabegeräte, Spielkonsolen – toll. Und Google? Neue Internetdienste und ein Betriebssystem für mobile Geräte – auch ganz toll. Es scheint immer noch so zu sein, als wäre Apple die treibende Kraft im IT-Bereich, ohne die es absolut nichts Neues und Interessantes mehr gäbe.

Was werden uns wohl die kommenden zehn Jahre bringen? Wird Apple Weisheit vor Wachstum walten lassen und sich von seiner Marktdominanz nicht allzu sehr berauschen lassen? Wird es weitere völlig neue Gerätekategorien wie iPod, iPhone und iPad geben, die alles bisherige in den Schatten stellen? Wird Apple auch als Internet-Dienstleister erfolgreiche Strategien entwickeln? Und wird der Mac von all diesen Innovationsschüben profitieren oder irgendwann nur eine von vielen iOS-Kategorien werden? Wir sind gespannt!

Display beim iPhone kaputt? Kein Problem: Reparier es selbst mit dem GIGA & Fixxoo DIY-Set für die iPhone Display-Reparatur - schnell, einfach und preiswert!


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA APPLE

Anzeige
GIGA Marktplatz