Surface Book im Test: Das perfekte Notebook?

Christof Wallner
7

Nach der Vorstellung des ersten Surface Tablets war es nur eine Frage der Zeit, bis Microsoft ein eigenes Notebook auf den Markt bringt. Wie dieses aussehen könnte und welche Vorzüge Microsoft integriert, konnte man sich allerdings nur schwer vorstellen. So war auch die Vorstellung des Surface Book eine Überraschung.

Mit einem 2-in-1 Formfaktor und einer besonders hohen Performance in der 13-Zoll-Ultrabook-Klasse möchte Microsoft neue Kunden gewinnen und Hersteller zur Innovation ermuntern, wie es auch beim Surface-Tablet war.

In unserem Test zum Surface Book könnten wir aber zeigen, ob sich das Warten lohnt, denn immerhin ist das Surface Book erst ab Anfang 2016 in Deutschland erhältlich. Hinzu kommt der mutmaßlich recht hohe Preis: In den Vereinigten Staaten kostet die Einstiegsversion ohne dedizierten Grafikchip bereits satte 1.499 US-Dollar. Möchte man mehr Grafik-Power, muss man mindestens 1.899 Dollar ausgeben – nicht zu vergessen die jeweiligen Steuern, abhängig vom Bundesstaat, kommen. Dementsprechend erwarten wir nicht, dass die Version mit dedizierter GPU in Deutschland unter 2000 Euro kostet und damit einen wahrlich stolzen Preis hat. Ist das Surface Book sein Geld überhaupt wert und wie hoch sind die Performance-Unterschiede zu anderen Ultrabooks? Das zeigen wir euch im Folgenden.

Besonderes und auffälliges Design

Unser erster Eindruck zum Surface Book war mit gemischten Gefühlen behaftet. Auf der einen Seite zeigen sich beinahe perfekte Verarbeitungsqualität und hochwertige Materialien. Aber man sieht ebenfalls auf den ersten Blick, dass das Surface Book anders ist. Durch das auffallende „fulcrum hinge“, auf Deutsch „Drehpunktscharnier“ wird das Surface Book zu einem vergleichsweise dicken Begleiter, denn mit rund 23 mm an der Rückseite ist es doch weit dicker als andere Ultrabooks. Das spezielle Scharnier bringt aber weitere Verbesserungsmöglichkeiten mit, denn klappt man das Gerät zusammen, kann man von der Seite durch das Gerät durchsehen. Dass dadurch die herausstehenden Tasten der Dock geschützt werden stimmt zwar – die Begründung ist aber aus unserer Sicht fadenscheinig, denn dieses Problem hätte anders gelöst werden können. Warum Microsoft dieses Scharnier entwickelt hat, zeigt sich aber spätestens dann, wenn man zum ersten Mal das Tablet von der Dock löst.

Surface-Book-Test-24

Das Tablet mit seinem 13,5-Zoll-Display ist mit etwa 700 Gramm überraschend leicht und vor allem dünn angesichts der Tatsache, dass hier nicht nur das Display, sondern auch Prozessor, Arbeitsspeicher, SSD und die Lüfter integriert sind. Um aber 700 Gramm an der Dock stabil zu halten und gleichzeitig einen leicht einstellbaren Winkel zu haben, wird aber doch ein spezielles Scharnier benötigt. Berührt man den Touchscreen, kann es natürlich trotzdem zu einem leichten Wippen kommen. Hier ist das Surface Book aber keine Ausnahme, denn das haben wir bisher bei allen Convertibles mit Touchscreen gesehen.

Surface-Book-Test-9

Zum Aufklappen des Surface Books benötigt man meist zwei Hände. Es gibt zwar eine schöne große Aussparung – ähnlich wie bei MacBooks – allerdings werden Tablet und Dock magnetisch zusammengehalten, sodass das Tablet nicht einfach auf dem Dock klappern kann.

Surface-Book-Test-20

Hat man es aufgeklappt, ist das 13,5 Zoll-Display ein sofortiger Blickfang. Neben natürlichen, aber dennoch satten Farben und ein einer hohen Helligkeit merkt man sofort, dass es wesentlich höher im Vergleich zu anderen Notebooks ist. Das liegt an dem speziellen 3:2-Format des Displays. Laut Microsoft ist das das optimale Format, um das Surface Book auch als „digitales Clipboard“ zu verwenden, da es mehr einem A4-Blatt ähnelt. Anfangs kam uns das im Testbetrieb ungewöhnlich vor; bald zeigte sich jedoch, dass so das Surfen im Web wesentlich bequemer ist, auch das Bearbeiten von Word-Dokumenten profitiert von dem Format. Sieht man aber Filme auf dem Surface Book, zeigen sich die ersten Nachteile, denn unter und über dem Film nehmen zwei schwarze Balken viel Platz ein.

Das Surface Book als Tablet

Surface-Book-Test-14

Verwendet man das Surface Book als digitales „Clipboard“, kann das Surface Book die Vorzüge des Formats voll ausspielen, vor allem in Verbindung mit dem neuen Surface Pen. Man kann so bequem beispielsweise PDFs im Hochformat mit der vorinstallierten App „Drawboard-PDF“ bearbeiten oder über OneNote Notizen aufnehmen. Lange kann man das Tablet allerdings nicht in der Hand halten, da es doch schwer ist und die Akkulaufzeit von ca. 3 Stunden begrenzt ist. Zudem gibt es beim Tablet selbst, abgesehen vom Surface-Connector zum Laden, keine Anschlüsse.

Surface-Book-Test-15

Der neue Surface Pen bringt weitere Vorteile gegenüber den Vorgängern, denn durch neue austauschbare Spitzen bekommt der Surface Pen mehr Widerstand und fühlt sich einem richtigen Kugelschreiber und Blattpapier noch ähnlicher. Durch eine noch höhere Präzision und bessere Druckempfindlichkeit fühlt sich das Schreiben noch natürlicher an. Gleichzeitig kann auch die rückwärtige Taste als Radiergummi verwendet werden. Praktisch ist auch, dass man den Stylus nicht mehr extra verstauen muss, denn durch starke Magneten heftet er sich einfach, aber sicher an den Rand des Surface Books.

Surface-Book-Test-23

Überzeugt haben im Surface Book-Test aber nicht nur die hochwertigen Materialien und das Display, sondern die guten Lautsprecher, die auf der Vorderseite optimal positioniert sind. Auch die Kameras sind sehr gut: Auf der Rückseite unterstützt die 8-MP-Kamera Autofokus und Full-HD Video. Neben der Kamera ist auch noch ein Mikrofon versteckt, wodurch auch Videoaufnahmen z. B. von einer Vorlesung oder einem Vortrag gut aufgenommen werden können, auch wenn die Personen etwas weiter entfernt sind. Auf der Vorderseite zeigt sich eine 5-MP-Kamera mit fixem Focus und eine weitere Infrarotkamera.

„Infrarotkamera + Windows Hello – Der neue Standard für High-End Laptops?”

Letztere ermöglicht die Unterstützung von Windows Hello – einer simplen Anmeldeoption, bei der das Gesicht gescannt und erkannt wird. Insgesamt betrachtet ist dies sogar eines meiner Lieblingsfeatures des Surface Book und auch des Surface Pro 4. Wird das Surface Book aus dem Stand-by aufgeweckt wird das Gesicht innerhalb von etwa einer Sekunde erkannt und man wird sofort eingeloggt. Ohne zusätzlichen Handgriff – und das auch bei Nacht.

Surface-Book-Test-6

Das Tastatur Dock: Der 2-in-1 Formfaktor endlich voll ausgenutzt

Neben Windows Hello ist uns im Test des Surface Book vor allem die grandiose Tastatur aufgefallen. Mit einem ausreichend großen Tastenabstand und etwas stärkerem Feedback, bringt die Tastatur ein geniales Schreibgefühl. Wechselt man während des Arbeitens zu einem anderen Notebook, wirken dort die eigentlich sonst guten Tasten als schwammig. Perfekt ist die Tastatur für meine Bedürfnisse aber trotzdem noch nicht. Hier fehlen mir im täglichen Gebrauch vor allem Schnelltasten für die Helligkeitssteuerung des Displays. Dies kann nur mittels Touchscreen oder Tastenkombination erreicht werden – schade. Dafür zeigt sich beim Trackpad aber auch Microsofts Erfahrung mit Eingabegeräten. Das ist schlicht und einfach das beste Trackpad in einem Windows-Notebook bislang – zugegeben kein allzu schwer erreichbarer Superlativ. Mit der feinen und großen Glasoberfläche kommt Microsoft beinahe an das Feeling und die Präzision des MacBook-TouchPads heran. Perfekt ist das Trackpad aber nicht ganz, wir hatten im Chrome-Browser einige Probleme und konnten nach einer gewissen Zeit nicht mehr scrollen. Dies ist aber ein Software-Problem und soll laut Microsoft in Kürze mit einem Update behoben werden.

Surface-Book-Test-8

In der Tastatur-Dock des Surface Book steckt natürlich noch mehr. So findet man auf der rechten Seite zwei USB 3.0-Anschlüsse und ein SD-Karten-Slot. Auf der rechten Seite befindet sich lediglich der Mini-Display-Port und Surface-Connector über den das Gerät geladen werden kann oder die teure Surface Dock angeschlossen werden kann. Von USB-Type-C-Anschluss fehlt jede Spur.

Surface-Book-Test-12

Ein kleiner Lüftungsschlitz vor dem Scharnier der Dock weist bereits darauf hin, dass im Inneren eine kleine Innovation schlummert. So befindet sich hier neben einem 52 Wh-Akku die dedizierte GPU. Diese GPU ist eine Eigenentwicklung von Nvidia für Microsoft, sie basiert auf dem Geforce 940M Chip, besitzt jedoch 1 GB GDDR5-Speicher gibt, dieser verleiht dem Surface Book eine Performancesteigerung bei gewissen Programmen. Die Einschaltung der dedizierten GPU erfolgt automatisch mittels Software; daher kann das Tablet vom Dock nicht einfach entdockt werden. Das Tablet wird zwar magnetisch an der Dock gehalten, die Verbindung ist aber elektrische abgesichert.

Surface-Book-Test-5

Drückt man die entsprechende Taste am Dock, bekommt die Sicherung ein Signal und öffnet – andernfalls sitzt das Tablet fest im Dock. Möchte man während des Arbeitens das Dock entfernen und hat ein Programm wie Premiere Pro laufen, bekommt man den Hinweis, dass die Software erst geschlossen werden muss. Abgesehen davon kann der Tablet-Teil des Surface Book auch im heruntergefahrenen Zustand entdockt werden.

Ist das Surface Book wirklich so viel schneller?

Dass die Aktivierung der GPU noh nicht immer perfekt funktioniert, zeigen manche Benchmarks, bei denen das Surface Pro 4 mit gleicher Ausstattung, aber ohne Nvidia-GPU teilweise höhere Werte erreicht. Lediglich bei Benchmarks speziell für die GPU ist ein deutlicher Vorsprung von ca. 65% erkennen. Im täglichen Gebrauch macht sich der Vorteil vor allem bei Programmen wie Adobe Premiere Pro oder CAD-Programmen bemerkbar. Hier renderte beispielsweise ein Testvideo mit dem Surface Book um ca. 15% schneller als mit dem Surface Pro 4. Bei Spielen darf man auch nicht erwarten, dass man alle Games mit bester Grafik spielen kann, zumindest bei High-End-Titeln muss man trotzdem zu den niedrigsten Einstellungen greifen. Das beweisen auch Benchmarks im Vergleich mit dem Acer Aspire V Nitro Notebook mit der Gefore 950M. Die Werte liegen hier beispielsweise im Valley-Benchmark um 45 % darunter.

Benchmark-Resultate

3D Mark (Skydiver)610489083D Mark (Firestrike)8402754

Benchmark Surface Book Acer VN7-572G (V Nitro)
Valley Basic 1163 (27,8 FPS) 1510 (36,1 FPS)
Valley Extreme HD 339 (8,1 FPS) 519 (12,4 FPS)
Cinebench R15 (CPU / Open GL) 300 / 30,22 301 / 132
PCMark 08 (Home) 2353 3732

Sehr positiv zu erwähnen ist die verbaute SSD, die vermutlich auch für die krassen Preisunterschiede zwischen den einzelnen Modellen verantwortlich ist. Microsoft bestückt hier das Surface nämlich SSDs mit dem neuen NVMe Protokoll. So erreichten wir Spitzenwerte von über 1.500 MB/s beim Lesen und 300 MB/s beim Schreiben – Hut ab Microsoft! Umso weniger versteht man die Entscheidung, dass man nur auf DDR3-Arbeitspeicher setzt, statt auf den neueren DDR4-Standard.

Surface-Book-Test-11

In Bezug auf die doch potente Performance sind im Surface Book Test die leisen Lüfter aufgefallen. Diese laufen wirklich nur, wenn leistungsintensive Programme gestartet werden. Weil der Prozessor und die Grafikeinheit nicht direkt im gleichen Teil des Gehäuses arbeiten, müssen die einzelnen Lüfter nicht so viel arbeiten. Erstaunlich gut ist die Kühlleistung des Lüfters im Tablet, wenn man bedenkt wie dünn dieses ist. Genau wie beim Surface Pro 4 findet man einen feinen Lüftungsschlitz um das gesamte Gehäuse. Eine Wärmeentwicklung bis zu 38 Grad konnten wir aber lediglich im mittleren Bereich des Tablets feststellen, während der Teil rundherum kühler blieb. Somit stört die Abwärme auch nicht, wenn man das Tablet in der Hand hält und damit arbeitet. Bei der Dock war der heißeste Punkt am Gerät das Scharnier. Hier fanden wir einen Spot mit bis zu 46 Grad nach knapp einer Stunde Vollauslastung.

Neben den dezenten Kühlern waren wir auch von der Akkuleistung angetan. Die Laufzeit des Tablets mit seinem 18 Wh-Akku liegt bei rund 3 Stunden. In Verbindung mit der Tastatur-Dock erreichten wir aber Werte von 12,5 Stunden – ein beachtlicher Wert. Bei stärker Nutzung erreichten wir immerhin einen Wert von 8 Stunden. Geladen werden die zwei Akkus mit einer Gesamtkapazität von 70 Wh innerhalb von ca. 4 Stunden, sofern man das Surface Book nicht gleichzeitig verwendet.

Surface-Book-Test-21

Dementsprechend kann das Surface Book durchaus begeistern. Doch nicht immer funktioniert auch beim Surface Book alles, wie es soll. Glaubt man, dass Microsoft die Treiber und die Software schon optimal anpassen konnte, liegt man falsch: Hin und wieder kam es zu Problemen. Neben dem kleinen Problem mit Trackpad konnten wir im Test ein paar Mal das Surface Book nicht einfach aus dem Stand-by aufwecken. Beim Entdocken des Surface Book zeigte sich einmal gar ein Bluescreen.

Test-Fazit zum Surface Book

Ist nun das Surface Book DAS perfekte Notebook? Diese Frage muss man leider mit Nein beantworten. Das Surface Book ist ein gelungenes Notebook, oder vielmehr ein Convertible mit vielen Vorzügen. Die Liste ist lang: ein großartiges Display, gute Lautsprecher, eine hervorragende Tastatur und ein gutes Trackpad, ein präziser Stylus, hohe Performance mit leisen Lüftern und langer Akkulaufzeit. Auf der Kontra-Liste steht ein noch nicht perfektes Scharnier, das das Notebook unnötig klobig macht. Microsoft lässt sich hier wohl für die nächste Generation ein bisschen Raum für Verbesserung, ähnlich wie bei der ersten Surface-Generation.

Das Surface Book ist sicherlich nichts für jedermann, sondern ein Gerät für den Pro-User – und das zeigt sich auch beim Preis.

Wer nicht unbedingt die zusätzliche Grafik-Performance benötigt, aber mit Stylus und dem Tablet-Formfaktor liebäugelt, sollte sich das neue Surface Pro 4 ansehen. Wer ein elegantes und schlichtes Ultrabook sucht, könnte großen Gefallen am HP Spectre X360 finden. Und für alle, die sich mehr Performance erwartet haben, erwartet beim Dell XPS 15 sogar eine GeForce 960M GPU bei ähnlichem Preis und verhältnismäßig kompaktes Gehäuse.

Unsere Test-Wertung zum Microsoft Surface Book

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Tastatur / Trackpad: 4/5
  • Konnektivität: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 85 %

Pro

  • Tolle Verarbeitung
  • Gutes Display
  • Akkulaufzeit
  • Windows Hello
  • Tastatur, Trackpad und Stylus

Kontra

  • Etwas zu dick und schwer
  • Software noch fehlerhaft
  • Teuer

Microsoft Surface Book
Wallner Christof

November 17,2015

4.2/5 Sterne

Weitere Themen: Windows 10, Microsoft

Neue Artikel von GIGA WINDOWS

GIGA Marktplatz
}); });