Castle of Illusion Test: Wenn Retro, dann bitte so

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Wahrscheinlich werden unzählige Tests zu „Castle of Illusion“ mit „damals war das so“ beginnen, aber – mein Gott – wie soll man so ein Review schon anders beginnen. 1992, als ich am Weihnachtsabend die Geschenkpackung aufriss und Micky Maus mir entgegen strahlte, da waren Videospiele gerade die Entdeckungen meines noch so jungen Lebens. Ich kann also gar nicht anders, als von maximaler Prägung zu sprechen, wenn ich über dieses Retrojuwel lamentiere.

Dass dieser Tage zahlreiche Remakes auf den Markt geworfen werden, werte ich mal ganz zuvorkommend nicht als kreative Bankrotterklärung sondern Liebesbrief an fast vergangene Tage. Uns alte Säcke holt diese Rückkehr in selige Zeiten sowieso ab, jüngere Gamer können so vielleicht die Magie der Jump'n Run-Pioniertage kurz erahnen. Wobei...in Zeiten von martialischer Dauerbesprengung und OpenWorld-Luftschlössern lockt derart entschleunigtes Gehüpfe wohl keinen 15jährigen hinter dem Lets Play-Mikro hervor.

So sei dieses Review dann eben doch als herzige Umarmung eines alten Bekannten zu verstehen. Micky und ich, was hatten wir für tolle Zeiten. Damals, 1992, war ich ohnehin von allem fasziniert. Die Grafik war sowohl auf dem Mega Drive und Master System ein Knaller, die Sounds verspielt, der Schwierigkeitsgrad anstrengend, der Payoff durch die endlos fantasievolle Gestaltung aber umso schöner. Wie gut, dass Sega all diese Qualitäten nun formschön ins neue Jahrtausend transportiert.

Grafisch macht Castle of Illusion den größten Schritt, passt sich vom Look her aber eher an aktuelle Jump'n Runs wie „Rayman Legends“ an. Capcoms „Duck Tales“ wählte vergangenen Monat einen anderen, weitaus simpleren Stil. Drüben wirkt das Grafikgerüst wie gemalt, allerdings seltsam starr und detailarm. Hüben werden zwar auch keine Kreativkaskaden ala Rayman abgefeiert, aber die Hintergründe wirken verspielt und dynamisch, die Grafik sehr viel plastischer.

Und wo in „Duck Tales“ noch die totale, fast pedantische Inhaltstreue regierte, indem man die Levelkarten des Originals einfach nachzeichnete, weicht „Castle of Illusion“ gerne auch von den bekannten Strukturen ab. Es gibt die Magic Moments des Originals, etwa die Flucht vor dem rollenden Apfel oder das Bad im Kamillen-Tee, aber es wirkt frisch und modernisiert, immer wieder gibt es Abzweigungen und clevere Kniffe der alten Ideen. Nur so können und müssen Remakes funktionieren – stures Abarbeiten bekannter Szenarien braucht niemand.

Bildergalerie castle-of-illusion

Ein moderner Ansatz ist etwa die Zufuhr von Sammelobjekten. Damals, als Auto-Savepoints und endlos-Continues noch nicht etabliert und vercasualt waren, mussten Spiele wie „Castle of Illusion“ in einem Rutsch durchgespielt werden. Die Langzeitmotivation ergab sich also schlicht aus dem nagenden Bedürfniss, „dieses Mistding“ jetzt endlich durchzuspielen. Anno 2013 ergibt sich diese Befriedigung nach rund vier Stunden von allein, trotz teils knackiger Stellen. Da müssen es dann eben zusätzliche Sterne sein.

Fazit

Ansonsten bleibt mir nur zu loben, wie liebevoll dieses Remake daherkommt. Wo mir „Duck Tales“ im vergangenen Monat viel zu sicher in den Hafen wohliger Retroschauer hinein schiffte, fühlt sich „Castle of Illusion“ nun sehr viel zeitgemäßer an. Die alten Levels sind klar zu erkennen, haben aber allesamt kleine Twists, ein Sprecher begleitet Micky durch Geistertäler und Zuckerwatte, der Soundtrack düdelt modernisiert, aber ebenso vertraut.

Puristen würden vermutlich sagen, das Spiel sei schon zu weit weg vom Original, ich wiederum denke: wenn ich dasselbe Abenteuer noch einmal erleben will, krame ich das Master System“ vom Dachboden hervor. Im aktuellen Retroreigen ist „Castle of Illusion“ daher mein absoluter Favorit und eine klare Empfehlung, selbst für eine Gamer-Generation, die möglicherweise nicht einmal mehr den Namen Micky Maus kennt.

Unsere Wertungsphilosophie

Wertung

8/10
Getestet von David

Wohlig vertraute Reise in vergangene Zeiten.

Leserwertung
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