
Das wohl bekannteste verschollene Album der Popgeschichte wird dieser Tage offiziell veröffentlicht: SMiLE von den Beach Boys. Es ist das Album, das Brian Wilson bei den Aufnahmen 1966/67 so nahe an den Rand des Wahnsinns brachte, dass er einen Teil der Songs erst nach 40 Jahren wieder zu spielen wagte. Nun erscheinen die Original-Aufnahmen, die vorher nur in Fan-Kreisen unter der Hand die Runde machten – und sie stehen auch komplett als Stream zum Anhören online.
Zwar hatten die Songs unter dem Titel “Brian Wilson presents Smile” schon im Jahre 2004 das Licht der Öffentlichkeit erreicht; Brian Wilson spielte mit seiner damaligen Band das Material komplett neu ein und führte es auch live auf. Doch die originalen Aufnahmen aus den Sechzigern waren nur unter der Hand zu haben.
“SMiLE” hätte nach der “Pet Sounds” der nächste große Wurf der Beach Boys werden sollen. Zusammen mit dem Texter Van Dyke Parks arbeitete Brian Wilson an einem regelrechten Konzept-Album, das weit über die Popmusik, Surf- und Liebeslieder hinausgehen sollte, die bis dahin das Markenzeichen der Beach Boys waren. Das zeigte sich nicht nur textlich, sondern auch in dem Willen, Grenzen bei der Produktion zu sprengen: “Heroes and Villains” war beispielsweise ursprünglich über 12 Minuten lang, das Album sollte die vier Elemente widerspiegeln, bei den Aufnahmen kommen Geräusche, vielfältig ungewöhnliche Instrumentierungen, halsbrecherische Harmonien und Songstrukturen zum Zuge.
Die anderen Beach Boys waren damit gar nicht so glücklich, sie sorgten sich um den Erfolg des Projekts. Und als sich die Aufnahmen immer länger hinzogen, kam es schließlich zu einem Streit, bei dem Van Dyke Parks wütend die Studioräume verließ. Immerhin existierte zu dem Zeitpunkt schon nahezu eine fertige Version, die veröffentlicht hätte werden können.
Doch dann erschien “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” der Beatles, das einen ähnlich revolutionären Ansatz verfolgte wie die “SMiLE” – und stürzte Brian Wilson endgültig in eine Krise. Das gesamte Projekt wurde von ihm begraben. Lediglich ein Teil der Songs fand sich auf späteren Beach-Boys-Alben, darunter “Good Vibrations” und “Heroes & Villains”.
Die nun erschienenen “The SMiLE Sessions” enthalten neben den offiziellen 17 Songs auch zahlreiche Bonustracks und Fragmente – denn die Songs wurden immer wieder umgeschrieben und neu arrangiert. Die AOL-Seite Spinner präsentiert derzeit den Album-Stream in ganzer Länge – und Hineinhören lohnt sich. Auch nach dieser langen Zeit kann man sich noch vorstellen, was für ein Meilenstein SMiLE damals gewesen wäre – und heute noch ist.