Beatles im iTunes-Store: Apple-Coup schlug ein

Sebastian Trepesch
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Vor genau einer Woche – war da irgendwas? Nein, es war bestimmt ein ganz normaler Tag, ein ganz normaler Mittwoch, und I’ve been working like a dog. Nichts besonderes – halt, vielleicht: Ich habe seit längerem mal wieder Beatles gehört. Irgend ein Laden hat mich an die Fab Four erinnert. Ach: Es war der Apple Store. Da war also doch etwas… Ein Tag, den ich nie vergessen werde. Glaubte Apple.

Herzlichen Glückwunsch, Apple. Das war ein gelungener Marketing-Coup. So ziemlich jeder dürfte jetzt wissen, dass die Beatles im iTunes Store zu haben sind. Vorher gab es die Musik der Liverpooler Jungs in keinem Download-Shop, Apple hat sie jetzt.

Sehr bemerkenswert: Es reichte eine schlichte, aber rätselhafte Ankündigung am Tag vorher, nicht viel mehr als zwei Zeilen, auf blankem Hintergrund, auf der Apple-Webseite: “Heute ist ein ganz normaler Tag. Den Du nie vergessen wirst.” Schon starteten die Spekulationen, was den Tag so besonders machen könnte.

Als vergangenen Mittwoch dann die Nachricht bekannt wurde, dass nur die Veröffentlichung der Beatles-Alben im iTunes-Store den Tag so unvergesslich machen soll, war die Enttäuschung groß, das bezeugen genügend Kommentare auf macnews.de. Apples Marketingabteilung hat jedoch ihr Ziel erreicht: Apple, iTunes und The Beatles waren in aller Munde (und sind es zum Teil noch).

Die Aktion regte aber fleißig den Umsatz an: Billboard.biz berichtete gestern, dass weltweit mittlerweile mehr als 450.000 Alben und 2 Millionen Einzeltitel der Fab Four verkauft wurden. Über iTunes. In einer Woche.

Offensichtlich hat doch noch nicht jeder die CDs im Schrank stehen – oder wollte die LPs nicht mühsam in den Rechner eingespielen. Die Alben sind nicht gerade zum Schnäppchenpreis erhältlich: 12,99 Euro* für 35 Minuten Help! – Qualität statt Quantität, und die kostet. (Auch wenn sie vor Jahrzehnten verhältnismäßig günstig produziert wurde.)

Apple hat mit einem guten Angebot an den Musikkonzern EMI die Mitbewerber ausgestochen und sich ein Online-Monopol für die Beatles-Musik ausgehandelt. Natürlich möchten auch Amazon und andere Online-Musikanbieter Revolver, Rubber Soul und Sgt. Pepper’s. Der New York Post zufolge hat der Computerkonzern aus Cupertino die Exklusivrechte noch das ganze Jahr 2011. Für Amazon bleibt deshalb nur, Apple preislich zu unterbieten – mit den CDs. Der Versandhändler verkauft für 9,99 Euro

* die gepressten Beatles-Alben, 3 Euro günstiger als der iTunes-Download*.

Abstrus, dass gerade Apple den Zuschlag für den Onlineverkauf erhielt. Der Computerhersteller lag öfters im Klinch mit der Plattenfirma der Beatles, zugehörig zu EMI. Die hieß auch Apple, und war bereits in den 60er Jahren gegründet worden. Eine Vereinbarung zwischen Apple und Apple sah vor, dass der Computerhersteller den Namen behalten, aber nicht im Musikbusiness tätig werden darf. Mit Veröffentlichung von iTunes und iPods sah die Plattenfirma dieses Dokument jedoch verletzt und klagte, jahrelang. 2006 entschied ein Londoner Gericht: Das Apfel-Logo darf in iTunes bleiben.

Das hieß jedoch nicht, dass ab dem nächsten Tag Yesterday und Let It Be aus einem Downloadshop geladen werden konnten. Noch im Mai dieses Jahres äußerte sich Beatle Paul McCartney, dass er nicht verstehe, warum die Sache zwischen EMI und Apple so verrückt ist. Und Yoko Ono, Frau von John Lennon, sagte “Das kann dauern”, bis die Musik der Liverpooler als Web-Download zur Verfügung steht.

Die Veröffentlichung vergangenen Mittwoch war für Apple und die Beatles tatsächlich das Happy End einer langen Geschichte.

Paul McCartney ist nicht nur Bassist, Sänger, Songschreiber und Sir, sondern auch Geschäftsmann. Für die Fans ist es keine Überraschung mehr, dass fast jedes zweite Weihnachten ein neues Produkt der Fab Four erscheint. Live at the BBC, Anthology, 1, Love, die Remaster – alles mehr oder weniger Weihnachts-CDs. Dieses Jahr also die Downloads, mit kleinen Zusatzdokumentationen. Danke für die Erinnerung, Apple, die CDs sind schon eingestaubt. Verstärker an, zurückgelehnt, “It’s been a hard day’s night”. Yeah, yeah, yeah!

Die ganzen Apple(Computer)-Fans waren jedoch etwas enttäuscht: Nur die Beatles.

Was wollten wir erwarten? Die Zeichen waren diesmal so klar: Die Uhrzeiten in der Apple-Ankündigung bildeten fast das Help!-Cover ab, im Text der Ankündigung war der McCartney-Titel “Another Day” versteckt. Und was will iTunes – nicht Apple! – schon groß verkünden?

Wir haben Apples Zeichen nicht zu deuten gewusst.

Kann ich den Tag jetzt vergessen?

Weitere Themen: iTunes, iTunes für Mac

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