EU verlängert Schutzfrist für Musik - Major Labels unterbinden Samples für weitere 20 Jahre

Peer Göbel

Nicht umsonst wird das US-Gesetz, das 1998 die Verlängerung des Copyrights auf 95 Jahre festlegte, auch Mickey Mouse Protection Act genannt. Der Disney-Konzern leistete massive Lobbyarbeit, um die Rechte an Micky Maus nicht zu verlieren. Nun hat die EU eine Verlängerung der Schutzfrist von Musik-Aufnahmen beschlossen – von 50 auf 70 Jahre. Dieses Gesetz nützt nur marginal den Musikern – und vor allem den großen Major-Labels, die nicht ihre Rechte an ihrem Backkatalog verlieren wollen.

EU verlängert Schutzfrist für Musik - Major Labels unterbinden Samples für weitere 20 Jahre

Vorweg: Bei der jetzt vom EU-Parlament beschlossenen Richtlinie geht es NICHT um das Urheberrecht der Komponisten, sondern um die Rechte an einer konkreten Aufnahme – den sogenannten Leistungsschutz. Diese Schutzfrist lag bislang bei 50 Jahren nach Veröffentlichung.

Was heißt das genau? Ein gutes Beispiel ist “Twist and Shout”, das von Phil Medley und Bert Russell geschrieben wurde, aber sehr erfolgreich 1964 von den Beatles aufgenommen. Die Urheberrechte liegen bei Medley/Russell (gelten in den meisten Ländern bis 70 Jahre nach dem Tod), die Leistungsschutzrechte für die konkrete Beatles-Aufnahme liegen aber bei den ausführenden Musikern und Produzenten. Meist werden diese Rechte bei der Aufnahme vertraglich an die Plattenfirma übertragen. Wenn “Twist and Shout” in der Beatles-Version im Radio läuft, bekommen die Urheber eine Vergütung (das regelt die Gema), aber auch die ausführenden Musiker der Aufnahme bzw. diejenigen, denen sie ihre Rechte verkauft haben (das regelt die GVL). 2014 wäre der Leistungsschutz der Aufnahme ausgelaufen, da wären also ordentliche Einbußen für die Rechteinhaber fällig gewesen.

Ein Dossier von iRights.info kommt zu der Einschätzung, dass diese Verlängerung des Leistungsschutzrechts so kaum den ausführenden Musikern zugute kommt, sondern vor allem den großen Plattenfirmen, die nicht auf diesen Teil ihrer Einnahmen verzichten wollen – schließlich wird es bei vielen Aufnahmen aus den 60er Jahren nun zeitlich eng.

Interessant ist die Sache auch im Bezug auf Samples: Bei sehr kurzen Samples, die keine schützbare Gestaltungshöhe erreichen, also nicht urheberrechtlich geschützt sind, sind trotzdem die Lizenzen für die Leistungsschutzrechte noch einzuholen. Im Jahre 2015 hätte man also einen Beckenschlag aus der Beatles-Version von “Twist and Shout” für die eigene Produktion verwenden können, nun muss man weitere 20 Jahre darauf warten.

Bild: Dossier von irights.info

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