Cro “Raop” Kritik: Der easy Schmuse-Panda

Beschreibung

Die Zeiten, in denen HipHop, Indie und Chartserfolg unterschiedliche Welten waren, sind spätestens seit Casper vorbei. Jetzt kommt der nächste junge Rapper, auf den sich viele einigen können, ein Typ mit Panda-Maske, der sich Cro nennt. Sein Konzept: “Raop”, eine Mischung aus Rap und Pop, die auch sein Debüt-Album betitelt – hier unsere Kritik.

Zunächst einmal ist die Geschichte von Cro keine besondere: Kids, die am heimischen Computer Beats und Reime zusammenbasteln, gibt es, seit die Rechner schnell genug dafür waren (oder auch schon vorher, an Kassettenrekordern). Dann auf Tapes (damals), Myspace (später), Soundcloud und Youtube (heute) damit, und einige werden es sich anhören. Cros Tracks haben sich aber nicht nur einige angehört, sondern wirklich viele. Und obwohl (oder weil?) das “Easy”-Mixtape monatelang kostenlos im Netz verfügbar war, kletterte die erste Ohrwurm-Single im März 2012 dann trotzdem sogar auf Platz 2 der deutschen Charts. Das Video dazu wurde über 20 Millionen Mal angesehen:

Es folgten Support-Shows und ausverkaufte Touren, noch bevor ein Album erhältlich war. Das Debüt ist mit “Raop” nun da, und es hält größtenteils, was “Easy” und die drei Singles versprochen hatten: Sommerlichen Gute-Laune-HipHop mit funkigen Beats.

Die Reime sitzen locker, der Flow stimmt, und die Platte dreht sich relaxed um Sonne- und Regen-Themen. Das ist gar nicht so anders als Freundeskreis, Beginner, meinetwegen Fanta4 und andere 90er-HipHopper, und nicht umsonst erwähnt Cro seine Helden von damals, “Max, Sam und Jan”, heute zieht er selber durch die ausverkauften Hallen. Für Core-HipHop-Fans ist das wohl zu verschmust, für eine breitere Party- und Teenage-Angst-Jugend spricht das aber genau die Themen an, die gerade wichtig sind. Romance, Friendship und eine geile Zeit.

Nachdem die Anonymität von Cro zumindest namentlich inzwischen aufgedeckt wurde, steckt der Stuttgarter Carlo Waibel aber immer noch bei allen Auftritten in Konzerten und Medien unter der Panda-Maske. Der 19-jährige Mediengestalter mit Realschul-Abschluss hat damit nicht nur recht clever für ein ikonisches Bild gesorgt, sondern signalisiert auch eine gewisse Ablehnung der normalen Star-Mechanismen.

Dabei ist seine Musik wirklich Pop. Ohrwurm-Refrains treffen auf Liebeslied-Rapzeilen, die ausgeteilten verbalen Schläge sind dann doch eher spaßig – und aus jedem Track springt einem die gute Laune am eigenen Reim und an der Musik selbst entgegen. Soll heißen: Mir egal, ob das in euer Bild von HipHop passt, hauptsache, es macht Laune.

So ist die von Cro mit “Raop” nicht zuletzt eine Unabhängigkeitserklärung, von den (HipHop-)Generationen davor, von denen, die schon da waren und die Welt eng machen, und meinetwegen auch von der Major-Musikindustrie. Das Stuttgarter Indie-Label Chimperator setzte von Anfang an auf ihn, der Panda-HipHopper bescherte dem Label nun die erste goldene Schallplatte (mit “Easy”). Cros Gegenentwurf zu den Zwängen und Rechthabern ist ganz simpel: Jetzt ist deine eigene, gute Zeit – und darauf können sich viele einigen.

“Raop” ist am gestrigen Freitag erschienen, neben dem und der gibt es noch die (nur 1 Euro teurer) sowie die (2CD+DVD, T-Shirt und ein “Playbutton“, also ein Mini-MP3-Player mit dem Album drauf).

Überhaupt – wir könnten schon fast ein HipHop-Wochenende auf GIGA ausrufen, gerade laufen die Splash- und Frauenfeld-Livestreams und auch von Casper gibt es einen neuen Track zu vermelden.


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