Limp Bizkit Albumkritik - Gold Cobra: NuMetal's back, Bitches!

Leserbeitrag
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Eigentlich hätten wir gar nicht mehr mit ihnen gerechnet. Fred Durst meldete zwar immer wieder an, man würde weiterhin am neuen Limp Bizkit-Album arbeiten, aber wann es erscheinen solle, stand lange in den Sternen. Konkret werden sollte es ursprünglich schon 2008, auf der offiziellen Webseite "leakte" Durst persönlich alle möglichen Tracks, auf Tour testete man fleißig das neue Material. Die Reaktionen waren dabei immer die Gleichen: Ausnahmezustand!

Limp Bizkit Albumkritik - Gold Cobra: NuMetal's back, Bitches!

Noch so eine Sache, mit der eigentlich niemand mehr gerechnet hätte. Zehn Jahre nach ihrem Megaseller “Chocolate Starfish and the Hotdog Flavoured Water”, wollen es fünf alternde Rocker eines mittlerweile beinahe vergessenen Genres noch mal allen zeigen – das kann doch nur in die Hose gehen. “Korn”, die einstigen Ziehväter von “Limp Bizkit”, beweisen schließlich seit mittlerweile neun Alben, dass man sich angesichts des völligen Verzichts auf Weiterentwicklung großspurig ins Vergessen klimpern kann.

Und nun also . Komischer Name ist das, dann aber doch irgendwie passend, wenn man bedenkt, dass Herr Durst seine Alben früher nach Wasser mit Hotdog-Geschmack benannt hat. Trotzdem bleibt die Skepsis: Das Intro…ist eben ein Intro; will heißen: ein waberndes Gemisch aus Sprachfetzen und Tönen – in den 90ern Pflicht, heute eher ein Relikt. Dann der erste Song: “Bring it Back” – trashige Gitarrenwände, harter Cut, schnelle Raps ohne Ziel. Na super – das wird ein Albtraum…

Wird es nicht. Und zwar SOWAS von nicht. Der Titeltrack geht schon in die richtige Richtung; spätestens mit “Shark Attack” ist dann aber klar, wo hier die Reise hingeht: Da sind sie endlich wieder, die großen Gesten, die fetten Posen, die typischen Macker-Lyrics, total überzogen, aber so unendlich “Nineties” – “Don’t fuck me bitch”, “Motherfucker bring it on”. Genau das sind “Limp Bizkit” – als wären sie nie weg gewesen.

Dieser raue, freche, urige Crossover, den man in “Nookie” oder “Counterfait” zu hören bekam, ist fraglos längst verblichen. “Gold Cobra” ist vielmehr ein nostalgischer Trip in die angehenden 2000er. Das ist ein “Best of NuMetal”, ein “Best of Crossover”, ein “Best of einer vergangenen Zeit”, für viele wahrscheinlich das ultimative “Best of” ihrer eigenen Jugend. Das rockt nicht nur, das macht Spaß, das weckt Erinnerungen.
Die Truppe um Fred Durst hat dabei im Grunde kaum etwas am Sound geändert. Immer noch dominieren hier tief gestimmte Bässe, die direkt in die Magengrube gehen, DJ Lethals Samples und Scratches, über allem schweben die genialen Riffs von Wes Borland, der nach “Results May Vary” endlich wieder an Bord ist und zu alter Größe findet. Was dieser Mann mit ein paar einfachen Griffen zusammenzaubert, geht auf keine Kuhhaut. Man achte einfach mal auf die kleinen asynchronen Ausreißer bei “90.2.10.” und erstarre ehrfürchtig.


Wenn überhaupt wagen “Limp Bizkit” hier als maximales Experiment lediglich die Vermengung sämtlicher bisher erschlossener Stile. Das klingt manchmal nach den HipHop-lastigen Anfängen eines “Significant Other”, dann wieder wie der massentaugliche NuMetal der Chocolate Starfish”-Ära, selbst “Results May Vary” und “The Unquestionable Truth” finden ihren Platz. Der Witz ist, dass man damit zwar keine Innovationspreise gewinnt, die Mischung aber erstaunlich gut funktioniert.
Einige Songs, wie etwa “Shotgun”, das mit seinen breiten Gitarrenwänden eher an die “Deftones” erinnert, oder das (für “Limp-Bizkit”-Verhältnisse) vergleichsweise experimentelle “Loser”, hätten man den Jungs aus Jacksonville so gar nicht zugetraut. Da offenbaren sich dann tatsächlich ganz nebenbei auch Chancen und Perspektiven für neue Alben, für einen neuen Sound. Auf “Gold Cobra” regiert jedoch (noch) überwiegend die pure Nostalgie.

Die Quasi-Hymne “Walking Away” erinnert an “Behind Blue Eyes” oder “Build a Bridge”, “Why Try” oder “Shark Attack” klingen stark nach “Rollin’” – und so weiter und sofort. Schlecht kann das eigentlich nur derjenige finden, der bereits 2000 nichts mit diesem Genre anzufangen wusste. Und “Gold Cobra” ist ein Trip in eben jene Zeit. Hier gibt’s sogar Outros (“90.2.10″, “Get a Life”), Intros, Interludes – alles beim Motherfucking-Alten also.

Fazit

Wie man sich irren kann: Während man nach dem ersten Track von noch das längst überfällige Ende der einstigen NuMetal-Helden vermelden will, stellen sich kurz darauf sämtliche Nackenhaare auf – es rockt und fetzt und drückt aus den Boxen. Was soll man also groß sagen, über ein Album, das ab dem zweiten Song so derbe nach vorn geht, dass es kracht und sich im Mittelteil plötzlich in eine akustische Todeszone verwandelt.

“Autotunage”, “Why Try”, “90.2.10.”, “Shotgun”, “Douchebag” – hier folgt ein Brett auf das nächste – jede noch so stabile Moshpit dürfte sich in den Vorhof der Hölle verwandeln. “Get a Life” reißt einfach mal alles ein/weg/mit, das nicht bei drei auf den Bäumen ist, ansonsten existieren hier kaum bis gar keine Hänger. Klar, weiterentwickelt hat sich hier niemand, doch “Limp Bizkit” versteht sich blendend darauf, den etablierten Sound neu zu arrangieren. Und sei es, um nur noch ein letztes Mal zurück in jene Zeit zu führen, in der auch Rockstars Baggiepants tragen durften, großbrüstige Mädels durch die Videos hüpften und nur die Posen fetter waren, als die vercromten Spinning-Wheels.

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