Die Türen: “ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ” – Albumkritik
Zu einer Zeit, als die Musik deutschspracher Bands wie den Sternen, Tocotronic oder Blumfeld auf dem Höhepunkt ihres Erfolges war, hat sich ein schlauer Musikjournalist mal den Begriff „Diskurspop“ einfallen lassen. Das Wort stand grob für clevere Rockmusik mit deutschsprachigen Texten, die zwar einen politischen Anstrich hat, aber ohne platte Parolen auskommt. Kein Wunder, dass er dieser Tage wieder öfter von Musikjournalisten aus der Mottenkiste gezaubert wird. Denn auf die Berliner Band Die Türen, die dieser Tage ihr bereits viertes Studioalbum „ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ“ veröffentlicht, scheint er wie die Faust aufs Auge zu treffen. Auch wenn die wohl die ersten wären, die sich über derartige Worthülsen lustig machen würden.
Denn Die Türen lassen sich ungern vor einen Karren spannen, was schon alleine die Gestaltung der Hülle zum neuen Album zeigt. Das gute Stück kommt ganz in neutralem Weiß und wird mit einer Banderole mit Buchstaben-Aufklebern und anderen Motiven ausgeliefert, so dass sich der Käufer sein ganz eigenes Cover und einen eigenen Titel zusammenkleben kann. Und das ist nicht das einzige, was das Berliner Quintett dem Hörer abverlangt. Denn weder die Musik noch die Texte der Türen sind leicht verdaulich, sondern verlangen einiges an Aufmerksamkeit ab.
Musikalisch vermischen die Jungs (post-)punkige Sounds mit Elementen aus Blues, Funk und Soul und pendeln dabei stets zwischen harmonischen und disharmonischen Klängen und Melodien hin und her. Textlich sind die Songs ein Wirrwarr aus Themen und verfremdeten Parolen, über die man nicht selten erstmal eine Weile grübeln muss, bevor man sich daraus einen Reim machen kann. Dabei gibt sich Sänger Maurice Summen politisch und betont kritisch: Ob unpolitische Studenten, Google oder die schwarz-gelbe Regierung – jeder kriegt hier sein Fett ab, alles wird lakonisch kommentiert, wobei alles immer irgendwie zweideutig und schwer greifbar bleibt.
Fazit: Sich durch dieses vielschichtige Album zu kämpfen macht Spaß und das Dranbleiben lohnt sich, auch wenn sich sich die Musik der Türen einem immer wieder entzieht. Fans von leicht konsumierbarem Chartsrock raten wir allerdings, einen großen Bogen um diese Platte machen.
Hier kommt jetzt noch als kleiner Vorgeschmack auf das Album das neue Video zum Song “Leben oder Sterben”. Die März-Tourdaten der Band gibt es auf der Webseite ihres Labels Staatsakt.