Jan Delay schimpft auf Abmahnungen gegen Raubkopierer - und rudert zurück [News]

Peer Göbel
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Der Hamburger Musiker Jan Delay erregte vergangene Woche aufsehen mit einem Rant gegen die Abmahnungen an Musik-Sauger. In einem Beitrag auf Facebook schimpfte er auf “windige Anwälte” und forderte dazu auf, ruhig weiter zu saugen. Nachdem die Plattenfirma Bescheid gab, dass ein Teil seiner Einnahmen durchaus aus solchen Abmahnungen stammt, ruderte Jan Delay nun teilweise zurück.

Im Original-Post machte das Beginner-Mitglied seiner Wut Luft:

“mal n paar harte zahlen und fakten: im letzten jahr hat es 800.000 (!) abmahnungsverfahren wg. illegalen downloads gegeben. heißt: windige anwälte beschäftigen billiglöhner, die den ganzen tag nix anderes tun als ip-adressen von illegalen saugern aufzuschreiben um diese mit einem bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 euro abzumahnen und mit Gerichtsverfahren zu drohen falls nicht gezahlt wird. heraus kommt das stolze sümmchen von 1,2 Milliarden (!!), welches unter den anwälten und den plattenfirmen gesplittet wird. die künstler sehen davon nix! das sind alles miese schweine!! saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen! kein peer 2 peer!! und wenn es Künstler gibt, die ihr schätzt und die sich den arsch aufreißen um gute platten zu machen: bitte supported sie!!”

Der Post wurde auf Facebook und Google Plus in kurzer Zeit über 10.000 Mal geteilt und geliket, was auch die Plattenfirma von Jan Delay auf den Plan rief. So schob er am Freitag nochmal ein ausführlicheres Statement nach:

” oooops.. da hab ich ja was losgetreten ;-) es war vielleicht ein wenig impulsiv, deshalb hier ein paar ergänzungen und verdeutlichungen:
ich rufe nicht dazu auf grundsätzlich musik zu klauen! ich rufe dazu auf, sich nicht beim saugen von schlechter – oder ohne herzblut gemachter musik erwischen zu lassen! und ich rufe dazu auf, künstler die man für gut befindet zu supporten indem man ihre musik kauft!
des weiteren hat universal mich darauf hingewiesen, daß bei meiner letzten abrechnung auch ein nicht gerad geringer betrag aus solcherlei erlösen stammte.. peinlich ;-).. das habe ich nicht gewusst! ein sorry dann auch an universal! dieses ekelige kriegsgewinnler geld will ich aber gar nicht haben! ich werde das komplett spenden, auch in zukunft! und es ändert nichts daran, daß ich diese art von geschäftemacherei um die einbrechenden umsätze zu kompensieren ein unding finde! anwälte, die ihr komplettes geschäft darauf basieren lassen kids, studenten oder sonst wen mit abstrusen summen abzuzocken, sind miese schweine! punkt! denn da geht es nicht um recht oder unrecht und das gesetz. sie haben einfach ein super funktionierendes geschäftsmodell gefunden wie sie sich mit wenig aufwand die taschen voll machen. die darbende musikbranche und die studios, videoproduktionsfirmen, labels, etc die alle pleite gehen haben davon nix! es kann auch nicht als abschreckungsmaßnahme dienen, weil es nur den hass gegen die konzerne schürt.”

Darüber hinaus thematisierte Jan Delay aber auch die Situation der Musikindustrie und Künstler überhaupt:

“ich verlange ein neues system das gerecht an alle musikmachenden weiter verteilt. ich verlange das sich die 3 “großen” mit all den kleinen labels und all den wichtigen institutionen wie gema, gvl, rundfunk-rat und helmut schmidt zusammen an einen tisch setzen. dass sie ihre penisse wieder einrollen, ihre egos an der garderobe abgeben, und auch unter eingeständnissen von einbußen alle zusammen eine lösung finden die für jeden gerecht ist. für konsumenten, produzenten, hersteller und verbreiter.. ich verlange auch, daß man endlich wieder deutsche major-videos auf youtube gucken kann!! werdet euch einig! das ist echt peinlich! so läuft die neue welt nunmal! findet euch damit ab und findet ne lösung!
aber um all das zu bewerkstelligen, liebe geneigte leserschaft, liegt es an all euch konsumenten, ein bewußtsein dafür zu entwickeln, daß musik einen wert hat! da haben viele leute lange und hart ( ja, auch dieter bohlen! ) dafür gearbeitet damit ihr das dann auf eurer anlage pumpen könnt ( nein, nicht dieter bohlen! ).

also liebe leute! KAUFT die musik, die ihr gut findet und schätzt!
liebe kollegen! macht tolle und unwiderstehliche musik die den leuten beweist, wie wertvoll das ist!
und liebe labels und verantwortliche! findet eine korrekte lösung!”

Dabei entwickelt er auch einige Gedankenspielchen in Richtung Musik-Steuer:

“generell, will ich mich hier auch gar nicht zum heinz-rudolf kunze aufschwingen. meine auf die schnelle hingehassten zeilen haben nur solche wellen geschlagen, daß ich das bedürfnis hatte mich noch einmal detaillierter zu erklären. und da das hier eh schon in so nem pamphlet ausartet, mein hirn gerad rumort und ich ein fan von konstruktiver kritik bin, hier mal ein paar gedankenspielchen:

- wieso das alles nicht handhaben wie schwarzfahren? “fahrkartenkontrolleure” werden eingestellt, und wer so dumm ist sich erwischen zu lassen muss 60 euro blechen..
- eine “musik-steuer” auf alles was musik wiedergeben kann. rechner, mp3-player, boxen, anlagen, usb-sticks, etc.. die erlöse gehen über eine dafür geschaffene institution an newcomer, plattenlabel, studios, produzenten, komponisten, video-regisseure, usw.. an alle unter einer festgesetzten einkommensgrenze. dieter bohlen und ich kriegen davon nix!
- mal konsequent die ganzen anwälte statt auf mittellose kids, auf all die “taff”s und “explosiv”s dieser welt ansetzen. die sollen mal gerne und viel dafür zahlen, daß sie ständig unsere musik kommerziell ausbeuten.
- oder eine selbstbestimmte, erweiterte “radiohead”-variante. die musikschaffenden gründen einen verein mit einem konto, und jeder der was saugt kann sein schlechtes gewissen mit einem selbstbestimmten betrag frei kaufen. hat was kirchlich-mittelalterliches ;-) man müsste natürlich schreiben für welchen künstler/song, aber ich denke in unserer heutigen verlinkten online-welt, sind es keine kosten oder mühen, mal irgendwohin 1 euro zu überweisen. das würde die ganze industrie natürlich außen vor lassen..”

So weit Jan Delay.

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