Kid Kopphausen Album-Kritik: Die Outlaws von Hamburg

Beschreibung

Neues aus der Hamburger Prärie: Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch haben sich zusammengetan und unter dem Namen “Kid Kopphausen” ein Album aufgenommen. Was dabei herauskommgekommen ist: Mindestens ein Überhit, ansonsten weht der Wüstenwind wärmend durch die Songs.

Bei der ganzen Musik, die in Umlauf ist, kommt es eher selten vor, dass man von einem Song noch wirklich wirklich berührt wird, sagen wir: zu Tränen gerührt. Und über weite Strecken klingt das erste Kid-Kopphausen-Album, das ganz lapidar “I” benannt wurde, vor allem wie ein weiteres Fink- oder Nils-Koppruch-Album – nur mit einem zweiten Sänger, der eben auch mal randarf, um die Moritaten, Seemannslieder, schwingenden Wüstenwalzer, Americana-Geschichten zu erzählen. Also das, wofür man Nils Koppruch eben geliebt hat, das sich über die Jahre aber auch mehr oder weniger im selben Kreis herumdreht.

Aber da wäre zum einen das erste Lied “Hier bin ich”, das tatsächlich im Wechsel gesungen wird und ein richtungsweisender Auftakt ist. Gisbert zu Knyphausen zitiert im zweiten Satz Click Click Decker (mit dem er ja auch eine Split-Single aufgenommen hat), der stampfende Rhythmus bringt immer wieder das gebellte “Wer bin ich?” in den Vordergrund und reißt mit.

Als Komponisten sind bei allen Songs Koppruch und Knyphausen zusammen gelistet, und sie bestehen darauf, dass Kid Kopphausen kein Projekt, sondern eine Band ist. Über weite Strecken wechseln sich die beiden aber einfach als Sänger ab, mit mal stärkeren, mal schwächeren Songs, die vor allem in der zweiten Albumhälfte eher ausfransen und einen Faden verlieren.

Herausragend ist die Koppruch-Single “Im Westen nichts Neues” – einer seiner typischen Walzer, ein Wiedergänger von Signature-Hits wie “Herz aus Holz”, “Irgendwann wird’s Regen geben”, “Sag mir”, “Kaltes Huhn”, mit der Zeile “Ich hab im Krieg die Seiten gewechselt/und kein Mensch hat mich vermisst”. Der Americana-Faden wird gesponnen, später klingen auf dem Album auch noch Nick Cave und natürlich Johnny Cash an.

Und dann ist da eben noch “Das Leichteste der Welt”, das von Gisbert zu Knyphausen gesungen wird. Ein ganz großer Wurf. Ein Lied, das von Krankheit, Zweifel und Liebe spricht, das auch beim mehrmaligen Hören noch zu Tränen rührt, ein Glaubensbekenntnis an den Rock’n'Roll, in drei Akkorden, ein Versprechen, dass alles gut wird. Gisbert zu Knyphausen war in meinen Augen immer ein juter Typ, aber der Hype war mir nicht ganz verständlich, da war dann doch etwas zu oft das Selbstmitleid und eine Süße im Spiel. Auf dem Kid-Kopphausen-Albums zeigt er, dass er nicht nur ein toller Sänger ist, sondern auch ein sehr guter Songschreiber.

Ob das jetzt wirklich gut zusammenpasst, Koppruch und Knyphausen, geschenkt. Die bärtigen Outlaws in den schief sitzenden Anzügen machen ihr Ding.

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