Nils Koppruch ist gestorben – und ich wein’ einen Fluss

Verdammt, das kann doch nicht wahr sein. Der Hamburger Musiker Nils Koppruch ist gestern gestorben – der “deutsche Johnny Cash” wird ihm nicht gerecht. “…und lebend gehen wir nicht mehr aus der Welt.”

Nils Koppruch ist gestorben – und ich wein’ einen Fluss

Vor kurzem hatte ich hier noch über das Kid-Kopphausen-Album geschrieben, das er zusammen mit Gisbert zu Knyphausen aufgenommen hatte. Und jetzt berichtet das Hamburger Abendblatt und bestätigt das Label Trocadero, dass Nils Koppruch gestern in Hamburg gestorben sei, im Alter von 46 Jahren. Er hinterlässt Frau und Kind. Das ist so traurig.

Das erste Mal hörte ich Nils Koppruch Ende der 90er mit den Zeilen “Ich wünschte nur/ sie hätte sich nicht/ meinen Namen in ihren Arm eingeritzt”, auf einem Sampler namens “Paradies der Ungeliebten”. Und seitdem habe ich viele seiner Songs gehört, einige nachgespielt, und manchmal versucht, so ähnliche zu schreiben. “Sag mir” war der Soundtrack zu 1999, “Herz aus Holz” die Hymne von Clemens und Andi von Ja, Panik später, neben dem unerwarteten Nachruf auf Carl mit “Ihr werdet alle zugrunde gehen”. Einen Großteil der Alben von Nils Koppruchs Hamburger Band Fink, die es bis 2006 gab, habe ich aufgesogen, “Vogelbeobachtung im Winter”, “Loch in der Welt”, “Mondscheiner”, “Fink” und dann später seine Soloalben verfolgt und zuletzt die Kid Kopphausen. Er war dafür bekannt, eine Art amerikanischen Country in die deutsche Sprache übertragen zu haben, so kritisch er einem Konzept “Volksmusik” er auch gegenüberstand. Vor allem schrieb er gute Songs, manchmal klassische und politische Geschichten in Folk-Tradition, manchmal tägliche Szenen und Liebeslieder, voll von Gefahr, Bildern und Weisheit. Eben gute Songs – in dem Sinne, dass sie die Zeiten überdauern können.

“Irgendwann wird’s Regen geben /
das ist sicher, soweit ich weiß /
irgendwann wird's Regen geben /
nur mir wär's lieber, es wär nicht gleich.”

Leb wohl, Nils Koppruch. Am anderen Ufer stehst du. Und ich wink dir noch einmal zu.

Und in seine Liedern war das immer angelegt, dieser Trost, der einige Zeit braucht, zuletzt bei Kid: “Ich sag, toll, wie solls jetzt weitergehen. / Und du sagst: Naja, so wie immer, Schritt für Schritt.”

PS. Jan Freitag hat auf zeit.de einen ebenfalls lesenswerten Nachruf geschrieben.

PPS. Und es ist eine Schande, dass Spotify nicht alle seine Alben hörbar hat, mit Banjo, Zuversicht und Schmerz.

via testspiel

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