Lady Gaga - Born this Way Musikkritik - Lala-Songs für die Dorfdisco

David Hain
43

"Das beste Album aller Zeiten" wollte sie machen, die gute Frau Gaga. Mit einem Jahrhunderthype im Rücken und über 15 Millionen verkauften Alben kann man aber auch schon mal größenwahnsinnig werden. Oder aber man meint es ernst und lässt den vollmundigen Worten auch Taten folgen. Im Falle von "Born this Way", dem Nachfolger zum Gaga-Debut "The Fame Monster", bestätigt sich natürlich eher ersteres. Das Beste an diesem Album ist nämlich, dass es handlich klein ist und damit kaum auffällt, wenn man es hinter dem Supermarkt verbuddelt.

Lady Gaga - Born this Way Musikkritik - Lala-Songs für die Dorfdisco

Man kann von Stefani Germanotta und ihren zahlreichen Eskapaden ja halten was man will, aber abseits von Fleischkostümen und falschen (?) Penissen, zeigt sich unter der überinszenierten Fassade tatsächlich ein musikalischer Sachverstand. So plump und simpel Tracks wie “Pokerface” oder “Telephone” auch sein mögen, sie gehen mit ihren stampfenden Beats und den in banaler Stoßrythmik wiederholten Wortbrocken sofort ins Ohr – ohne Umweg durchs Trommelfell. “Da-da-da-da-Telefone” – eingängiger geht’s nun wirklich kaum, billiger aber wohl auch nicht.


Nüchtern betrachtet, hätte Madame Germanotta also eigentlich alles nur wieder genauso machen müssen, wie beim Debut – dieselbe Laier von vorn also: nicht unbedingt kritikkonform, aber umsatzstark. Als Superstar mit Selbstverwirklichungsdrang will man aber mehr. Man will beweisen, dass man mehr ist, als die Eintagsfliege mit dem einen großen Song. Man erfindet sich neu. Oder versucht es zumindest.

Bei Madonna, Lady Gagas großem Vorbild, hat das vor 15 Jahren schließlich auch wunderbar funktioniert. Eben noch rekelte die sich in “Justify my Love” semipornografisch durchs Musikvideo – dann plötzlich: 180 Grad-Drehung, völliger Wandel. “” war ein Geniestreich, so viel reifer und zeitgemäßer, gilt seither als Messlatte für den Terminus “Sich selbst neu erfinden” im Popbusiness. Von derlei Ehren ist “Born this way” Äonen entfernt.


Dabei geht’s noch halbwegs gut los: Gleich der erste Track, “Marry the Night”, präsentiert sich als fettes Brett – mit eben jener Simpelnummer, die schon auf “The Fame Monster” gezogen hat. Simpler Beat, doofer Text, im Refrain singt irgendjemand “lalala” und was uns Frau Gaga mit “Ich werde die Nacht heiraten” eigentlich sagen will, wollen wir lieber gar nicht wissen. Voll aufgedreht, direkt auf der Tanzfläche, wirkt das aber sicherlich wahre Wunder – wie eigentlich alle Gaga-Hits bisher.

Danach geht’s allerdings tief in die Talsohle der musikalischen Schaffenskraft bzw. dessen, was die Ohren derer zu ertragen bereit sind, die sich nicht über das achtzehnte Scooter-Album freuen können. Dann nämlich folgen Songs mit Namen wie “Highway Unicorn” (WTF???), “” oder sogar – höhö, wie selbstreferenziell – ein Track namens “Scheiße”. Darin stammelt die Germanotta irgendwas von vögeln, Muschi und Kacka (in gebrochenem quasi-deutsch), und liefert damit sehr anschaulich eine Zäsur des sonstigen inhaltlichen Niveaus auf “Born this Way”.


Was will man auch erwarten, wenn sich ein Song textlich nie über infantile Gebaren hinaus entwickelt – jeder zweite Track beginnt mit “Uhhhhuuu” und “Ahhhohhoho” und Tralalali und Trallala. Ja wunderbar, und dann kamen plötzlich Ernie und Bert aus der “” um die Ecke und…oh, falsches Thema. Wobei, so weit entfernt dann doch wieder nicht. Mal ehrlich: “Follow that unicorn, On the road to love” – really??

Weitere Themen: Machete Kills

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz