Lana Del Rey: “Born To Die” – Albumkritik

Beschreibung

Seit heute erhältlich: das lange erwartete Debüt-Album von Lana Del Rey. In Auszügen war es schon vorher im Internet hörbar und teilweise auch downzuloaden (hier unsere gesammelten Streams und Gratis-Downloads von Lana Del Reys “Born To Die”). Wir erinnern uns: Im Juni 2011 stellte Lana Del Rey ihren Song “Video Games” mit einem verwaschenen Video auf Youtube, enterte im Oktober 2011 eben damit die deutschen Charts – um sich dann an die Spitze des Mainstreams zu setzen. Dann ging es Schlag auf Schlag mit weiteren Songs, und es schien, als ob sich die halbe Musikwelt nach dieser Frau verzehrt, nach der bis vor Kurzem noch vollkommen unbekannten Lana Del Rey.

Nun ist ihr Album “Born To Die” erhältlich (bei Amazon , als ), und wir haben für Euch reingehört:

“Born To Die” geht ganz stark los. Gleichnamiger Song ist ein epischer Anfang für das Album. Lana formuliert gleich ihren Anspruch, nicht das nächste Pop-Sternchen zu sein, dass ein bisschen über Liebe oder Schlussmachen kiekst und dazu in Unterwäsche durch die Gegend hüpft. Klar geht es auch um Zwischenmenschliches, wenn sie “You and I / Were born to die” raunt, aber das ganze ohne Disko-Beat und mit klarem Fokus auf ihrer Stimme, die wirklich toll ist: voll und tief, gleichzeitig zart und ohne Zitterer – einfach schön anzuhören. Wenn sich da nur die Streicher nicht so verdammt nach Keyboard anhören würden…

Wobei Lana Del Rey mit dem zweiten Song “Off To The Races” gleich ihren gerade selbstgestellten Anspruch im Stich lässt: Sie ist “off to the races”, also auf dem Weg dorthin, wo die Party wirklich steigt. Der Song ist untermalt mit etwas Live-Atmosphäre, hier darf sie Pop-Königin sein – und der dritte Song der Platte, “Blue Jeans”, die B-Seite ihres ersten Hits “Video Games”, führt hier genau das zusammen, was “Born To Die” und “Off To The Races” ausmacht und unterschied: ein paar Beats, ein paar dramatische Streicher, Emotionen. “Ich kann das auch zusammen”, scheint Lana mit diesem Song zu sagen.

Dann kommt “Video Games” – ihr großer erster Hit, der sie erst so bekannt gemacht hat. Ganz ruhig mit Klavierbegleitung, Lana ist lasziv und sinnlich, etwas melancholisch – und ganz groß!

Ein starker Start also mit diesen vier Hits, dann allerdings flacht die Platte etwas ab. “Diet Mountain Dew” kann gut im Radio vor sich hin dudeln, ähnlich das folgende Lied “National Anthem”. Die zweite Hälfte der Platte ist mal poppig, mal getragen, aber recht selten herausragend. Beim eigentlich schönen “Million Dollar Man” hat man Lana Del Rey so viel Hall in die Stimme gegeben, dass jegliche Stimmung zerkitscht wird – überproduziert nennt man das wohl. Am Ende gibt es mit “Summertime Sadness” noch etwas Melancholie, wie auch im letzten Lied “This is what makes us Girls” – solider Pop auch hier.

Eine Platte, die trotz aller Kritik schon jetzt als eine der Platten des Jahres 2012 gesetzt sein dürfte. Die starken Songs ziehen die schwächeren mit – auch das letzte große Pop-Phänomen Lady Gaga leistete sich auf ihrem Debüt-Album einige wirklich schwache Songs, die trotzdem zu Hits avancierten (man denke an “Eh, Eh (Nothing Else I Can Say)”). Lana Del Rey hat eine bemerkenswerte Stimme und transportiert mit ihrer Musik viel Energie, aber auch eine gewisse Melancholie. Das ist der Soundtrack, der uns 2012 erst einmal begleiten wird.

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