Face your fears: Maria vs. Karaoke
Face your fears: Karaoke
(Maria) Kann sich noch jemand an den (zugegeben nicht besonders bemerkenswerten) Film Die Hochzeit meines besten Freundes mit Julia Roberts erinnern? Da gibt es diese (Schlüssel-) Szene, in der Cameron Diaz in einer Karaoke-Bar eine schauerliche Gesangsvorstellung gibt. Diese Szene deckt sich fast 100%ig mit meinem persönlichen, immer wiederkehrenden Albtraum. In meinem Traum bin ich zwar nicht Cameron Diaz, Julia Roberts und Dermot Mulroney sind auch nicht mit von der Partie, aber ansonsten stimmt es schon ziemlich exakt mit meiner Horror-Vorstellung überein: Unter den Augen und leider auch Ohren von mindestens 50 vor Schadenfreude gröhlenden Zuschauern krächze ich tapfer La Isla Bonita von Madonna, treffe ungefähr jeden siebten Ton und versuche verzweifelt dabei noch halbwegs würdevoll auszusehen. Bei der Textzeile This Is Where I Long To Be, bei der das Publikum dann johlend mit einsteigt, wache ich üblicherweise schweißgebadet auf und bin erleichtert über die Stille in meinem Schlafzimmer und darüber, dass mich im wahren Leben keine zehn Pferde dazu bringen, vor jemand anderem als meinem Quietsche-Entchen zu singen.
Man muss es einfach mal sagen wie es ist: Ich bin einfach nicht zum Singen geboren. Ganz allein vierstimmig singen zu können, ist zwar durchaus bemerkenswert, aber wahrscheinlich leider kein Qualitätsmerkmal. Ich habe andere Qualitäten, tröste ich mich: wie mir immer wieder gern versichert wird, habe ich zum Beispiel eine äußerst angenehme Sprechstimme.
Living The Nightmare
Das alles versuchte ich meiner Freundin Melanie klarzumachen, die für ihre Geburtstagsparty das Karaoke Computerspiel Singstar ausgeliehen hatte und fest entschlossen war jeden ihrer Gäste dazu zu bringen, ihr Lieblingslied zu performen. Meine vorgetäuschte Kehlkopfentzündung und die Aussage Ach, fangt ihr schon mal an mit singen, ich räum schon mal ein bisschen auf konnten mich nicht retten: Irgendwer drückte mir das Mikro in die Hand und schubste mich vor den Fernseher. Ist es die da, die mit dem dicken Pulli an, Mann murmelte ich zaghaft in meinen Rollkragen und siehe da: aufmunterndes Lächeln von allen Seiten und sogar freundlicher Applaus. Ich wurde mutiger und versuchte mich an Wind Of Change. Was soll ich sagen: die Resonanz war überwältigend! Und was kümmerte es mich, dass der Singstar mir anzeigte, dass ich nur gut 30% der Töne traf – Madonna ist bekanntlich auch keine begnadete Sängerin und die ist doch trotzdem recht erfolgreich, oder? So angespornt gab es für mich kein Halten mehr, das Mikro gab ich nur noch einmal aus der Hand um mit Melanie eine wirklich herzerweichende Version von Especially For You im Duett zu schmettern. Ich beendete mein Showcase mit Fallin´ von Alicia Keys und trabte dann beschwingt pfeifend und mit glühenden Ohren nach Hause, um tief und traumlos zu schlafen.
Was lernen wir daraus? Dass man seine Ängste nur besiegen kann, wenn man sich ihnen stellt? Ja ja, das auch. Aber was viel wichtiger ist: bei Karaoke geht es nicht darum schön und richtig zu singen. Ganz im Gegenteil, je schiefer man singt, desto besser – schließlich steht ja die (Schaden-) Freude im Vordergrund. Genau das richtige Hobby also für alle Gesangs-Behinderten so wie mich und alle, die es besser können als wir haben in einer Karaoke-Bar eh nichts verloren – geht Ihr doch zu Starsearch!