Metallica-Albumkritik – Beyond Magnetic: Der Death-Magnetic-DLC nun auch auf CD

Leserbeitrag

Vor nicht ganz 4 Jahren verzückten Metallica mit ihrem neuen Album “Death Magnetic” Fans ihrer Frühwerke. Es fiel leicht, den Thrashern ihre musikalischen Fehltritte (allen voran “St. Anger”) zu verzeihen, nachdem einem die ersten harten Riffs des Silberlings um die Ohren flogen. Vier der 14 Songs, die Metallica ursprünglich für das Album geschrieben hatten, schafften es allerdings nicht auf die Scheibe. Stattdessen wurden sie in ihrer Rohfassung im Dezember letzten Jahres als EP zum Download freigegeben, und nun auch auf CD veröffentlicht.

Metallica-Albumkritik – Beyond Magnetic: Der Death-Magnetic-DLC nun auch auf CD

Tatsächlich stellt sich schon nach wenigen Takten das “Death Magnetic”-Gefühl ein: Harte und unverschämt groovige Riffs, häufig wechselndes Tempo und treibende Gitarrensoli bestimmen das Klangbild, über allem schwebt James Hetfields Stimme, die erfreulicherweise durchaus ein paar Stufen höher auf der Tonleiter klettert als erwartet. Leider kränkelt auch “Beyond Magnetic” an denselben Punkten wie der große Bruder. Denn auch einige echte Ohrwurmmelodien können nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Riffs wie zusammengeklatscht wirken; einen Song gesund von A nach B zu bringen, ohne auf Filler-Riffs und irritierende Rythmuswechsel zurückzugreifen schaffen Metallica auf dieser EP nicht. Zudem hat Kirk Hammett nur selten belangloser soliert als hier, und auch die Lyrics schwanken ständig zwischen “stark”, “in Ordnung” und “peinlich”. Unter diesen Schwachpunkten leidet vor allem die Atmosphäre: die ganz großen Emotionen kommen einfach nicht auf. Das mag durchaus den äußeren Umständen geschuldet sein: als gestandene Ehemänner und Väter, sowie mit einer halben Milliarde auf dem Bankkonto lässt es sich nunmal nicht mehr so schön rumwettern wie als Anfang 20-Jährige aus teils schwierigen Verhältnissen, die in den Drogen- und Alkoholsümpfen Kaliforniens aufgewachsen sind.

Das wünscht man ihnen natürlich auch nicht zurück, und so darf man froh sein, dass Metallica sich vermehrt an ihren Erstlingen orientieren. Denn auch wenn sie qualitativ im Metallica-Œuvre untergehen kann man als Fan harter Musik Spaß an den vier Songs haben. Die Nackenbrecher-Riffs aus “Hate Train” beispielsweise, oder Hetfields eingänginge Hooks in “Just a Bullet Away” wissen zu begeistern. Zwischen all den brachialen Tönen zeigen sich Metallica aber auch durchaus von ihrer ruhigen Seite, wie in den Strophen von “Hell and Back”. Den Abschluss macht “Rebel of Babylon”, mit 8:02 ein Monster von einem Song, der zwar ruhig anfängt aber später ordentlich die Sau rauslässt.

Während sich das Songwriting im höheren Durchschnitt ansiedelt, stellt sich die Produktion leider als Totalausfall heraus. Auch wenn die Lieder nur Rough-Mixes darstellen, kommt man nicht umhin die unausgeglichene Abmischung zu bemängeln. Schlagzeug und Bass klingen harmlos und verwaschen, die Gitarren fast schmerzhaft übersteuert – sowas sollte in einer Metalproduktion einfach nicht sein.

Das Fazit muss ernüchternd ausfallen: “Beyond Magnetic” liefert zwar Metallica-Power wie “Death Magnetic”, aber die schwache Produktion macht es schwer eine Kaufempfehlung zu geben. Mit knapp 30 Minuten Laufzeit bekommt man fürs Geld zwar eine ganze Menge – nur leider nichts Großartiges.

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