Paul – Filmkritik: Noch einer, der nach Hause telefonieren will

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Leserbeitrag

Simon Pegg und Nick Frost kann man unmöglich nicht lieb haben. Die zwei sind erfolgreiche Vorzeige-Nerds, die ihre filmische Leidenschaft in veritable Karrieren übertragen haben und dabei immer noch beste Kumpels geblieben sind. Und tolle Filme machen sie auch, wie z.B. "Shaun of the Dead" oder "Hot Fuzz", und eigentlich auch "Paul", wobei aber letzterer alleine schon durch seine amerikanische Finanzierung etwas aus der Art schlägt.

Paul – Filmkritik: Noch einer, der nach Hause telefonieren will

Pegg und Frost sind nach wie vor Pegg und Frost, doch daneben taucht hier ein höchst unbritisches Alien mit der (Original-)Stimme von Seth Rogen auf.

Dieses höchst unbritische Alien ist der titelgebende Paul, der zwei nerdigen Science Fiction-Fans (na wer wohl?) vor den Kühlergrill ihres Wohnmobils läuft, das sie zu diversen UFO-Landeplätzen in Amerika bringen soll. Paul möchte wieder zurück zu seinem Mutterschiff und schon entspinnt sich ein launiges “Road Movie”, das auch noch Platz für eine sittsame Christin (Kristen Wiig) und einen taffen FBI-Agenten (Jason Bateman) findet. “Paul nach Hause telefonieren” – und zwar gleich nach der nächsten Ladung derber Sprüche und dem verführerisch duftenden Joint.


Nach einem Zombiefilm und einem Actionfilm war es nur logisch, dass Simon Pegg und Nick Frost nun einen Science Fiction-Film ins Visier nehmen. Die beiden sind erklärte Fans des Genres und frönen seit “Spaced”, ihrer ersten Fernsehserie, immer wieder angeregten Diskussionen über “Krieg der Sterne” und Co.. Demzufolge ist “Paul” so etwas wie ein Heimspiel, das durchzogen wird mit Zitaten von allem zwischen “E.T.” und “Unheimliche Begegnung der dritten Art”, und als logische Krönung auch noch zwei Science Fiction-Nerds als Hauptfiguren hat. Ein Film von Nerds für Nerds, inklusive komischer Verkleidungen, strenger Körperausdünstungen und Geheimabsprachen auf Klingonisch.

Der Plot von “Paul” erinnert ziemlich stark an “Starman” und Paul selbst erscheint wie der haarlose Computerbruder von ALF. Immer einen markigen Spruch auf den Lippen, immer bedacht auf empörte Gesichter – zumindest von zugeschnürten Amerikanern, die bei einem Rülpser gleich die Stimme Satans vermuten. Da “Paul” mit US-Geld gedreht wurde und einen US-Regisseur hat (Greg Mottola, bekannt durch “Superbad”), ist natürlich klar, dass hier kein feinsinniger britischer Humor zu erwarten ist. Pegg und Frost versuchen eine Art Mittelweg zwischen ihrem bisherigen Stil und deutlich lauteren Hollywood-Gags, die synonym für Seth Rogen stehen und die beiden Hauptfiguren etwas zu stark auf “stiff upper lips”-Klischees festnageln.

“Paul” ist beileibe kein “Shaun of the Dead” mit Aliens geworden, sondern lieber eine nette, unterhaltsame Komödie. Wirklich schön dabei ist die nach wie vor sehr wichtige Thematisierung der Freundschaft zwischen den beiden Jungs, und der Rest des Films geht zumindest so weit in Ordnung, dass Seth Rogen nicht wie sonst tierisch auf die Nüsse geht. Es ist den hier Beteiligten anzumerken, dass eine Art Brücke zwischen England und Amerika gespannt werden soll, was grundsätzlich keine wirklich tief sitzenden Spitzen ermöglicht, sondern halt auf immerhin flotte und allseits verträgliche Unterhaltung hinausläuft. Man ahnt, dass noch Luft nach oben wäre, doch genauso ist auch klar, dass ohne Pegg und Frost hier ein breitarschiger Amoklauf von Mr. Rogen drohen würde.

Fazit
“Paul” ist eine unterhaltsame Science Fiction-Komödie mit zahlreichen Zitaten, zwei überaus sympathischen Nerd-Helden und einem computeranimierten Anarcho-Alien. Wirklich großes Kino kommt dabei unterm Strich leider nicht heraus, weil so ein bisschen der letzte Zug fehlt, doch für netten Zeitvertreib reicht es schon.

Das Problem hier ist halt, dass die amerikanischen Einflüsse eher verwässern als helfen, und wenn dabei nicht Simon Pegg und Nick Frost am Start wären, könnte man angesichts der weiterhin fortschreitenden Nerdisierung der Filmlandschaft echt die Krise bekommen. Mensch, was wäre es schön, mal wieder einen Film zu sehen, bei dem die Hauptrolle nicht einem assozialen Spinner gehört!


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