Nerds an die Macht! – Die neuen Filmhelden, natürlich mit Hornbrille

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Irgendwann, so ungefähr im Dunstkreis von “amazon.de/gp/product/B000F4MA04/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=funloadde-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B000F4MA04">Napoleon Dynamite” (2004), haben die Nerds die filmische Weltherrschaft übernommen. Hässlich war nun cool, freakige Ticks wurden schrullige Gags und das frenetische Herumhacken auf Computertastaturen zog sowohl bunte Cocktails als auch heiße Bräute an. “Hey, wir lassen heute eine mega-heiße Programmier-Session steigen!” Was früher für Muckis galt, passt heute auf wabernde Gehirne: je größer, desto geiler.

Nerds an die Macht! – Die neuen Filmhelden, natürlich mit Hornbrille

Die Nerds, ausgeschrieben: “not emotionally responding dudes”, sind angekommen, zusammen mit ihren Hornbrillen, der pickeligen Blässe und den fettigen Schnittlauchhaaren. Waren diese kauzigen Typen, die man wahrscheinlich mit einem Löschblatt ausknocken könnte, noch vor einigen Jahren abonniert auf schräge Sidekick-Rollen, so stehen sie nun im Zentrum. Mangelnde Sozialkompetenz, sexuelle Peinlichkeiten und modische Weinkrämpfe sind “in”. Scheiß auf Ironie und Eloquenz, in den Zwischenräumen der Computertastatur schlängeln sich feine Speichelfäden.


Mit der zunehmenden zeitlichen Distanz zu den blauen Flecken des Schulhofs wuchs bei den verstoßenen Mauerblümchen von einst die unbedingte Faszination für “ihre” Passion, die nicht selten etwas mit Comics und/oder Film zu tun hatte. Während die heißen Jocks ihre Freizeit mit Sport und strohdummen aber ziemlich geilen Blondinen verbrachten, hatten die Nerds verdammt viel Zeit, verdammt gut zu werden. Und danach dann auch verdammt erfolgreich. Während die Alpha-Hengste im Teufelskreislauf Sex – Saufen – Sport – Arbeit beim gelangweilten Papa feststeckten.


Der absolute König der Nerds ist natürlich Bill Gates, der reichste Mann der Welt, und nicht weit dahinter kommt natürlich Mr. Facebook, Mark Zuckerberg. Die Rache der Pickelbärte ist ihre Intelligenz und ihr Arbeitseinsatz, was sie äußerst erfolgreich und
damit auch attraktiv macht. In der Filmindustrie sind Nerds wie Sam Raimi oder Guillermo Del Toro inzwischen in luftigen Entscheider-Positionen und dürfen deswegen natürlich auch Nerd-Filme machen, die wiederum vom Nerd-Fußvolk bereitwillig aufgenommen werden. Wer keine Freundin hat, ist gerne ein “heavy user” und feiert als solcher seine Identifikationsfiguren.

Wenn wir Nerds in Filmen zusehen, dann fühlen wir uns geborgen. Die eigenen Schwächen sind auf einmal nicht mehr so schlimm, die Protagonisten werden zu greifbaren Individuen. Die physischen oder psychischen Eigenarten dieser Personen bekommen einen liebevollen Touch und wenn sie dann auch noch etwas erreichen, ist das ein bisschen wie der eigene Geburtstag. Moderne Filmnerds sind nicht automatisch
in ihren Schranken gefangen, sondern dürfen auch ausbrechen. Wo der frühere Sidekick bis zum bitteren Ende ein torfnasiger Punching Bag blieb, bekommt er heute seinen (zumeist kleinen) Triumph und auch gerne das Mädchen.

Die Nerds sind hinter der Kamera, vor der Kamera, im Publikum und natürlich auch im Internet, wo sie im besten Fall (=Harry Knowles/ Ain’t It Cool News) richtig erfolgreiche Seiten ins Leben rufen und im schlechtesten Fall belustigte ““-Hasser mit wüsten Forenbeiträgen weichklopfen. Das Internet hat dem Nerdtum massiven Vorschub geleistet, weil eine weltweite Plattform plus Leute mit zu viel Zeit einfach die perfekte Kombination für die Verbrüderung lautstark herausgetippter Mindermeinungen ergibt. Die Nerds waren die ersten, die das Internet annahmen und werden die letzten sein, die irgendwann das Licht ausmachen. Wer hier tippt, wird gelesen, egal wie dick die Hornbrille auch sein mag.


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