PEER-Tourtagebuch Teil 3 - Das Optimum an Fuck

Peer Göbel

Es scheint kaum vorstellbar, doch auch GIGA-Redakteure haben ein Leben außerhalb der Redaktion. Unser Musikfachmann Peer Göbel ist zum Beispiel Sänger und Gitarrist in einer Band. So richtig mit Instrumenten und so. Deshalb ist er nun mit PEER eine Woche auf Tour. Aber weil GIGA immer geht (und wir total neidisch sind), haben wir ihn gebeten, ein Tourtagebuch für uns zu schreiben.
Teil 1 enthält die Vorstellung der Band, Teil 2 berichtet von Dresden und München, unten folgt, was dann passierte.

PEER-Tourtagebuch Teil 3 - Das Optimum an Fuck

München/Nürnberg, 7.11., day off


Jede gute Tour-Planung enthält auch mal einen Day off, damit man sich nicht zu sehr auf die Nerven geht (und montags Auftritte zu kriegen ist tendenziell immer schwierig). Während Marv in Berlin im Büro schuftet, schreibe ich Tourtagebuch im Haus hinter der Tankstelle, und die anderen drei sehen sich München an. Phil stößt auf den Michael-Jackson-Schrein, der ursprünglich eine Orlando-di-Lasso-Statue ist, überklebt mit Bildern des King of Pop, und wird dazu gleich fürs Fernsehen interviewt. Daniel und Thommi kaufen CDs für den Tourbus, die tolle EAV-Compilation führt allerdings zu einem ziemlichen Downer. Zwar alle Hits drauf, aber alle neu eingespielt – klingen also eher nach Altherren-Remake als nach dem real thing.

Am späten Nachmittag fahren wir dann schon mal weiter nach Nürnberg, wo uns Armin für eine Nacht aufnimmt – der auch schon im vergangenen Jahr unser Konzert in der Lebkuchenstadt organisiert hat, und die Jahre davor für meine alte Band le mobilé. Mit München werde ich nicht so richtig warm, was vielleicht daran liegt, dass ich bei meinem ersten Besuch dort vor Jahren mal vom Türsteher eines Clubs abgewiesen wurde, und das ist eben München für mich – aber in Nürnberg fühle ich mich immer sehr wohl. Armin zieht mit uns durch seine Nachbarschaft Gostenhof, süddeutsche Küche im Palais Schaumburg, ein Unplugged-Konzert ansehen in der Regina (mit dem fantastischen in Berlin lebenden Briten The Great Park) und noch ein Absacker im Schanzenbräu. Drei Orte, mindestens drei unterschiedliche lokale Biere, denn dafür ist Franken ja bekannt. Armins Mitbewohner/innen Jessi und Barni stoßen noch zu uns, wir enden schließlich in der kleinen WG-Küche und reden die Nacht davon über Musik, Jobs, das Leben.

Nürnberg, 8.11., Klüpfel

Den Tag in Nürnberg bis zum Konzert verbringen wir mit einem Ausflug zum Reichsparteitagsgelände – Barni kommt mit uns und gibt die perfekte Trivia-Tour zu diesem megalomanischen Ort, an dem jetzt Volksfeste, Fußballspiele, Rock im Park und Tourenwagenrennen stattfinden. Auf den ersten Blick sieht das Zeppelinfeld gar nicht so groß aus, läuft man aber erstmal die ganze Tribüne entlang, merkt man, dass das eben nicht nur ungefähr fußballfeldgroß ist, sondern 12 Mal dessen Ausmaße hat. Das Kongresszentrum, das dem Colosseum nachgebildet ist, sollte eine frei schwebende Überdachung bekommen und nochmal 50.000 Menschen fassen – wurde aber ebenso wie das Märzfeld und die Halle nicht fertiggestellt. Barni gibt Kostproben seiner Expertise: Eine der großen Feuerschalen, die am Rand des Zeppelinfelds aufgestellt waren, wurde bis vor wenigen Jahren noch als Kinder-Planschbecken in einem lokalen Schwimmbad verwendet; in dem Umspannwerk, das den Strom für den Lichtdom lieferte, ist nun ein Burger King, dank des Reichsadler-Schattens an der Seite auch “Nazi King” genannt. Dann strolchen wir noch durch die Altstadt, kaufen Lebkuchen, den neuen Craig-Thompson-Comic undsoweiter.

Das Klüpfel ist ein Jugendzentrum, das Anfang der 00er Jahre Legendenstatus in Nürnberg hatte, etwas außerhalb der Innenstadt. Schöne geräumige Bühne, Licht- und Soundanlage. Machen wir es kurz: Als die lokale Vorband “Gilde des guten Geschmacks” anfängt, ist gerade mal ein zahlender Gast da. Bis zum Ende des Abends sind es fünf. Bevor wir auf die Bühne gehen, geht uns eher durch den Kopf, was soll das alles, warum machen wir das überhaupt? Aber als dann die Musik losrollt, wird so langsam alles gut. Die erste Reihe tanzt einfach mit, einer singt mit, zusammen mit der Vorband und der Besetzung des Klüpfel sind dann rund ein Dutzend Personen im Publikum, wir versuchen eine etwas andere Setlist als in München zu spielen, da auch Andi von Freizeit 98 wieder da ist. Vielleicht hätten wir diese Sachen aber nochmal proben sollen, hm, von “Im Gegenteil” fallen mir die Akkorde der Strophe erst sehr spät wieder ein, Phil kürzt eine Strophe ab, trotzdem gibt es dankbaren Applaus und anschließend den Kommentar, dass wir von Anfang bis Ende volle Energie gehabt hätten. Denn die wenigen Gäste, im besonderen Andi und seine beiden Begleiterinnen, sind durchaus in der Laune, noch den Abend davonzureden. Sie kennen sich von einem Symposion, dadurch steigen wir in Philosophie und abendländische Geschichte ein, über Kunst und die Welt. Der Clou an dem Abend: Später bekommen wir den Schlüssel für das gesamte Haus, dürfen uns an der Bar bedienen und uns Pizza machen, es ist ein bisschen wie Klassenfahrt. Wir spielen Billard, holen an der Tanke noch Zigaretten, ich gebe noch drei-vier Mitternachtshits an der Gitarre zum Besten,

und schließlich steigen Armin und wir sogar nachts noch in eine Jam-Session ein. Puh.

Auf der etwas verkaterten Fahrt nach Köln fährt neben uns ein Lastwagen mit der Aufschrift: “Das Optimum an Fun”, was ein Motto für die Tour sein könnte. Oder auch: “Das Optimum an Fuck”, was Phil noch einige Mal über die Autobahn brüllt.

Köln, 9.11., Stereo Wonderland

In Köln zu spielen ist für uns ein wenig wie nach Hause kommen. Hier haben wir unser Album aufgenommen, hier ist unser Label Sitzer Records beheimatet, hier kennen wir einige Leute, hier wohnen gute Freunde und Freundinnen. Entsprechend schön ist es, im Publikum dann so viele bekannte Gesichter zu sehen. Im Vorprogramm spielt Wilukas, der perfekt gesungene Song-Kleinode darbringt, an einer Stelle, an der er einfach auf die Gitarre klopft, werden tatsächlich die 50 Leute im Raum ganz still. Fliegender Übergang zu unserem Set, da das Stereo Wonderland unwirtliche Nachbarn hat und um 22.15 Uhr Schluss sein muss.

Es geht vorbei fast wie im Rausch, wir könnten ewig weiterspielen, heute geben wir als einmalige Zugabe noch unseren Berliner Schlager “Gassenhauer No.2″, was in der Karnevalsstadt natürlich ein großes Hallo hervorruft. Köln – kleine Biergläser, große Herzen.

Mehr in Kürze. Was jetzt noch kommt:

“Wir sind undercover”-Tour 2011

10.11.11 Alfeld – Tonart
11.11.11 Kassel – Karoshi
12.11.11 Hamburg – Molotow Bar

GIGA verlost bei jedem Auftritt zwei Gästelistenplätze – schreibt uns einfach eine E-Mail mit Eurer Stadt drin – dann verlosen wir und geben Euch bescheid.
Mehr Tourtagebuch: Teil 1 enthält die Vorstellung der Band, Teil 2 berichtet von Dresden und München. Stay tuned!

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