Pussy Riot: “Punk Prayer”-Video, Interview zum Prozess-Auftakt gegen die russischen Musikerinnen

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“Everybody can be Pussy Riot”: Heute begann in Moskau der Prozess gegen drei Frauen des anonymen Punk-Kollektivs Pussy Riot, das im Februar in einer Kirche einen Song gegen Putin gespielt hatte. Den Musikerinnen drohen bis zu sieben Jahre Gefängnis. Hier das Observer-Interview, das erste mit westlichen Medien überhaupt, und das originale Video vom “Punk Prayer”.

Pussy Riot: “Punk Prayer”-Video, Interview zum Prozess-Auftakt gegen die russischen Musikerinnen

Was war nochmal passiert? Am 21. Februar hatten einige Mitglieder einer Kunst/Punk/Politik-Gruppe in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, dem wichtigsten Ort der orthodoxen Kirche, einen Song gegen Putin gesungen, bis sie festgenommen wurden. Der Refrain ihres “Punk-Gebets” lautete “Mutter Gottes, vertreibe Putin”. Bis dahin waren Pussy Riot weitgehend als Spaß-Guerilla mit politischem Hintergrund wahrgenommen worden, als ein anonymes feministisches Kollektiv, das in bunten Kleidern, Strumpfhosen und Skimasken auch mal auf dem Roten Platz “Putin pisst sich in die Hose” skandierte. Hier das offizielle “Punk Prayer”-Video vom Februar:

Aus dem eher spaßigen Protest könnte jetzt für drei Mitglieder der Gruppe bitterer Ernst werden: Ihnen drohen in einem Prozess wegen Blasphemie und Hooliganismus bis zu sieben Jahre Haft. Und der russische Präsident Putin scheint auf Rache aus – als Richter fungiert Wiktor Danilkin, der 2010 den Putin-Gegner Michail Chodorkowskij verurteilt hatte. Fünf Monate sitzen die drei jungen Frauen schon wie Schwerverbrecher in Untersuchungshaft, ohne Kontakt zu Familie und Freunden haben zu dürfen. Zwei von ihnen sind Mütter von Kleinkindern.

Auch in der russischen Öffentlichkeit wird der Prozess so wahrgenommen, dass hier nicht nur eine Entscheidung über die Grenzen von Kunst und Provokation, sondern über die Meinungsfreiheit unter Putin überhaupt gefällt wird.

Der Observer führte als erstes westliches Medium mit verbliebenen Pussy-Riot-Members ein Interview, das gestern mitsamt Artikel auch online erschien:




Die Gruppe agiert ähnlich wie Anonymous vollkommen anonym, im Interview äußert ein Mitglied: “Everybody can be Pussy Riot”. Vor Gericht stehen also nicht unbedingt die einzelnen Personen, sondern mit ihnen eine Idee.

Am ersten Prozesstag am heutigen Montag plädierte die Verteidigerin auf nicht schuldig und verlas eine Entschuldigung der Angeklagten. Sie räumten ein, einen ethischen Fehler bei der Wahl des Ortes getroffen zu haben, hätten aber nicht vermutet, dass sie damit jemand beleidigen könnten.

Wer Pussy Riot handfest unterstützen will, kann bei freepussyriot.org Geld spenden oder bei Amnesty International einen Brief an den russischen Botschafter schreiben. Auf RT.com soll es auch einen Livestream aus dem Gerichtssaal geben.

Foto: Igor Mukhin via Wikipedia (CC-BY-SA 3.0, GPL)

via nerdcore

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