The Alternative Dead – Zehn außergewöhnliche Zombiefilme

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Zombies sind dumm, triebhaft, fressen Gehirne und plagen uns entweder weil in der Hölle kein Platz mehr ist oder das Militär in der Petrischale gepanscht hat. Zombiefilme haben Regeln. Jeder kennt sie, nur selten werden sie gebrochen. Dass es unter der untoten Filmhorde aber auch echte Abweichler gibt, wird oft vergessen. Hier sind zehn Zombiefilme über die sich die Schauspieler aus „Zorn of Dead – Ein Leben in Fetzen“ gefreut hätten. Hier sind die Alternative Dead.

The Alternative Dead – Zehn außergewöhnliche Zombiefilme

Grace

Gleich mal eine wichtige Warnung vorweg: Wer schwanger ist oder ein Baby plant, sollte um diesen Film einen ganz weiten Bogen machen. Grace (2009) von Paul Solet ist starker Tobak. Die junge Madeline verliert bei einem Autounfall nicht nur ihren Gatten sondern auch ihr Baby. Zur Welt bringt sie ihr Kind mit Hilfe einer Alternativ-Medizinerin dennoch. Was folgt ist ein gekonnt psychologisierter Thriller, der sich trotz seinen schweren Stoffes immer wieder auch als humorvolle Farce geriert. Für Menschen ohne Kinderwunsch ein echtes Highlight.

 

The Signal

Ein ungeschliffener Diamant ist das Signal von den drei Nachwuchsregisseuren Bruckner, Bush und Gentry. Weder Virus noch höllischer Platzmangel sind dieses Mal für die Zombie-Apokalypse verantwortlich. In The Signal ist es eine mysteriöse Übertagung, die alle Menschen, die mit ihr über Handys, Fernseher oder das Radio in Berührung kommen, in psychopathische Gewalttäter verwandelt. The Signal ist dabei als kunstfertiger Episodenfilm angelegt. Was als ultrabrutale Medienkritik und Entfremdungsdiagnose beginnt, ufert in der Mitte des Films zu einer bizarr-komischen Groteske aus, um sich schließlich im Einmaleins eines klassischen Liebesfilms wieder zu besinnen. Nicht ganz rund, aber unglaublich packend und schockierend.

 

American Zombie

Die Mockumentary American Zombie bedient sich schamlos an der Prämisse des GIGA-Beitrags zum Thema. Und das obwohl American Zombie schon fünf Jahre alt ist. Filmemacherin Grace Lee begleitet eine Gruppe von Zombie-Aktivisten, die in Los Angeles für ihre Rechte kämpfen. Marginalisiert und diskriminiert, wollen die Mitglieder der ZAG (Zombie Activist Group) eine neue Wahrnehmung von Zombies in der Gesellschaft erstreiten. American Zombie muss man nicht sehen. Zorn of the Dead hat zu diesem Thema wirklich schon alles gesagt.

 

Fido

Dass Zombies auch nur Menschen sind, beweist dieser Film auf eindrucksvolle Art und Weise. In Fido wurden die Zombies domestiziert und leben als billige Arbeitskräfte unter normalen Menschen. Angelegt in einem alternativen Universum der 50er Jahre, spielt diese Sozial-Satire nicht nur mit den Genrekonventionen (und ein paar Innereinen), sondern entlockt dem Stoff sogar etwas Herzwärme. Quasi das Pleasantville des Zombiefilms (Was du kennst Pleasantville nicht? Nachholen! Sofort!)

 

Re-Animator

Für viele ist Re-Animator einer der besten Horror-Filme überhaupt. Basierend auf einer Geschichte von Grusel-Urvater H.P. Lovecraft legt Regisseur Stuart Gordon seinen Film zunächst als klassische „Mad Doctor“-Story an. Doch die Experimente von Bösewicht Dr. West laufen schon bald dermaßen aus dem Ruder, dass es eine wahre Freude ist. So darf man Arschloch West zum Beispiel gerne als großen Sympathieträger des Films bezeichnen. Re-Animator ist eine wilde Bestie, die sich wirklich nur Hartgesottene geben sollten. Ein Klassiker.

 

 

Pontypool

Bruce McDonalds Pontypool ist DER alternative Zombie-Film schlechthin. Es fällt schwer, seine geniale Wendung des altbekannten Szenarios zu preisen, ohne sofort zu spoilern. Deshalb hülle ich mich hier auch lieber in Schweigen. Doch Pontypool verdankt seine große Qualität nicht nur einem fantastischen Drehbuch – auch die schauspielerische Leistung von Stephen McHattie und die zurückgenommene Inszenierung von McDonald tragen viel zum Erfolg dieses Films bei. Pontypool ist der perfekte Film für alle, die glauben, dem Genre sei kein neuer Ansatz mehr zu entlocken. Selten wurde man so spannend und intelligent vom Gegenteil überzeugt.

 

 

The Living Dead at Manchester Morgue

“Non si deve profanare il sonno dei morti“ aus dem Jahr 1974 (auch bekannt als Let Sleeping Corpes Lie) und zuletzt als The Living Dead at Manchester Morgue auf dem Blu-ray Markt aufgetaucht, hat in dieser Liste strenggenommen nicht viel zu suchen. Der italienische Zombiefilm kennt bereits die Spielarten des damals noch sehr jungen Genres und bringt sie ohne große Abwandelungen auf den Bildschirm. Allerdings ist dieses Machwerk so vollständig in der Filmgeschichte untergegangen, dass kaum jemanden aufgefallen ist, dass Non si deve profanare il sonno dei morti einer der besten Zombiefilme überhaupt ist. Das hier ist nicht schlechter als Romero!

 

Der spanische Found-Footage-Film hat wie auch 28 Days Later viel frische Luft in die Genre-Gruft geblasen. Beide Filme bilden ihre Untoten eher all tollwütige Bestien denn als hirnloses Kanonenfutter ab. Im direkten Vergleich dürfte allerdings der unkonventionellere von beiden Filmen sein. Die Wackelkamera, das Mietshaus-Szenario und die nervenaufreibendsten letzten 10 Minuten, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat, machen aus einen klassischen Zombiefilm ohne Klischees.

 

 

Deadgirl

Mir persönlich hat Deadgirl nicht besonders gut gefallen. Für eine wachsende Zahl von Genrefans ist das intelligente Werk von Marcel Sarmiento aber eine echte Genreperle. Im Mittelpunkt stehen zwei Studenten, die in einer verlassenen Psychiatrie eine junge, gefesselte Frau finden, die nicht sterben kann. Was psychologische Gesellschaftsstudie sein will, bricht irgendwann unter dem Gewicht von Vergewaltigung und Geschlechtskrankheiten in sich zusammen. Nice Try – mehr leider nicht.

 

The Revenant – Untote wie wir

The Revenant schließt meine Liste ungewöhnlicher Zombiefilme. Die kleine Indie-Produktion war auf vielen Festivals eins Publikumsliebling, weil er in erster Linie als charmantes Buddy-Movie überzeugt. Die Geschichte um einen untoten Kriegsheimkehrer hat aber noch sehr viel mehr zu bieten als ein paar Schmunzler. Indie-Horror at it´s best.

 


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