Das Ende der heilen Netzwelt – Von Datenskandalen und Sicherheitskatastrophen

Es war ein gutes Jahr für das Internet. Die smarten Werbespots der Unterhaltungs- und Kommunikationsindustrie präsentieren uns ein Netz aus wolkigen Innovationen, technischer Effizienz und herzlichen Freundesanfragen. Ihre Botschaft: Das Internet erleichtert uns den Alltag, es stürzt Diktaturen und begründet die globale Zivilgesellschaft. Hier finden wir die Antworten auf die wichtigsten Fragen unserer Zeit. Ihr werdet sehen. Alles wird gut – oder etwa doch nicht?

Das Ende der heilen Netzwelt – Von Datenskandalen und Sicherheitskatastrophen

Das Internet hat 2011 wichtige Trends gesetzt, uns das Leben mit digitalen Durchbrüchen erleichtert und wieder einmal programmierte Wunder vollbracht. Es vergeht kaum ein Tag, an dem uns seine Apologeten nicht den Eindruck dieser heilen Netzwelt auf die Endgeräte stempeln. Egal ob Google, Facebook, Apple oder Microsoft – wer mit dem Netz sein Geld verdient, der muss es auch verkaufen, und so wurden 2011 wieder Milliarden in die Illusion eines sauberen und sicheren Internets gesteckt.

Doch zwischen all dem Geschwafel von HTML 5, GBIT-WLAN, 3D Koch-Apps und der iWolke 7 wartet noch ein ganz anderes Internet-Jahr 2011 darauf, entdeckt zu werden. Es ist ein Jahr, das für viele Beobachter als eine endlose Kette von Datenskandalen
und Sicherheitskatastrophen in die Geschichte eingehen wird.

Es beginnt im März

Es beginnt im März mit einem spektakulären Hack bei Comodo. Die IT-Sicherheitsfirma erstellt SSL-Zertifikate (Secure Sockets Layer) und wirbt mit dem Leitspruch “Creating Trust Online” (Online Vertrauen schaffen). Firmen wie Comodo sind die Sicherheitszentren des Webs. Mit ihren Zertifikaten wird dafür Sorge getragen, dass Websites sich als echt ausweisen können. Der Verlust dieser sensiblen Daten bedeutet den Gau für die Sicherheit im Netz und die absolute Macht für ihren Besitzer.

Der Hack bei Comodo war genau das – eine Katastrophe. Der oder die Angreifer konnte durch den Einbruch die regionale E-Mail Kommunikation von Google, Yahoo und Microsoft ungehindert mitlesen und unzählige Passwörter nach Belieben abgreifen.

Man gab sich natürlich alle Mühe, den Zwischenfall herunterzuspielen. Der Daten-Diebstahl sei eine Ausnahme gewesen. Eine Wiederholung sei absolut ausgeschlossen. Ein paar Monate später wiederholte sich diese Ausnahme dann bei der niederländischen Zertifizierungsstelle DigiNotar. Der Hacker sackte über 500 Sicherheitszertifikate – unter anderem von Twitter und Facebook – ein und nannte in einem anonymen Schreiben sogar schon sein nächstes Ziel: Der VoIP-Riese Skype. Einen Großteil des Skype-Codes habe er bereits geknackt.

Unsere Sicherheitsvorstellungen sind überholt

Sicherheitsexperten und Netzhistoriker waren sich im Anschluss an diese Hacks einig. Die Leichtigkeit mit der sich Hacker Zugang zu diesen extrem kritischen Daten verschaffen konnten, könnte für den allgemeinen Zustand der Internet-Sicherheit kaum alarmierender sein. Die Vorstellung, wir würden sicher durchs Netz surfen, wenn wir nur die wichtigsten Spielregeln beachteten – sie ist vollkommen überholt.

Diejenigen, die wir damit beauftragt haben, für die Sicherheit im Netz zu sorgen, wurden 2011 selbst zum Ziel. Neben Comodo und DigiNotar sorgten zum Beispiel die Einbrüche bei Lockheed Martin, dem größten US-Rüstungskonzern oder den IT-Sicherheitsdienstleister RSA für Aufregung. Auch der Angriff auf das frisch eingeweihte Bonner Cyber-Abwehrzentrum dürfte uns aufgrund seiner ironischen Note noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Online-Banking, elektronische Kommunikation und die Ausweisung vertrauenswürdiger Seiten – nichts davon kann heute noch als sicher gelten, wenn den Wächtern selbst das Wasser bis zum Hals steht.

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