Erpresser sind keine Hacker - Hacker, Cracker, Skriptkiddies - was ist was?

Peer Göbel
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Giga.de wurde in den vergangenen Tagen das Ziel einer Denial-of-Service-Attacke – verbunden mit einem Erpresserschreiben. Und immer, wenn die Medien über Netzwerk-Angriffe, Trojaner oder geklaute Daten berichten, ist von "Hackern" die Rede. Aber können unsere Erpresser für sich in Anspruch nehmen, "Hacker" zu sein? Oder ist beispielsweise Anonymous eine "Hacker"-Organisation? Wir bringen etwas Licht in den Begriffs-Dschungel von Hackern, Crackern und Skriptkiddies.

Erpresser sind keine Hacker - Hacker, Cracker, Skriptkiddies - was ist was?

Hacker

Der Begriff “Hacker” kam sogar schon vor der Entwicklung von Computer-Netzwerken auf – in amerikanischen Technik-Fan-Kreisen, die sich mit Funk und Modelleisenbahnen auseinandersetzten, ihre Geräte umbauten und verbesserten. Mit dem Beginn des Internet-Vorläufers Arpanet wurde der Begriff in den 60ern auf die Computer-Programmierung übertragen. Ein “Hack” bezeichnete eine elegante Problemlösung, einen Kniff, mit dem etwa bei der Programmierung eine Menge Zeit gespart werden konnte. Die erste Internet-Generation entwickelte einen eigenen Slang, der ab 1975 im sogenannten “Jargon File” enzyklopädisch gesammelt wurde.

Dort bezeichnet die “Hacker”-Definition einfach jemand, der sich echt gut mit Computern auskennt, der mehr über Technologien und einzelne Programme erfahren will, einen Enthusiasten und Experten, der sich spielerisch die Technologie zu eigen macht und sein Wissen teilt. Aus dieser Einstellung entstand eine regelrechte Hacker-Ethik der Kooperation und Freiheit von Information, die zu Open Source und Freier Software führte.

In diesem Verständnis richten Hacker keinen Schaden an, sondern sind ausgewiesene Programmier-Experten, die aus Erkenntnisdrang und spielerischer Lust die Technologie durchdringen – und ihr Wissen teilen.

White Hat, Grey Hat, Black Hat

Schon im ersten Jargon File steht allerdings auch, dass ein “Hacker” jemand sein kann, der in Netzwerke oder Programme eindringt, um Informationen zu erhalten. Und hier herrscht seit Jahren ein Kampf um die Definition des “Hacker”-Begriffs. Während das Jargon File seit 1990 fordert, jegliche Eindringlinge in Sicherheitssysteme, egal zu welchem Zweck, als “Cracker” zu bezeichnen (um das negative “Hacker”-Bild der Medien zu korrigieren), will ein Teil der Kultur auch weiterhin das Aufdecken von Sicherheitslücken als Hackertum verstanden wissen.

So hat sich im amerikanischen Sprachgebrauch eine Aufteilung in Black, Grey und White Hat Hacker eingebürgert (angelehnt an klassische Western-Filme, in denen die Good Guys immer weiße Hüte tragen und die Bad Guys schwarze). Demnach bewegen sich White Hats innerhalb der Gesetze, folgen der Hacker-Ethik und decken Sicherheitslücken (mit legalen Abfragen) auf, um bspw. ein Netzwerk sicherer zu machen. Black Hats dringen dagegen in Computersysteme und Programme ein, um Daten zu klauen oder Schaden anzurichten. Bei Grey Hats ist es nicht so eindeutig, zwar werden illegale Methoden angewandt, aber meist einem höheren Ziel folgend, um Beweismaterial zu sammeln oder eben Sicherheitslücken zu entlarven und zu veröffentlichen. Je nach Definition sind also entweder nur die Black Hats “Cracker”, oder alle Programmierer, die in fremde Systeme eindringen.

Cracker

Cracker bezeichnet Programmierer, die darauf aus sind, in Netzwerke oder Programme einzudringen. Sei es, um den Kopierschutz einer Software zu entfernen, an geheime Daten zu kommen oder Inhalte zu modifizieren. Die meisten Erwähnungen von Computer-Kriminalität in den Medien kommt also von “Crackern”, sei es Datenklau, Industriespionage, Raubkopien, das Kapern von Webseiten etc.

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