Das Ritual - Filmkritik: Wie eine Fahrt in der Geisterbahn

Leserbeitrag
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Regie: Mikael Håfström
Darsteller: Anthony Hopkins, Colin ODonoghue, Alice Braga, Rutger Hauer
Laufzeit: 114 Minuten
Start: 17. März 2011
Es gibt einen guten Grund dafür, warum man trotz anhaltender Horrorfilm-Flut nur in den seltensten Fällen ein Projekt vorgesetzt bekommt, in dem dämonische Besessenheit das zentrale Handlungselement ist: Mit "Der Exorzist" hat William Friedkin 1973 den ultimativen Film zum Thema bereits abgeliefert, alles was danach kam, war meist maue Plagiatur.

Das Ritual - Filmkritik: Wie eine Fahrt in der Geisterbahn

Wer es dennoch versucht, setzt meist auf eine andere Prämisse: “Der letzte Exorzismus” machte auf Handkamera, “Der Exorzismus der Emily Brown” war eher Gerichtsfilm denn Horrorschocker. “Das Ritual” macht hingegen alles wie immer – und nervt damit schon nach 20 Minuten.

“War es das etwa?”, fragt der junge Priester-Nachwuchs Michael den alten Hasen Vater Lucas relativ früh im Film nach dem ersten, sehr kurzen, aber heftigen Exorzismus. Der erwidert kaltschnäuzig: “Was haben sie erwartet – drehende Köpfe und Erbensuppe?” Eine eigentlich clevere Idee, nimmt sie doch als schnippischer Seitenhieb getarnt, die schwere Last des großen Vorbilds vorweg und legt dem Publikum die Zweifel in den Mund, bevor es sie selber äußern kann.

Clever gedacht, ganz klar. Dumm allerdings, dass man so noch deutlicher daran erinnert wird, was in “Das Ritual” alles nicht funktioniert. Denn während “Der Exorzist” heute noch schockt und Gänsehaut erzeugt, verkommt “Das Ritual” mit jeder laufenden Minute mehr und mehr zur Gruselrevue für filmhistorisch Stehengebliebene. Friedkins Meisterwerk vermochte es sehr gekonnt, einen schleichenden Horror zu erzeugen, der auch ganz abseits plakativer Motive funktionierte. Grausiges Stöhnen, wabernde Nebelwände, kurz aufblitzende Schreckensbilder – es muss ja nicht immer gleich eine Masturbation mit dem Kreuz sein.


“Das Ritual” verzichtet auf derlei Unterschwelligkeiten und holt stattdessen regelmäßig die CGI-Keule hervor. Die vom Teufel Besessenen verdrehen die Arme um ganze 90 Grad, ihre Gesichter formen sich zu diabolischen Fratzen – alles hübsch schlecht und offensichtlich getrickst. Wenn den Machern zwischendurch mal wieder so gar nichts einfallen mag, werden einfach die Geisterbahntricks ausgepackt: Die uralte Nummer mit der Katze im Schrank findet hier also genauso Verwendung, wie mirakulös selbstständige Lichtschalter.

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