Auf DVD: Eine unbequeme Wahrheit

Leserbeitrag
2

(Daniel) Nehmen Sie doch bitte teil an einer mehr als anderthalb stündigen Power-Point-Präsentation. Wer diesen Satz liest, wird wohl sofort nach Ausflüchten, Fluchtwegen oder dem nächsten Kopfkissen suchen. Doch Davis Guggenheims (Deadwood, 24) Dokumentarfilm über Al Gores Aufklärungskampagne über den Klimawandel ist nicht nur thematisch wichtig, sondern auch frei von langweiligen Wegschnarchmomenten. Und schlafen sollte bei diesem Thema wirklich niemand, denn globale Klimaerwärmung ist nicht bloß ein Randthema für wissenschaftliche Fachkreise, sondern betrifft alle – weltweit und nicht nur in den USA, dem Land Gores, der seinen Vortrag beginnt mit den Worten Ich bin Al Gore. Ich war der nächste Präsident der Vereinigten Staaten.

Auf DVD: Eine unbequeme Wahrheit

Seit seiner umstrittenen Niederlage gegen den wiedergeborenen Christen aus Texas, George Bush Jr., widmet Al Gore seine Energie der Aufklärung über globale Klimaerwärmung, um die trägen Massen dazu zu bekommen, diese “unbequeme” Wahrheit endlich wahrzunehmen und somit auch politisch und persönlich anzugehen. Um es mit Gores Worten auszudrücken: “Einige Wahrheiten hört man nicht gerne. Denn wenn man sie sich anhört und weiß, wie richtig sie sind, dann muss man sich verändern. Und Veränderung kann ziemlich unbequem sein.”
So zieht er seit sechs Jahren mit seiner Power-Point-Präsentation durch die Lande und klärt mit Fakten und Humor über dieses zentrale Thema auf. Fühlt man sich zuerst an amerikanische Fernsehprediger erinnert, so schafft Gore es, den Zuschauer über eine langsame und nicht überfordernde Einführung in das Thema zu fesseln und diesem auf unterhaltsame Weise unangenehme Wahrheiten zu vermitteln. Dabei wird der Zuschauer nicht resigniert zurückgelassen, denn die Veränderungen des Klimas sind zwar furchteinflößend, doch kann jeder Einzelne über die Wahl seines Autos oder das Ausschalten von technischen Geräten etc. zu einer Lösung des Problems beitragen.

“Eine unbequeme Wahrheit” ist eher ein Monolog als eine Dokumentation, da nur an gewissen Stellen Bilder des reisenden Gore oder Interviewausschnitte mit ihm gezeigt werden, die ihn zwar als Figur nicht vollständig beleuchten, aber seine Motivation für diesen Kampf passend in den Film einflechten. Doch vielleicht ist dies auch ein Grund, warum dieser Film für eine kleine Dokumentation ein so großes Publikum in den USA anzog, denn viele interessierten sich wahrscheinlich eher für das fast präsidiale Zugpferd denn für die Umweltaufklärung dahinter.

Klimaerwärmung ist zwar bei uns allseits bekannt, doch in den USA, dem Land der in jedem Zimmer laufenden Fernseher und der benzinfressenden Autos, mit denen man auch Strecken fährt, für die man zu Fuß drei Minuten braucht, ist sie immer noch ein gern abgewiegeltes Thema, welches auch in den Medien häufiger als Theorie denn als Tatsache dargestellt wird. Doch Gore ist nicht nur national, sondern auch international unterwegs, getrieben von dem Glauben an die Rettung der Welt.
Die globale Erwärmung ist die Folge der Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in die Atmosphäre. Diese Gase, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, halten die Sonneneinstrahlung fest, wodurch die Temperatur steigt. Bäume, die Kohlendioxid benötigen und abbauen können, werden jedoch abgeholzt. Die Bedrohung der globalen Erwärmung liegt in der Zunahme von Stürmen und Dürren, dem Schmelzen von Gletschern, ansteigenden Meeresspiegeln, Veränderungen des Wetters sowie der Ausbreitung von Krankheiten, zum Beispiel über Malaria übertragende Mücken, die mehr Gebiete zum Leben finden.
In den letzten 50 Jahren stieg die durchschnittliche Temperatur auf der Erde schneller an als in allen Zeiten der Wetteraufzeichnung. Dies klingt zwar an sich noch nicht bedrohlich, doch wird sich durch die Klimaerwärmung zum Beispiel die Intensität von Hurrikans verstärken. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl von Hurrikans der Kategorien 4 und 5 weltweit fast verdoppelt.

Dies hatte sogar Auswirkungen auf die Dreharbeiten. Gerade als das Team nach New Orleans reisen wollte, traf der Hurrikan Katrina die Golfküste. Regisseur Guggenheim erinnert sich: “Wir hatten schon unsere Flüge gebucht, als Katrina über New Orleans hereinbrach, ironischerweise wollten wir dort mit Versicherungen darüber sprechen, wie Schäden durch globale Erwärmung ihre Geschäfte bedrohen. Diese Termine mussten abgesagt werden wegen der größten Naturkatastrophe in der Geschichte von Amerika. Das machte uns erneut sehr deutlich, dass wir nicht über eine abstrakte Bedrohung sprachen, sondern über etwas, das jeden Tag um uns herum geschieht.”

(Quelle: filmszene.de)

Neue Artikel von GIGA FILM

GIGA Marktplatz