iPhone-Steuerung: Hand statt Handy

Sebastian Trepesch
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Apple hat mit dem iPhone den Eingabestift für die Bedienung von Smartphones abgeschafft. Wissenschaftler der Universität Potsdam möchten sogar das Telefon abschaffen: Statt des Touchscreens wird die bloße Hand verwendet. Ein Video zeigt, wie weit die Mitarbeiter mit der Entwicklung sind, macnews.de haben sie verraten, was hinter der Steuerung steckt.

Ein klingelndes iPhone unterbricht die Stille eines Vortrags. Der Angerufene durchwühlt aber nicht hektisch seine Tasche, um den peinlichen Klingelton auszuschalten, sondern öffnet einfach die Hand und drückt auf eine bestimmte Stelle. Der Anruf wird abgewiesen, das Telefon verstummt.

So könnte ein Anwendungsfall der Imaginary Phone-Steuerung aussehen. Das Forschungsprojekt von Sean Gustafson, Christian Holz und Patrick Baudisch ist ein Teil von Imaginary Interfaces des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) der Universität Potsdam, das seit einem Jahr besteht. Dabei werden Bedienungsmöglichkeiten entwickelt, die ohne Touchscreen und visuelles Feedback auskommen. “Etwas schnippisch ausgedrückt: Steve Jobs fragte 2007 ‘Who wants a stylus’ mit Hinweis auf den Aufwand für das Herausholen des Stiftes”, sagt Professor Patrick Baudisch, Leiter der Human-Computer Interaction-Gruppe am HPI, gegenüber macnews.de. “Wir stimmen ganzen Herzens zu, denken aber gleichzeitig, dass die Reduktion von ‘Gerät plus Stift’ auf ‘Gerät’ in Hinsicht auf Micro-Interaktionen nur die halbe Lösung war.

Sprich: Hand statt Handy reicht zur Bedienung. Ein Video zeigt den aktuellen Zwischenstand des Forschungsprojektes:

Auch wenn es so aussieht: Zauberei steckt nicht dahinter, vielmehr eine Kamera darüber. Die Handbewegungen werden aufgezeichnet und über Wi-Fi an das Telefon gegeben. Aktuell wird mit einer an der Decke installierten Kamera gearbeitet, der Einsatz eines tragbaren Produkts ist mittelfristig denkbar. “Die Miniaturisierung wird sich aus unserer Sicht durch die Hardwarehersteller ergeben”, so Baudisch. Die Kamera ist keine einfache Webcam, sondern eine Tiefenkamera. Das Besondere dabei: Sie nimmt nicht nicht nur Helligkeits- und Farbwerte wahr, sondern auch die Tiefe, die Entfernung jedes Pixels. Sie erfasst somit ein 2,5-dimensionales Bild, das zur Rekonstruktion einer 3D-Szene genutz werden kann, erklärt das Fraunhofer Institut seiner Webseite. Bei der iPhone-Steuerung des Hasso-Plattner-Instituts wird dabei mit dem Time-of-flight-Prinzip gearbeitet. Die Einbeziehung der Tiefe hilft, Hände und Hintergrund zu unterscheiden und stellt fest, ob ein Finger die “Touchscreen-Hand” berührt oder nur darüber schwebt. “Im Gegensatz zu vielen anderen Tiefenkameras funktioniert das Time-of-flight-Prinzip in hellem Sonnenlicht”, hebt Projektmitarbeiter Christian Holz hervor. “Wir denken, dass dieser Aspekt für die mobile Benutzung eine wichtige Rolle spielen wird.”

Stichwort Benutzung – für welche Anwendungsfälle können sich die Forscher ihre Steuerung überhaupt vorstellen? “Wir sehen Imaginary Phone als einen ‘Shortcut’, der Benutzern insbesondere Micro-Interaktionen erleichtert”, erklärt Baudisch, “kurze Interaktionen, bei denen das Herausholen des Geräts oft länger dauert als die eigentliche Interaktion.” Also zum Beispiel, um einen Anruf abzulehnen oder einen Alarm auszuschalten.

Vorteile sind aber nicht nur die schnellere und bequemere Bedienung. Sind die Hände schmutzig, verdreckt man iPhone oder Headset nicht. Damit wird die Steuerung nicht nur für diverse Branchen interessant, sondern auch für die heimische Gartenarbeit. Und demnächst lassen sich vielleicht auch Webseiten auf Handrücken darstellen.

Bilder: HPI

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