Insider Tipp: Cocktail für eine Leiche

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(Daniel) Ausgerechnet Hitchcocks erfolglosesten Film möchte ich Euch in unserer Rubrik Insider Tipp ans Herz legen! Cocktail für eine Leiche ist für jeden Cineasten ein Muss: Er ist spannend und Hitchcock arbeitete mit einer Technik, die einfach sagenhaft kreativ ist.

Insider Tipp: Cocktail für eine Leiche

Zwei brillante Studenten, Brandon Shaw und Phillip Morgan, planen den perfekten Mord, inspiriert durch eine Betrachtung ihres Lehrers Rupert Cadell über die “Kunst des Mordes”. Sie strangulieren einen Klassenkameraden und verstecken die Leiche in einer Truhe in ihrem Apartment, wo sie dann eine Party für seine Familie und Schulfreunde geben, um ihre Überlegenheit zu zeigen. Als Cadell dies jedoch am Ende durchschaut, ist er bestürzt und beschämt.

Cocktail für eine Leiche wurde vom Mord an dem 14-jährigen Bobby Franks im Jahr 1924 inspiriert, der von den beiden 19jährigen Studenten Leopold und Loeb begangen wurde, die die Gewalttat als Kunst betrachteten. Der Fall hat auch die beiden Filme Compulsion und Swoon inspiriert.

Cocktail für eine Leiche war Hitchcocks erster Farbfilm (Technicolor) und der erste, den er auch als unabhängiger Produzent inszenierte. Da sich der Film, ähnlich wie in Das Rettungsboot (Lifeboat, 1943) ausschließlich an einem Drehort abspielt, wollte er ihm den Anschein geben, als sei er in einer einzigen Einstellung gedreht. Da aber eine Filmrolle in der Kamera zu der damaligen Zeit nur zehn Minuten umfassen konnte, musste er Schnitte machen, die zwischen den Szenen nahezu unmerklich verborgen bleiben. Etwa so, dass am Ende der einen Szene die Kamera auf ein Bild zufährt und die nächste Szene mit dem Zurückfahren von diesem Bild beginnt. Der Film enthält letztlich fünf harte Schnitte und fünf unsichtbare Schnitte, demnach nur elf Einstellungen. Folgender Rhythmus ist dabei entstanden: 1 | 2 – 3 | 4 – 5 | 6 – 7 | 8 – 9 | 10 – 11, wobei jeweils der waagerechte Strich einen unsichtbaren Schnitt und der senkrechte Strich einen harten Schnitt darstellt.

Dieser Film war zusammen mit vier weiteren für Jahrzehnte nicht verfügbar, da Alfred Hitchcock die Rechte daran zurückgekauft und sie als Teil seines Erbes an seine Tochter vorgesehen hatte. Sie waren lange bekannt als die berüchtigten “Fünf verlorenen Hitchcocks” und wurden erst 1984 nach 25-jähriger Abwesenheit wieder gezeigt. Die anderen sind: Das Fenster zum Hof (1954), Immer Ärger mit Harry (1955), Der Mann, der zuviel wußte (1956), Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958). (Quelle: Wikipedia)

Die DVD lege ich Euch wärmstens an’s Herz! Mit dabei ist auch ein interessantes Making-Of, das die graue Theorie oben sehr schön darstellt. Außerdem wird erklärt, warum man James Stewart eigentlich gar nicht wollte und wieso der Film, der – und das wissen die wenigsten – von zwei mordenden Homosexuellen handelt, kein Kassenschlager wurde.

“Cocktail für eine Leiche” ist einfach ein Klassiker und diente (und das merkt man) zahlreichen folgenden Filmen als Inspiration. Alfred Hitchcock bleibt einfach die coolste Sau, die je in einem Regiestuhl sitzen durfte …

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