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NostalGIGA – Folge 2: Defender of the Crown

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Wer Amiga sagt, muss auch "Defender of the Crown" sagen. Das bildgewaltige Strategiespiel ließ 1986 den ohnehin schon regen Schulhofhandel mit Raubkopien in ungeahnte Höhen steigen. Das lag vor allem daran, dass "Defender oft he Crown" so etwas wie das Battlefield 3 seiner Zeit war. Die Grafik war einfach zum Niederknien. Ein Spiel, das derartig gut aussah und sich dann auch noch anfühlte wie ein Film – das musste man einfach haben.

NostalGIGA – Folge 2: Defender of the Crown

Wie ging es los?

Mit der Liebe zu den guten alten Ritterschinken. Tugendhafte Helden, eine Jungfrau in Not, das Rasseln der Schwerter, die Seilakrobatik vor Studiokulisse – Jim Sachs, hauptverantwortlich für das Design von “Defender of the Crown”, hatte es auf die romantischen Abenteuerfilme der 50er Jahre abgesehen. Genauer gesagt, auf den Klassiker “Ivanhoe – Der schwarze Ritter”. Sachs wollte den naiven Geist der Sonntagsfilme in seinem Spiel auferstehen lassen. Auch ich war mit diesen Filmen aufgewachsen und konnte mich ihrer Magie nicht entziehen. Das gerade neugegründete Studio Cinemaware hatte deshalb mit “Defender of the Crown” bei mir leichtes Spiel.

Was ich geliebt habe

Heute fällt es schwer zu glauben, aber die Grafik von “Defender oft the Crown” stellte damals einfach alles bisher Dagewesen in den Schatten. Als ich zum ersten Mal Zeuge des filmisch inszenierten Intros wurde, glaubte ich meinen C64 sozialisierten Augen einfach nicht. Allein die Szene mit Robin Hood am Lagerfeuer empfand ich als ungemein atmosphärisch. “Defender of the Crown” fühlte sich an wie ein Film, in dem ich selbst die Hauptrolle spielen durfte. Das war einfach neu – Cinemaware erzeugte damals ein bisher unbekanntes Spielgefühl.


Mit dieser Wahrnehmung stand ich im Übrigen nicht allein – die gesamte Fachpresse konnte 1986 nicht anders, als sich ganz tief vor der revolutionären Film-Schönheit, die “Defender oft the Crown” war, tief zu verbeugen. Die eklatanten Mängel im Gameplay ließen das Strategiespiel aber kaum über mittelmäßige Wertungen hinauskommen.

Was ich gehasst habe

Der von mir so innig geliebte Ritterreigen war spielerisch verdammt flach. Zwar bot “Defender of the Crown” eine schöne Bandbreite an schicken Minispielchen – vom wackeligen Lanzenstoßen, über die selten drolligen Sidecroller-Schwertkämpfe bis zur Katapultbelagerung war alles dabei – wer sich aber etwas genauer mit dem Amiga-Programm auseinandersetze, der wurde von der strategischen Blenderei und der mehr als minimalistischen Steuerung schnell an den Rand des Wahnsinns getrieben. Vor allem das Erstürmen einer Burg kam einem echten Glückspiel gleich. Bis heute ist mir unklar, was hier genau zum Erfolg und damit in die Arme der holden Meid führte. Ein Trauerspiel.

FunFact

Glaubt man Jim Sach, dann ist in der Turnierszene von “Defender of the Crown” eine digitale Version der US-Schauspielerikone Elizabeth Taylor zu sehen. Etwas guten Willen braucht man für die Identifizierung des Pixelhaufens allerdings schon.

Das Erbe

Cinemawares erstes Spiel war ein echter Hit. Dem Studio wurde der Stempel “wie ein Kinofilm” aufgedrückt. Der neugeborene Experte für filmisch inszenierte Spiele ließ daraufhin gleich eine ganze Reihe von Titeln auf die Gaming-Welt los, die diesem Ruf gerecht werden sollten: Der “King of Chicago” bediente sich frei bei den frühen Mafia-Filmen, “Sinbad: Throne of the Falcon” versuchte sich an dem säbelschwingenden Abenteurer und der “Lords of the Rising Sun” nahm sich Samurai-Filme zum Vorbild. Nach einer kurzen, aber heftigen Erfolgsphase ging es dann wieder steil bergab mit Cinemaware. 1991 war dann endgültig Schluss – die Macher der Kinospiele gingen pleite. Zum Anfang des neuen Jahrtausends meldete sich Cinemaware dann aber mit zahlreichen Neuauflagen ihrer Spiele im Browser zurück.

Zur ersten Folge von NostalGIGA “Alex Kidd in the Miracle World”.

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