Apple-Designer Jonathan Ive: Nur besser, sonst gar nicht.

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Jonathan Ive ist wahrscheinlich der bekannteste Produktdesigner der Welt. Er ist als Chef der kleinen Design-Abteilung bei Apple für die Gestalt der Kultgeräte verantwortlich. Der stille Star gibt selten Interviews, doch dem Evening Star erzählte er mehr über den Design-Prozess bei Apple.

Apple-Designer Jonathan Ive: Nur besser, sonst gar nicht.

Ganz Großbritannien ist stolz auf ihn: Jonathan Ive, seit 1992 als Designer bei Apple beschäftigt, mit Steve Jobs Rückkehr zu Apple 1997 der Chefdesigner in Cupertino. Einerseits wird ihm die Trennung von Form und Funktion bei Apple-Computern wie dem frühen iMac zugeschrieben, andererseits soll er nicht für deren Buntheit verantwortlich sein.

Fest steht, dass sich das Design der Apple-Geräte mit Ives Einfluss in den letzten 10 Jahren stark verändert hat: Er führte es zu einer wiedererkennbaren Verbindung von Schlichtheit und Eleganz, einer fast zeitlosen Materialeffizienz, so dass selbst ältere Macs und iPods zu Designklassikern werden. Mal ehrlich: Welche richtungsweisenden Klassiker kommen aus den anderen Computer- und Smartphone-Schmieden? Die schicken Ultrabooks und schlichten Tablets des Wettbewerbs sind sämtlich Nachfolger der Apple-Erstentwürfe.

Kein Wunder also, dass Großbritannien ihn Anfang des Jahres zum Ritter schlug und Ive sich seitdem „Sir“ nennen darf. Ganz so wie ein anderer Gestalter, Architekt Sir Norman Foster, verantwortlich für das neue Apple-Raumschiff und inzwischen sogar Lord.

Weil das boulevard-begeisterte Britannien auf Ive schaut, konnte der schweigsam-schüchterne Star sich wohl auch dem englischen Evening Star nicht länger verweigern – und gab ihm ein Interview auf dem Apple-Campus in Cupertino, in dem er auch auf die Design-Philosophie beim größten PC-Hersteller der Welt eingeht.

Artig bedankt sich Ive im Gespräch zunächst für die Ehre des Ritterschlags und lobt die britische Design-Tradition. Immerhin fährt Ive selbst einen 250000 Euro teuren Aston Martin DB7 und wir denken bei britischem Design gern auch an Jaguar, die Concorde, Dyson-Staubsauer und U-Bahn-Streckenpläne.

Ideen brauchen Optimismus

Zwar besucht Ive mehrmals im Jahr London, doch für seine neue Heimat und die Atmosphäre in Kalifornien findet er nur lobende Worte. Ive schätzt vor allem den bemerkenswerten Optimismus und die Bereitschaft, etwas ohne Angst vor dem Versagen auszuprobieren. Ive meint sogar, dass es den dortigen Unternehmensgründern gar nicht in erster Linie ums Geldverdienen ginge, sondern eher um die Umsetzung von Ideen – und das zeichne diese Region aus.

Die gleiche Herangehensweise mache auch den Designprozess bei Apple aus. Es gehe immer ums Ausprobieren von etwas Neuem und den Schwierigkeiten, die Probleme des Neuen in der Umsetzung zu lösen. Gleichzeitig neugierig und optimistisch zu sein, präge auch den Geist in der Apple-Designergruppe, so Ive.

Die Ideenfindung könne man auch nicht erzwingen, sie sei einfach von bestimmten Phasen abhängig: An einem Tag klappe es gar nicht, am nächsten wisse man weiter. Auch die greifbare 3D-Form eines Prototypen und die Kommunikation darüber würden die Apple-Ideenschmiede voranbringen.

Gute Designer würden dabei nie den Bezug zur Funktion und die Konzentration auf das Wichtige verlieren – es ginge immer um Widersprüche, mit denen man umgehen müsse.

Besser oder gar nicht

Die Aufgabe einer Produktneuschöpfung in der relativ kleinen Designergruppe von rund einem Dutzend beschreibt Ive so: „Unsere Ziele sind sehr einfach: Zu entwerfen und bessere Produkte zu machen. Wenn wir etwas machen, das nicht besser ist, machen wir es nicht.“

Dieses Ziel des „besseren“ Produkts war schon immer das Mantra von Steve Jobs. Dieser Philosophie haben wir das MacBook Air als Ultrabook-Vorlage, den iMac als All-in-One-PC-Vorbild, das iPad als Tablet-Innovation zu verdanken. Jobs visionierte die Funktion, Ive gab ihr die Form.

Interviewer Mark Prigg fragt darum auch konsequenterweise nach, warum die Konkurrenz bei der Vorbild-Produktion versage. Ive antwortet, dass Ziele, wie einfach etwas anders oder neu zu machen, oder sich von Marketing-Zielen leiten zu lassen, komplett falsche Wege seien: „Ein Produkt muss ‚wirklich‘ besser sein. Das erfordert Disziplin und das ist es, was uns treibt, ein echter Wille für etwas wirklich Besseres.“

Die Bedeutung eines derartigen Gestaltungshintergrunds, sagt Ive, hätte er zum ersten Mal gespürt, als er nach furchtbaren PC-Erfahrungen am College den Mac entdeckt habe.

Ive geht im Interview noch auf die Detailversessenheit und den enormen Zeiteinsatz bei der Ideenumsetzung ein und den Willen, herkömmliche Vorstellungen zu verlassen. Nur das hätte sie zu neuen Produkten wie iPod, iPhone und iPad geführt.

Käufer spüren Design

Dass Produktdesign kein demokratischer Prozess ist, den Kunden mitbestimmen könnten, betont Ive ebenfalls. Es sei nicht fair, Menschen ohne Sinn für die Möglichkeiten der Zukunft aus der heutigen Sicht miteinzubeziehen, „das ist der Job des Designers.“

Kunden würden aber dennoch gutes Design von schlechtem unterscheiden können, auch wenn sie nicht wüssten, wie sie ersteres beschreiben sollten, das hätten die Apple-Designer in den letzten 20 Jahren gelernt. “Als Verbraucher sind wir unglaublich anspruchsvoll und spüren, wo im Design große Sorgfalt oder wo nur Zynismus und Gier steckt. Das finden wir bei Apple sehr ermutigend.“

Die oft bekundete emotionale Verbindung zu den Apple-Produkten sei ein Ausdruck dieser Sorgfalt und der Arbeit, die im Apple-Design stecke, so Ive.

Wer mehr von Jonathan Ive im Video hören und sehen möchte, wird bei der „Ultimate Jonathan Ive Collection“ auf Chill.com fündig.

Was meint Ihr, was macht das Apple-Design so außergewöhnlich? Ist Design der Schlüssel zum Apple-Erfolg?

 

Info:

Das Interview mit Ive im Evening Star
Im Designmuseum findet sich das Gesamtwerk von Ive bei Apple
David Andel über Jonathan Ive als Nachfolger von Steve Jobs

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