Google: Larry Page krempelt Konzernstruktur um

Frank Ritter

Seit dieser Woche hat Larry Page Eric Schmidt als Chef bei Google abgelöst. Mit der Änderung auf der Führungsebene kommt frischer Wind in den Konzern: Page ändert die Hierarchien, Zuständigkeiten und billigt einzelnen Einheiten innerhalb des Unternehmens mehr Autonomie zu. Wir werfen einen Blick auf Larry Pages Führungsbilanz nach den ersten fünf Tagen.

Google: Larry Page krempelt Konzernstruktur um

Die Aufgabe ist nicht leicht. Einerseits ist Google mittlerweile ein riesiger Konzern mit unzähligen Geschäftseinheiten und Produkten sowie zehntausenden Angestellten. Andererseits hat sich Page auf die Fahne geschrieben, das “Startup-Feeling” aus den frühen Tagen ins Unternehmen zurückzubringen, um somit den Innovationsgeist und die Risikobereitschaft Googles zu stärken./p>

Mit Pages Übernahme des CEO-Postens werden Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten klarer definiert: Schlüsselfiguren innerhalb des Konzerns wurden von Larry Page vom Vice President zum Senior Vice President befördert und an die Spitze von Geschäftseinheiten gesetzt. Diese müssen künftig an Page berichten, können aber sonst stärker innerhalb ihrer Einheiten autonom agieren und haben mehr Entscheidungsbefugnisse. Die Akteure im Einzelnen sind Andy Rubin für Android, Vic Gundotra für den Bereich “Social”, Sundar Pichai für Chrome, Salar Kamangar für YouTube und Video, Alan Eustace für die Suche und Susan Wojcicki für das Anzeigen-Business.

Page, der als detailversessener Perfektionist gilt, zog den Schluss, dass diese Organisationsform die beste sei, wohl aus der Tatsache heraus, dass mit Android und YouTube zwei der stärksten Konzerneinheiten Googles bereits vorher mit einem hohen Maß an Autonomie sehr erfolgreich waren. Larry Page und Sergey Brin haben neue Büros auf dem Google-Campus bezogen, die umgeben sind von Softwareentwicklern, die an neuen Produkten arbeiten.

Gegenüber dem Technology-Blog der LA Times gab ein anonym bleiben wollender Google-Mitarbeiter an, dass derzeit Aufbruchsstimmung und Enthusiasmus auf dem Campus vorherrschten und viele neue Produkte entworfen würden.

Larry Page wird auch eine von Vorgänger Eric Schmidt gestartete Entwicklung weiter vorantreiben: Google dringt einerseits massiv, andererseits leise und in kleinen Schritten erneut in soziale Netzwerke vor: Die neuen Google-Profilseiten, der “+1″-Button nebst Integration der Empfehlungen aus dem privaten Netzwerk in die Google-Suchergebnisse, stetig verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten per Google Voice und Talk und die Stärkung von ortsbasierten Services wie Google Latitude sind mehrere Steine, die als Gesamtmosaik wohl den Versuch der Ablösung von Facebook auf dem Thron der sozialen Netzwerke ergeben.

Diese Taktik ergibt für Google nach dem “Buzz”-Desaster, dem gescheiterten Jaiku und dem nur in wenigen Ländern erfolgreichen Orkut Sinn: Google-Nutzer gewöhnen sich an einzelne Services, über die sie sich mit ein und demselben Google-Benutzerkonto einloggen. Diese Dienste werden sozialer, wachsen immer stärker zusammen und irgendwann wird möglicherweise der vielfach kolportierte Dienst “Google Me” einfach aus den Einzelteilen zusammengefügt. Das bedeutet, dass das soziale Netzwerk von Google nicht irgendwann “veröffentlicht” wird. Es existiert längst und wir benutzen es tagtäglich, etwa wenn wir per Google Talk chatten, wenn wir Google Mail-Kontakte zum Adressbuch hinzufügen oder wir ein Dokument per Google Docs an andere Nutzer zu Bearbeitung freigeben. Der Erfolg von Google im sozialen Bereich hängt davon ab, wie gut diese Einzelteile zusammengefügt werden. Dass Larry Page die jährlichen Gehaltsboni für alle Mitarbeiter an den Erfolg von Googles sozialer Strategie koppelt, erscheint da nur folgerichtig.

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