Hide My Ass - VPN-Dienst bestätigt Weitergabe von Verbindungsdaten ans FBI

Holger Blessenohl
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Hide my ass? Tja, zumindest wohl nicht jeden Arsch, wie der britische VPN-Anbieter HMA (=HideMyAss) nun in einem Post des Firmenblogs zugab. Den Arsch samt daran hängenden Menschen des vermutlichen LulzSec-Mitglieds Coby K. hat HMA jedenfalls dem FBI in den USA ausgeliefert. Womit gleichzeitig das Gerücht beerdigt werden darf, eine VPN-Verbindung ermögliche anonymes Surfen.

Hide My Ass - VPN-Dienst bestätigt Weitergabe von Verbindungsdaten ans FBI

Zumindest bei Hidemyass.com ist dies, ungeachtet des verlockenden Firmennamens jedenfalls nicht der Fall. Das englische Unternehmen speichert – wie nun wohl jedem klar wurde – Beginn und Ende jeder VPN-Verbindung und die IP-Adresse, mit der diese VPN-Verbindung durchgeführt wurde. Weitere Informationen werden laut Firmenblog weder erhoben noch gespeichert. Wie lange HMA die Verbindungsdaten speichert, hat das Unternehmen nicht ausgeführt. Derzeit gilt in Großbritannien noch die von Labour eingeführte Vorratsdatenspeicherung von einem Jahr. Die neue Regierung unter Cameron hatte aber in den Koalitionsvereinbarungen beschlossen, diese wieder zu streichen.

Zum Thema: HideMyAss Alternativen im Überblick

Hide My Ass hat sich bezüglich der Herausgabe der gespeicherten Verbindungsdaten von Coby K. auf die eigene Privacy Policy berufen. Dort wird explizit ausgeführt, dass jegliche illegalen Aktivitäten nicht geduldet werden und Hide My Ass auch mit Ermittlungsbehörden zusammenarbeitet, wenn die VPN-Verbindung für illegale Aktivitäten genutzt wird. Dort ist auch eine Liste der Aktivitäten zu finden, die bei Hidemyass.com zumindest zur Sperrung des Accounts führen können. Coby K. wird unter anderem Teilnahme an Hacks gegen das Sony PlayStation Network, 77 Sheriff-Websites, NATO-Server im Kosovo und Teilnahme an einer DDoS-Attacke gegen verschiedene britische Regierungsseiten vorgeworfen. Allesamt also fraglos Verstöße gegen britische Gesetze (und die Gesetze von vermutlich allen Ländern mit Internetverbindungen).

Hide My Ass hat aber auf der anderen Seite im Blogpost LulzSec fiasco auch deutlich gemacht, dass man keine Daten herausgeben werde, solange eben nicht gegen britisches Recht verstoßen wird. Gerade im arabischen Frühling hatten zum Beispiel viele ägyptische Blogger VPN-Verbindungen von HMA genutzt, um ihren Arsch zu retten. Zum Schutz solcher “illegaler” Kommunikation sei Hide My Ass ursprünglich gegründet worden, führt der Blogpost aus. Allen Nutzern aus diktatorisch regierten Ländern hat HMA deshalb noch einmal ein klares Signal gegeben, dass man ihre Daten niemals an die entsprechenden Regime weitergeben würde, solange sie dazu nicht von einem englischen Gericht aufgefordert werden. Im Falle von Coby K., dem die Mitgliedschaft bei LulzSec vorgeworfen wird, lag eine solche Aufforderung eines britischen Gerichtes vor.

Was sagt Ihr zum Verhalten von Hide My Ass? Sollen VPN-Anbieter trotz angeblich anonymer Verbindung Daten von Kriminellen weitergeben? Wo wäre für Euch die Grenze? Sollen VPN-Anbieter überhaupt protokollieren, wenn sie doch angeblich anonyme Verbindungen bieten?

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