Jobs und Zuckerberg: Unreife Pulloverfetischisten

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Das Bild von Steve Jobs auf der Bühne ist den meisten von uns noch präsent: Dunkler Rollkragenpulli, blaue Jeans und weiße Turnschuhe. Ähnlich leger hält Facebook-CEO Mark Zuckerberg seine Dienstgarderobe. Für Manche ist das ein Zeichen mangelnder Reife und lässt sie an seiner Tauglichkeit als Unternehmenschef zweifeln. Was für ein ausgemachter Unsinn!

Jobs und Zuckerberg: Unreife Pulloverfetischisten

Facebook will demnächst mit einem so genannten „IPO“ („initial public offering“, zu Deutsch „Börsengang“) eine Reihe von Investoren anlocken. Diese werden auf diversen Veranstaltungen in verschiedenen US-Großstädten mit Statistiken und Schnittchen umworben. Dazu gehört neben Präsentationen und Prosecco natürlich auch persönlicher Kontakt zur Management-Ebene.

Zuckerberg erscheint zu diesen Meet-and-Greets, wenn überhaupt, gern in seinem typisch lockeren Outfit. Kapuzenpullover, verschlafene Frisur und- Augenblick, wir sind doch hier nicht bei „Vogue“! Was kümmert uns also das äußere Erscheinungsbild eines CEO?

Auch Steve Jobs eigenwillige Kluft sorgte zunächst für hochgezogene Augenbrauen. Mark Zuckerberg musste sich jüngst vorwerfen lassen, nicht die nötige Reife für seine Position mitzubringen.

Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities, war der erste, der eine Kaufempfehlung für die kommende Facebook-Aktie aussprach. Er äußerte sich gegenüber Bloomberg über Zuckerbergs Kleidung und seine Art, mit den potentiellen Investoren umzugehen.

„Er zeigt Investoren, dass es ihm eigentlich egal ist. Er wird sich nicht verändern und statt dessen tun, was er immer getan hat. Ich halte das für ein Zeichen mangelnder Reife“.

Er solle diesen Menschen, die er immerhin um viel Geld bittet, den nötigen Respekt entgegenbringen. Für den Posten des Produktmanagers, Verantwortlicher für die Benutzeroberfläche oder die Funktionen der Plattform sei er bestens geeignet. „Ich bin aber nicht sicher, ob er der Richtige ist für die Position des Unternehmensleiters“, so Pachter.

Kein Zweifel, wenn es um viel Geld geht und viele Investoren gefunden werden sollen, ist mit einer erhöhten Anzug-Dichte im Raum wohl zu rechnen. Ein Kapuzenpulli und Jeans fallen da sicherlich auf. Doch wie kommt man auf die Idee, von der Garderobe auf Respekt zu schließen?

Was, wenn man einmal von Oberflächlichkeiten und falsch verstandener Etikette absieht, haben Kleidungsstücke eigentlich mit Führungsqualitäten zu tun? Ist ein Schlipsträger besser geeignet, einen Börsengang zu managen als ein Schluffi? Sicherlich stimmt das so pauschal nicht, ebenso wenig wie umgekehrt. Nur weil sich jemand leger gibt und den junggebliebenen Manager mimt, heißt das noch lange nicht, dass er die enorm komplexen und vielschichtigen Aufgaben eines CEO locker meistert.

Was aber, wenn sich jemand, wie im Falle Zuckerberg, bereits mehr als fähig gezeigt hat? Seine Qualitäten unter Beweis gestellt und mehr als nur Anhaltspunkte dafür gegeben hat, dass er wenn nötig in des Kaisers neuen Kleidern das Ruder sicher führen würde? Müssen wir dann wirklich noch an verstaubten Benimmregeln festhalten?

Ob Facebook nach dem Börsengang unter seinem eigenwilligen, vielleicht sogar exzentrischen CEO wird leiden müssen, bleibt abzuwarten. Steve Jobs hat wohl auf eindrucksvolle Weise gezeigt, dass Aktionäre und Investoren sich deswegen kein Kopfzerbrechen machen brauchen. Apple war und ist trotz oder gerade wegen eines Rollkragenpulli-Trägers ganz weit vorn.

Steve Jobs

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