Ich bin Nummer 4 - Filmkritik: So wie "Twilight", nur mit Weltall

Leserbeitrag
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Regie: D.J.Caruso
Darsteller: Alex Pettyfer, Timothy Olyphant, Teresa Palmer
Laufzeit: 109 Minuten
Start: 17. März 2011
"Twilight" und die Folgen. Nach dem gigantischen Erfolg der langzahnigen Seifenoper war es beschlossene Sache, dass schon bald die ersten Coverversionen folgen würden. In den nächsten Monaten stehen z.B. "Beastly" und "Red Riding Hood" ins Haus, und aktuell wird uns "Ich bin Nummer 4" vorgesetzt, der so stark nach "Twilight" riecht, dass man die weiterführende Klauerei z.B. bei "Kyle XY", "Smallville" und "Heroes" glatt übersehen könnte.

Ich bin Nummer 4 - Filmkritik: So wie "Twilight", nur mit Weltall

Wagemutige Originalität ist nicht unbedingt die größte Stärke dieses Films. Was dem einen sein glitzernder Haarspray-Vampir ist, ist hier ein blondgefärbter Außerirdischer (Alex Pettyfer), der zusammen mit seinem Beschützer (Timothy Olyphant) in einer amerikanischen Kleinstadt aufschlägt. Dass so sein hübscher Junge nicht lange alleine bleibt, ist natürlich Ehrensache, und genauso bleibt es nicht aus, dass lederbekluftete Aliens Jagd auf ihn machen. Nummer 4 soll unter die Erde, was allerdings “Ich bin Nummer 5, 6, usw.” deutlich schwieriger machen würde. Die Lösung deswegen: der Außerirdische hat Superkräfte!


“Ich bin Nummer 4″ ist eine risikobefreite Teenie-/ Romantik-/ Science Fiction-/ Action-Mixtur, die auf die minderjährige “Twilight”-Klientel abzielt und dieser ein Déja Vù nach dem anderen bereitet. Da gibt es den formschönen Außenseiter mit übernatürlichen Fähigkeiten, eine klinisch saubere Liebesgeschichte mit einem weltlichen “girl next door”, finstere Feinde ohne Modegeschmack, weichgespülten Indie-Rock und eine alles überziehende Ernsthaftigkeit, die den Zuschauern das trügerische Gefühl gibt, hier eine ganz erwachsene Nummer vor sich zu haben.

Natürlich ist “Ich bin Nummer 4″ sowas von nicht erwachsen, dass es knallt, und dabei auch des öfteren unfreiwillig komisch. Die Grabesmiene z.B., mit der hier peinlichste Oberflächlichkeiten vermittelt werden, grenzt gerne mal an Trash, das unpackbare Schönheitsarsenal einer miefigen Kleinstadt ist Fantasy pur und der romantische Zuckerguss der zentralen Liebesgeschichte trieft nur so vor zusammengeschraubtem Kitsch. Über weite Strecken ist “Ich bin Nummer 4″ nichts anderes als eine Seifenoper à la “Dawson’s Creek”. Geronnene Abziehbilder, verpackt in anbetungswürdige Luxuskörper.

Etwas aus dem Rahmen fällt dabei allerdings das Ende, wo Produzent Michael Bay mal wieder mit ganz großen Förmchen spielen darf: Auf einmal detonieren riesige Explosionen, Monster kommen ins Bild und überall sprießen abstruse CGI-Wunder. Das alles macht tatsächlich Spaß, aber trotzdem wird man auch hier das Gefühl nicht los, dass Regisseur D.J. Caruso (“Eagle Eye”) keinerlei Plan hat, wie man dieses Dingens namens Seele in so ein hingezirkeltes Plastikprodukt reinbekommt. “Ich bin Nummer 4″ dreht sich vor allem um weitreichende Marketing-Pläne, inhaltliche Checklisten und zugefilterte Hochglanz-Ästhetik. Herzlich willkommen im wunderschönen Nichts.

Fazit
Bei “Ich bin Nummer 4″ spielt ein ganz süßer Beagle mit, dessen Erwähnung bereits andeutet, dass hier eine tiefgründige Charakterstudie wartet…und eben kein schick produziertes Franchise-Sprungbrett, das -wenn man denn das zugrunde liegende Jugendbuch von James Frey und Jobie Hughes heranzieht- insgesamt sechs Teile umfassen soll. Für auf Durchzug stehende Hirnanhangdrüsen minderjähriger “Twilight”-Fans mögen solche glitzernden Oberflächen Relevanz haben, doch letztendlich bleibt hier nichts außer teurer und unfreiwillig unterhaltsamer Luft. “Ich bin Nummer 4″…und möchte so gerne ein erfolgreiches Teenie-Phänomen werden. Ach jetzt kommt schon, ein süßer Beagle ist doch auch dabei!

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