Vom Splatter-Kid zum Oscar-Regisseur: Die Filme von Peter Jackson

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Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet ein nerdiger Außenseiter die Magie von Tolkien in Hollywood-Größe auf die Leinwand bringen konnte. Vor seinem Erfolg mit dem “Herrn der Ringe” war Peter Jackson eher für humorvolle Splatter-Orgien wie “Braindead” und “Meet The Feebles” (un-)bekannt, danach erfüllte er sich mit “King Kong” einen Traum – und kehrt nun nach Mittelerde zurück. Hier alle seine Filme im Überblick, mit Trailern und Hintergrundgeschichten.

Vom Splatter-Kid zum Oscar-Regisseur: Die Filme von Peter Jackson

Obwohl Neuseeland nicht gerade viele renommierte Regisseure hervorgebracht hat, wurde Peter Jackson bis zu dem Oscar-gekrönten Erfolg in seiner Heimat eher misstrauisch beäugt. Ein Filmverrückter, der einen großen Spaß an Gore, Sci-Fi und schrägem Witz hatte, noch dazu immer in Schlabberklamotten und mit wildem Bart herumlief, eignete sich nicht gerade als Aushängeschild einer Industrie. Das hat sich gründlich geändert, mit seinen Tolkien-Verfilmungen sorgte Jackson nicht nur für große Produktionen in Neuseeland, sondern kurbelte auch den Kiwi-Tourismus an – und wurde dafür zum Ritter geschlagen.

Peter Jackson, geboren 1961, wuchs in dem 2000-Seelen-Dorf Pukerua Bay an der Steilküste auf, rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Wellington entfernt. Mit acht Jahren fing er an, selbst in Super 8 zu drehen. Sein Lieblingsfilm war der Original-King-Kong von 1933 und er experimentierte viel mit Stop-Motion-Technik, beeinflusst von Ray Harryhausen (den er später selbst treffen sollte). Der Teenager produzierte erste Kurzfilme wie u.a. eine James-Bond-Parodie namens “Coldfinger”, ein Zweite-Weltkriegs-Drama und den post-apokalyptischen Fantasy-Stummfilm “The Valley” (1976), der sogar im neuseeländischen Kinderfernsehen lief.

Bad Taste (1987)

Peter Jacksons erster abendfüllender Spielfilm entstand in vierjähriger Drehzeit in seiner Heimatstadt. Unter der Woche arbeitete er (nach seinem Schulabbruch mit 15) bei der Lokalzeitung als Druckvorlagenvorbereiter, gedreht wurde also nur an den Wochenenden. Bei “” übernahm er alles: Regie, Kamera, Kostüme, Special Effects (Explosionen! Schußwaffen!), Sound-Effekte, und agierte auch als einer der Schauspieler. Für den Sci-Fi-Splatstick-Film bereitete er die Latex-Masken im Backofen der Mutter vor – denn er wohnte ja noch zuhause.

Meet the Feebles (1989)

“From the creators of Bad Taste comes a film with no taste at all!” hieß es auf den Kino-Plakaten. “” ist die Muppet-Show in böse. Mit Sex, Drugs und Rock’n'Roll, kotzenden Puppen und Vietnam-Flashback. Schon damals konnte Peter Jackson auf keine Zeile seines Drehbuchs verzichten: Obwohl das Geld ausging, wurde jede einzelne Szene gedreht. Das Ergebnis: ein vollkommenes Fiasko an den Kinokassen mit Kult-Status. Bei der Oscar-Verleihung zum “Herrn der Ringe” erwähnte der Regisseur in seiner Dankesrede, dass die Academy “Meet the Feebles” weise übersehen hätte. Ab den Feebles wirkte Jacksons Partnerin Fran Walsh, mit der er zwei Kinder hat, an jedem seiner Drehbücher mit.

Braindead / Dead Alive (1992)

Nicht nur unter Splatterfans gilt Braindead als legendär. Der “goriest movie of all times” ist in der ungekürzten Fassung in Deutschland immer noch indiziert und nur geschnitten noch manchmal auf den Grabbeltischen unter dem Namen “” zu finden. Die Zombie-Horror-Story geizt nicht mit Kunstblut, und das Rasenmäher-Massaker ging in die Filmgeschichte ein. Natürlich auch als sagenhaft erfolglos an den Kinokassen.

Heavenly Creatures (1994)

Die Eintrittskarte zum “seriösen” Kino: “” gewann den silbernen Löwen in Venedig, wurde für den Oscar nominiert und zeigt Kate Winslet und Melanie Lynskey in ihren ersten Kinorollen. Der Freundschafts-Thriller beruht auf einer wahren Geschichte: Zwei Teenager erträumen sich in der Spießigkeit der 50er Jahre eine fantastische Welt, sollen deswegen auseinandergebracht werden und finden den einzigen Ausweg in einem gemeinsamen Mord. Von den Kritikern und an den Kinokassen wohlwollend aufgenommen.

Forgotten Silver (1995)

Der Fake-Dokumentarfilm, der zusammen mit Costa Botes entstand, verfolgt die Spuren des fiktiven (natürlich neuseeländischen) Film-Pioniers Colin McKenzie, der nicht nur den ersten Farbfilm, den ersten Tonfilm, den ersten abendfüllenden Spielfilm gedreht haben soll, sondern auch Aufnahmen von dem ersten motorisierten Flug der Menschheitsgeschichte gemacht hat (von einem Neuseeländer, noch vor den Gebrüdern Wright). Neuseeländische Film-Größen wirken mit, für Freunde von Mockumentaries und Filmgeschichte.

The Frighteners (1996)

Der erste Jackson-Film mit größerem Budget und Starbesetzung (grandios: Michael J. Fox) wurde vom Filmstudio Universal missverstanden und am selben Tag wie die Olympiade 1996 gestartet – und verheizt. Dabei hat durchaus das Zeug zur Horror-Kult-Komödie im frühen 90er-Style. Bis zur Hälfte rasant, mit dem typisch Jacksonschen Humor (das orange Hämorrhiden-Kissen) und den skurrilen Figuren, dann ein langer Showdown mit einer Wendung nach der anderen. Der Danny-Elfman-Soundtrack konnte den mäßigen Box-Office-Erfolg auch nicht verhindern.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten, Die zwei Türme, Die Rückkehr des Königs (2001-2003)

Nach dem Herrn der Ringe war nichts mehr, wie es vorher war: Peter Jackson gehörte plötzlich zur ersten Liga der Regisseure und gab dem neuen Jahrtausend sein erstes Blockbuster-Meisterwerk, andererseits sorgte er für die vorher für unmöglich gehaltene gelungene Umsetzung des Tolkien-Stoffes, die sogar Hardcore-Fans zu Begeisterungsstürmen hinriss.

King Kong (2005)

Schon in den 90ern hatte Peter Jackson den Auftrag für einen King-Kong-Film von Universal erhalten – der nach dem Misserfolg von The Frighteners zurückgezogen wurde. Nun kam die Firma doch wieder an, und Jackson nahm das (rekordverdächtige) 200-Millionen-Dollar-Budget, um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen. Drei Stunden epische Breite, drei Oscars für Effekte, “Gollum” Andy Serkis als , und ein solider Blockbuster-Erfolg.

Crossing the Line (2008)

Ursprünglich sollte Peter Jackson nur den Prototyp der neuen Digitalkamera Red One testen – stattdessen entstand an zwei Drehtagen der 12-minütige Kurzfilm “Crossing the Line”, der im ersten Weltkrieg spielt und ohne Dialoge auskommt. Eine Spielerei mit tollen Einstellungen. Für den Hobbit wurden 48 RED Epics vom selben Hersteller verwendet.

In meinem Himmel (The Lovely Bones) (2009)

Die Literatur-Verfilmung stieß auf gemischte Kritiken, ein übernatürliches Drama um den Mord an einer 14-Jährigen, die sich gerade zum ersten Mal verliebt hat. war souverän inszeniert, wirkte aber streckenweise künstlich und von der Anlage um die Zwischenwelt herum dann doch eher dünn.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (2012)

Der vorläufige Abschluss von Peter Jacksons Filmographie ist die Hobbit-Trilogie. Mit den Anhängen aus dem Herrn der Ringe wird aus dem Kinderbuch eine epische Rückkehr nach Mittelerde. Nicht nur unsere Hobbit-Kritik verspricht Großes auch für die folgenden zwei Teile.

Und das sind nur die Filme, bei denen Peter Jackson Regie führte. Als Produzent betreute er noch die Kurzfilme The Valley of the Stereos, Jack Brown Genius, The Long and Short of It, die Doku West of Memphis sowie zuletzt die Blockbuster District 9 und Tim und Struppi. Peter Jackson also als Produzent von Steven Spielberg? Gar nicht so abwegig, treffen sich die beiden doch unregelmäßig mit James Cameron, Robert Zemeckis und George Lucas, um sich über neue Filme und Technologie auszutauschen, berichtet zumindest das Empire-Magazin – und betitelt die Gruppe “The Techlings” in Anlehnung an Tolkiens Literatentreff “The Inklings”. Hoffen wir auf weitere spannende Filme von Jackson. Was sind eure Favoriten?

Weitere Themen: Der Herr der Ringe – die Gefährten, Der Hobbit – Smaugs Einöde – The Desolation of Smaug, DER HOBBIT: Smaugs Einöde, District 9, Der Herr der Ringe - die zwei Türme , Der Herr der Ringe – die Gefährten, Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs, Der Hobbit – Smaugs Einöde – The Desolation of Smaug


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