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Die Böse Seite der Macht lockt

Aber dann gibt es natürlich auch noch die wesentlich attraktivere Seite von Grimm’s Märchen. Die fiese Seite. Die Seite, in der Rotkäppchens Großmutter vom Wolf kurzerhand gefressen und erst Wochen später wieder durch eine völlig andere Körperöffnung herausgelassen wird. Die Seite, in der Schneewitchen ein langes, armseliges Leben im Beisein der höfischen Geschirrberge führt, bis selbst der hässlichste Prinz das alte, verdorrte Ding wieder zurück an den Absender schicken würde.
Ergo: Ihr wart schon immer der Meinung, Euer Held sollte sich lieber dem Durst nach unschuldigem Blut verschreiben und sinnlose Gemetzel unter denen anrichten, die er eigentlich mit seinem Leben beschützen müsste? All das ist machbar.

Im Gegenzug für besonders einfallsreiche Spielereien wie z.B. das Erschlagen von Fans mit der gerade gewonnenen Schwertkampf-Trophäe gibt es nicht einmal einen tadelnden Fingerzeig der Entwickler – im Gegenteil. Die böse Seite ist durch ihre vereinfachte Spielmechanik stellenweise derart verlockend, dass man sich von den Präferenzen im Entwickler-Team keine großen Vorstellungen mehr zu machen braucht…

Doch natürlich ist auch für die ewig Unentschlossenen da draußen etwas dabei: Wer also schon immer Zapp Brannigan für seinen heldenhaften Kampf von “Gut gegen Neutral” bewunderte, darf jetzt endlich auch in völliger sittlicher Immunität schwelgen. Hier mal martialisch, da mal moralisch und morgen vielleicht wieder völlig apathisch – die Welt von “Fable” ist keineswegs nur in schwarz-weiß gemalt. Vielleicht aber möchtet Ihr Eurem Dasein auch einfach zum Ziel setzen, sämtlichen Hühnern Albions den gefiederten Hintern gen Himmel zu treten?

Alles machbar, beim Molyneux. Psychologisch zwar fragwürdig, aber machbar.

All das ist letztendlich auch genau der Grund, weshalb das “Lionhead”-Team selbst nach unerwartet durchschnittlichen Spielverkäufen vorangegangener Titel immer neue Experimente eingehen darf. Und weshalb Redakteure freiwillig in den “Zärtlich”-Modus schalten, sobald einer der Entwickler vor das Pressemikro tritt. Man kann Spielen wie “Black & White” vieles vorwerfen, doch sicher keine mangelnde Liebe zum Detail. Es gibt in “Fable” so unglaublich viel zu entdecken, zu bekämpfen und zu beherrschen, dass es manch anderem Spieledesigner angesichts seiner vordefinierten Levelautobahnen die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste.

Neuer Inhalt für die PC-Version?
“Fable” für den PC hat nicht umsonst den Untertitel “The Lost Chapters”. Als PC’ler werdet Ihr nämlich in den Genuss neuer Quests, Gegenden Gestiken, Waffen, Monster, Zaubersprüche und Ausrüstungsgegenstände kommen.
Dort wo die X-Box Version von “Fable” aufhört geht es bei “Lost Chapters” noch ein bisschen weiter. Ein Jahr nachdem man nämlich als Held das Land durchwandert hat, wartet eine neue Bedrohung darauf verbannt zu werden.

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