Wertungskultur bei Videospielen - Hypes und Enttäuschungen in der Fachpresse

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(Pille) Es gibt viele Gründe, die einen Gamer davon überzeugen können, ein bestimmtes Spiel zu kaufen. Ein guter Vorgänger, ein bekannter Designer, eine bewährte Entwicklerschmiede oder viele Innovationen. In besonders günstigen Fällen wie z.B. dem aktuellen Superhit Spore, treffen gleich mehrere dieser Faktoren zu. Vor der endgültigen Kaufentscheidung, egal wie diese zu Stande kam, steht bei einem Großteil der Gamer allerdings immer noch die finale Wertung der Fachpresse. Diese Wertung wird von vielen Zockern quasi als Abschlussprüfung für ihren Titel angesehen.

Wertungskultur bei Videospielen  - Hypes und Enttäuschungen in der Fachpresse

Aber kann eine schlechte Wertung vom Kauf eines Titels, auf den man schon sehr lange wartet, tatsächlich abhalten? Was passiert wenn der ersehnte Titel in den Wertungen der Fachpresse unter den Erwartungen liegt? Welchen Einfluss haben die Kritiker auf die Käufer und nicht zuletzt auch auf die Entwickler selber?

Ende des letzten Monats wurden z.B. die ersten Wertungen des Hypetitels “Spore” bekannt. Die Wertungen sind mit 79 Prozent in der Gamestar und 73 Prozent in der PC Games sehr ernüchternd und liegen weit unter den Erwartungen, obwohl die Wertungen durchaus “solide” und nicht schlecht sind. Doch um das Spiel wurde in den letzten Jahren ein dermaßen großer Hype aufgebaut, dass die wenigsten Menschen mit einer Wertung unter 85-90 Prozent gerechnet hätte.

Viele Games, von denen man sich viel versprochen hatte, sind in der Vergangenheit an der letzten Hürde “Fachpresse” gescheitert. Eines der prominentesten Beispiele von “Wertungsflop” der letzten Jahre war sicherlich “Black and White” und auch hier war “Innovation” das Schlagwort, mit dem sich der Titel in die Herzen der Spieler “Hypte”. Am Ende erlangte er im Durchschnitt zwar eine gute Wertung, bei z.B. der Gamestar “nur” knappe 84 von 100 möglichen Punkten. Tatsächlich stellte sich bei den Spielern schnell Ernüchterung über das zwar innovative, allerdings nicht sehr abwechslungsreiche Gameplay ein.

Auch das ambitionierte Projekt “Fable”, an dessen zweitem Teil Peter Molyneux gerade arbeitet, konnte nicht die entsprechende Revolution ins Gamesgenre bringen, die einige erwartet hätten.

Interessant ist hierbei, dass sich im kollektiven Gamerhirn die Prämisse eingeprägt hat, dass Spiele unter 80-85 Prozent bereits als Flop oder Enttäuschung gelten. Dabei sind 8 von 10 Punkten an sich ein sehr gutes Ergebnis. Kein Schüler würde sich über eine Prüfung mit 80% richtigen Antworten ärgern. Woher kommt diese “snobbistische” Haltung, dass viele Zocker alles, was nicht im Sehr Gut-Bereich liegt, von vornherein für die heimische Spielesammlung disqualifizieren?

Liegt es daran, dass die Spielemagazine und Websites generell zu leichtfertig hohe Wertungen vergeben und wir daher sowieso mit genug Titeln der 90-Prozent-Kategorie eingedeckt sind, oder sind Coregamer die Feinschmecker der Spielebranche, die die alltägliche Casualkost naserümpfend im Händlerregal verstauben lassen, sofern sie nicht ihren ultrahohen Qualitätsanforderungen entspricht?

Diesem Thema werden wir uns heute abend in “GIGA The Show” widmen. Wenn ihr eventuell die Chance haben möchtet, eure Meinung zum Thema heute via Skype live in GIGA The Show zum Besten zu geben, dann postet in die Comments oder in den Thread zum Thema.

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