iPhone bei China Mobile: 600 Millionen neue Kunden

Flavio Trillo

Das Potential des chinesischen Marktes ist enorm, das haben auch Tim Cook und Peter Oppenheimer in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen 2/2011 verkündet. Aus Gesprächen mit dem größten Mobilfunkanbieter des Landes könnte ein Zuwachs der iPhone-Klientel um 600 Millionen Kunden erwachsen.

Schon seit Monaten wabern Gerüchte durch den Äther, dass Steve Jobs großes Interesse an einem LTE-iPhone für den chinesischen Markt angemeldet habe. Kürzlich wurde Tim Cook im Hauptquartier von China Mobile gesichtet, der Besuch wurde von den beiden Unternehmen aber nicht weiter kommentiert.

Sollte Apples es gelingen, sein Smartphone (und das 3G-iPad) über den staatlich kontrollierten Anbieter zu verkaufen, würde die Kundenbasis auf einen Schlag um 600 Millionen Abonnenten ansteigen. Jedenfalls theoretisch, immerhin sind die Kosten für ein solch prestigeträchtiges Gerät für viele Chinesen nach wie vor unerreichbarer Luxus.

Dem Wall Street Journal zufolge lag das Durchschnittseinkommen pro Haushalt in der ersten Jahreshälfte bei 12.076 Yuan, was etwa 1.315 Euro entspricht und den Preis für ein iPhone von mindestens 5.999 Yuan (653 Euro) astronomisch erscheinen lässt. Allerdings wächst die chinesische Wirtschaft und mit ihr eine vergleichsweise wohlhabende Mittelschicht in enormem Tempo.

Diesem Umstand dürften auch den riesigen Besucherzahlen geschuldet sein, die täglich durch die vier Apple-Filialen des Landes strömen. Jeder dieser Stores generiert Peter Oppenheimer zufolge nicht nur den größten Durchgangsverkehr sondern auch die höchsten Durchschnittsumsätze weltweit.

Ein solches Potential wird Steve Jobs sich nicht entgehen lassen. Die Frage ist nur, ob Apple noch vor dem landesweiten Start des LTE-Netzes ein iPhone konstruiert, das den eigenbrötlerischen Mobilfunkstandard TD-SCMA unterstützt. Wahrscheinlicher ist, dass man China Mobile dazu drängt, möglichst schnell zumindest in den größeren Städten ein möglichst lückenloses LTE-Netz zu schaffen.

So könnte der chinesische Markt bald stärker werden als selbst das mit Heimvorteil gesegnete gesamt-amerikanische Territorium. Im letzten Quartal sorgte dieses für etwa 38 Prozent des Umsatzes. Wenn auch nur ein Teil der 600 Millionen potentiellen Kunden sich zu den bestehenden fast 200 Millionen Abonnenten von China Unicom gesellen, könnten sich diese Verhältnisse schnell ändern. Der zweitgrößte Anbieter des Landes führt das iPhone bereits.

Heute Abend stellt Apple seine Zahlen für das dritte Quartal 2011 vor. Erneut ist sicher, dass der asiatische Markt, und China insbesondere, als mit äußerst starkem Wachstum gesegnet hervorgehoben werden. Haben iPhone und iPad 3G erst einmal beim größten Mobilfunkanbietern Chinas Fuß gefasst, werden dank Halo-Effekt auch steigende Mac- und iPod-Verkäufe nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Unter anderem um genau diesen Effekt noch zu verstärken, plant Apple für die nächsten Monate zwei weitere Stores in Shanghai und Hongkong. Jetzt müssen die Chinesen nur noch von den dort alteingesessenen Marken wie HTC ablassen und ihren neu gewonnenes verfügbares Einkommen für die “richtigen” Smartphones ausgeben.

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