Q4/2010: Zahlen, Fakten, Hintergründe

Tizian Nemeth
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Schon beinahe zur Tradition wird die Verkündung immer neuer Rekordquartale bei Apple Auch diesmal legt der Hersteller bei Umsatz und Gewinn noch einmal zu. Grund ist einmal mehr das iPhone – mit den Verkaufszahlen hat man diesmal sogar das Rekordergebnis von RIM übertroffen, bestätigt Steve Jobs Aber auch über einen neuen Rekord bei den Mac-Verkäufen kann Apple sich freuen. Nur bei den iPods kann der Hersteller den Abwärtstrend auch diesmal nicht stoppen. Dafür gibt es aber interessante Ansichten von  Jobs  zum iPad. macnews.de schaut sowohl auf als auch hinter die Zahlen und Antworten.

Das Ritual

18. Oktober 2010, pünktlich um 23 Uhr unserer Zeit beginnt Apple mit der Live-Übertragung der Finanzergebnisse für das abgelaufene Quartal. Finanzchef Peter Oppenheimer kann erneut ein Rekordergebnis verkünden – auch das gehört mittlerweile zum Ritual. 20,343 Milliarden US-Dollar Umsatz und daraus resultierend einen Gewinn von 4,308 Milliarden Dollar, oder 4,64 Dollar pro Aktie – das ist die Erfolgsbilanz von Apple. In einem Jahr hat hat Apple damit einen Umsatz von 65,225 Milliarden Dollar und einen Netto-Gewinn von 14,013 Milliarden Dollar generiert.

Rekordergebnis bei den Mac-Verkäufen: 54 Prozent mehr Desktop-Macs

Blickt man auf die Verkaufszahlen der Macs, so fällt einem unweigerlich der Begriff “Halo-Effekt” ein. Dieser beschreibt in diesem Fall einen Kaufimpuls, der bei einem iPod- und iPhone-Besitzer auftreten kann. Dieser entscheidet sich nach der Anschaffung unter Umständen auch für einen Mac. Seit vor allem das iPhone sich immer größerer Beliebtheit erfreut, verkauft Apple auch wieder zunehmend mehr Computer.

Und im abgelaufenen Quartal konnte Apple bei den Mac-Verkäufen sogar einen neuen Rekord verbuchen. Noch nie seit 2007 haben mehr Kunden in einem Quartal mehr Macs gekauft: insgesamt 3,885 Millionen Geräte – das ist ein Zuwachs von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Auch diesmal haben sich wieder mehr Käufer für einen mobilen Mac entschieden, wie die 2,643 Millionen verkauften MacBooks, MacBook Pro- und Air-Modelle beweisen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 17 Prozent. Bei den Desktop-Macs konnte Apple sogar um 58 Prozent zulegen: Insgesamt gingen 1,242 Millionen Geräte vom Mac Pro, über den iMac bis hin zum Mac mini über die Ladentheke.

Mit 1,46 Millionen Einheiten werden die meisten Macs nach wie vor in Amerika gekauft, Europa ist mit 978000 Macs zweit-größter Markt. Während auf diesen Kontinenten die Nachfrage nach Apples Computern steigt, kaufen Japaner weniger Rechner. Trotz eines Rückgangs von 9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal steigt allerdings der Umsatz. Das lässt darauf schließen, dass sich Kunden im Land der aufgehenden Sonne für die leistungsfähigeren und damit kostenintensiveren Macs entscheiden.

Trotz Produktionsproblemen: iPhone-Verkaufszahlen auf neuem Rekordhoch

Stärkstes Segment ist einmal mehr das iPhone. Auch wenn Apple beim iPhone 4 unter anderem mit schlechter Presse aufgrund der Antennenprobleme beim aktuellen Smartphone, aber auch mit Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen hat, die Endverbraucher hat das nicht vom Kauf abgehalten. 14,102 Millionen iPhones hat der Hersteller rund um den Globus verkauft und damit erneut ein Rekordergebnis erzielt. Die verkauften Smartphones sorgen für einen Umsatz von 8,822 Milliarden Dollar; doppelt so viel wie portable und Desktop-Macs zusammen einbringen.

Mit dem neuen Rekord hat es Apple den Kritikern gezeigt, die im Hinblick auf die stagnierenden Verkaufszahlen des iPhones über die letzten drei Quartale schon von einer Sättigung sprachen. Im Vergleich zum vorausgegangenen Quartal hat sich die verkaufte Menge beinahe verdoppelt.

Mittlerweile wird das iPhone von 166 Mobilfunkbetreibern rund um den Globus angeboten und durch das Ende der Exklusivbindungen dürften die Verkaufszahlen noch einmal deutlich zulegen. Aus der Riege der Länder mit Exklusivpartnern ist Deutschland mittlerweile ausgetreten, künftig können Kunden das iPhone auch bei Vodafone und O2 erwerben.

Das iPad: Verkaufsschlager und Mac-Konkurrent

Erst das zweite Mal taucht das iPad in einer Bilanz von Apple auf und dennoch gehört es schon zur dritten Kraft in Hinblick auf den Umsatz. 4,188 Millionen iPads konnte Apple in den letzten drei Monaten verkaufen und damit einen Umsatz von 2,792 Milliarden Dollar erzielen. Was die Bilanz allerdings nicht verrät: Aufgrund von Lieferengpässen konnte Apple die Nachfrage nach dem Tablet-Gerät nicht befriedigen. Zwar erklärt Peter Oppenheimer in der Fragerunde in Hinblick auf die Lieferproblemen, Apple habe im September erstmals die Nachfrage befriedigen können; aber für einen größeren Einfluss auf die Umsatzzahlen kam die iPad-Flut zu spät.

Auch nach dem Einfluss des iPads auf die Verkaufszahlen der Macs haben die anwesenden Journalisten gefragt. Die Antwort von Steve Jobs darauf: “Die Frage ist nicht ob, sondern wann sich das iPad auf das Mac-Segment nachhaltig auswirkt.” Also rechnet man auch bei Apple damit, dass sich künftig mehr Käufer für Apples Tablet und gegen einen Mac entscheiden. Das könnte auch ein Hinweis darauf sein, in welche Richtung das Unternehmen sich mit seinem kommenden Betriebssystem womöglich entwickelt.

Nun wartet die Apple-Gemeinde sehnsüchtig auf die nächste Generation bei den iPads. Diesen werden wohl aber nicht, wie vermutet mit einem 7 Zoll Display ausgestattet sein. So zumindest kann man Jobs Aussage interpretieren, wonach bei einem 7 Zoll Display nur 45 Prozent der Fläche eines 10 Zoll Displays zur Verfügung stehen und das sei zu wenig.

Ungeachtet dessen, was Apple womöglich Anfang nächsten Jahres als Nachfolger zum aktuellen iPad präsentiert – die Verkaufszahlen werden auch im nächsten Quartal weiter ansteigen und womöglich schon in einem halben Jahr zählt das iPad zum zweit wichtigsten Segment in der Bilanz. Noch vor den Macs.

Immer weniger verkaufte iPods

Wenig Neues gibt es bei den iPods: 9,051 Millionen verkaufte Einheiten – das ist ein Minus von 11 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2009. Anders als in den letzten Quartalen diesmal aber auch der Umsatz – ein Zeichen dafür, dass Anwender insgesamt weniger iPods kaufen. In den vorausgegangenen Quartalen hatte die Nachfrage nach dem iPod touch trotz rückläufiger Verkaufszahlen für eine positive Umsatzentwicklung in diesem Segment gesorgt.

Beachten muss man bei diesem Ergebnis allerdings, dass die neuen Modelle von Apple erst am 1. September vorgestellt wurden und deshalb nur zum Teil auf die Bilanz Einfluss nehmen können. Zudem ist der iPod erfahrungsgemäß vor allem im Weihnachtsquartal ein Verkaufsschlager – die letzten beiden Weihnachtsquartale brachten jeweils über 20 Millionen Einheiten.

Apple TV – Noch kein eigener Bilanzposten

Apple TV ist nicht nur klein, wenn es um die Abmaße geht, sondern auch in Hinblick auf die generierten Umsätze. Deshalb listet Apple erneut die Set-top-box nicht gesondert in der Bilanz auf. Vielmehr muss sich Apple TV einen Posten mit “Perepherie und anderer Hardware” wie etwa der Magic Mouse und dem Magic Tablet teilen.

Dennoch nennt Apple Zahlen: Danach hat das Unternehmen bereits 250 000 Geräte verkauft. Eine deutliche Steigerung erwartet Apple durch die AirPlay-Funktion.

Ausblick auf Q1 2011

Alles in allem können nicht nur Aktionäre mit dem Ergebnis zufrieden sein, sondern auch die Apple-Funktionäre. Und das sind sie auch: “Wir sind über die Leistung und Stärke unserer Geschäftsentwicklung begeistert; wir haben knapp 5,7 Milliarden Dollar an zusätzlichen Barmitteln in diesem Quartal erwirtschaftet,” fasst Peter Oppenheimer, Finanzchef von Apple das Quartalsergebnis zusammen.

Und was erwartet Aktionäre und Mac-Fans im laufenden Quartal? Für Q1 2011 peilt Apple einen Umsatz von 23 Milliarden Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 4,80 Dollar an. Und am kommenden Mittwoch dürfen sie zudem einen Blick auf das kommende Betriebssystem Mac OS X 10.7 werfen und auch eine neue iLife und iWork Version erwarten.

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