Apple spürt die Konsumzurückhaltung im Heimatmarkt USA: Die Immobilien- und Kreditkrise hat einen Einfluss auf das Weihnachtsgeschäft gehabt. Zögernd räumte Finanzchef Peter Oppenheimer dies gestern nach Börsenschluss in einer Telefonkonferenz zur Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen ein. Diese Zurückhaltung schlägt sich im Saisonartikel iPod nieder: Cupertino hat zwar so viele Player wie noch nie zuvor verkauft – und dabei soll sich insbesondere der iPod touch hervorragend geschlagen haben -, doch die von Analysten erwarteten Stückzahlen von bis zu 25 Millionen Geräten hat Apple im Dezemberquartal nicht erreichen können. Die “interne Betrachtung der Verkaufszahlen” zeige, so Oppenheimer, dass die gute internationale, insbesondere aber die europäische Nachfrage beim iPod die Zurückhaltung der US-Konsumenten ausgleiche.

Unbeeindruckt zeigt sich die Börse von den eigentlich hervorragenden Kernzahlen des vergangenen, für Apple ersten Quartals des Geschäftsjahrs 2008: Mit 9,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Nettogewinn von 1,58 Milliarden Dollar liegt das Ergebnis über den wie üblich konservativen Schätzungen von Oppenheimer aus dem vergangenen Quartal (wir berichteten) und markiert tatsächlich zwei neue Rekorde. Dabei spielen die Nachfrage nach dem iMac im Alu-Kleid und Apples neues Betriebssystem Mac OS X 10.5 Leopard eine wichtige Rolle.

Desktop-Verkäufe ziehen an, Notebook-Umsatz stagniert

Gemessen an den Stückzahlen war die Neuvorstellung des MacBook Air ein richtiger Schritt: Finanzchef Oppenheimer sprach in der Telefonkonferenz mit Analysten von einer erfreulich hohen Zahl an Vorbestellungen für das leichte Subnotebook. Womöglich haben die Kunden diesen Schritt abwarten wollen, denn im Vergleich zum Vorquartal hat sich die Anzahl der verkauften Notebooks kaum verändert: 5000 MacBook- und MacBook pro-Modelle weniger hat der Hersteller verkauft, mit 1,342 Millionen Notebooks stagnierte die Nachfrage im Dezember-Quartal; ein kleines Umsatzplus von sieben Prozent konnte Apple hier trotzdem erwirtschaften. Deutlich besser steht die Desktop-Sparte da: 20 Prozent mehr Computer zwischen Mac mini und Mac Pro hat Apple umsetzen können, einen großen Anteil daran hat nach Firmenangaben der im Sommer neu aufgelegte iMac. Mit 977.000 verkauften Einheiten kratzt Apple an der Millionenmarke. 1,5 Milliarden Dollar trägt die Desktop-Sparte zum Gesamtumsatzergebnis bei, 27 Prozent mehr als im letzten Quartal des Ende September zu Ende gegangenen Geschäftsjahres. Beeindruckend bleibt der Vergleich mit dem Vorjahresquartal: 44 Prozent mehr Computer hat Apple im Weihnachtsgeschäft verkaufen und dadurch den Umsatz um 47 Prozent steigern können.

Richtungswechsel im iPod-Geschäft

Der iPod touch soll”s richten: Apples Finanzchef wurde in der Telefonkonferenz nicht müde hinzuweisen, dass der Bruder des iPhones den Beginn einer neuen, WLAN-basierten mobilen Plattform einläute, auf der alle möglichen mobilen Anwendungen liefen. Das kostenpflichtige Software-Update, mit dem auch E-Mail Fähigkeiten auf dem Multitouch-Player Einzug halten, markiere erst den Anfang. Der Schritt weg vom alten Credo “It”s about music!” sei der richtige Weg. Der Player-Markt zeigt erste Anzeichen der Sättigung, zumindest in den Vereinigten Staaten, da setzt der sanfte Strategiewechsel ein Zeichen. Wäre außerhalb des Heimatmarktes, insbesondere in Europa, die Nachfrage nach den iPod-Modellen nicht so stark gewesen, hätte Apple das Ergebnis aus dem vergangenen Geschäftsjahr wohl nicht erreichen können. 22,1 Millionen iPod shuffle, nano, classic und touch übertreffen das Vorjahresergebnis der Holiday Season um nur fünf Prozent (Q1/07: 21,07 Mio. Stück, 3,43 Mrd. $), mit knapp unter 4 Milliarden Dollar hat der Umsatz um 17 Prozent zulegen können. Diese Zahlen belegen, dass der Verbraucher zu Weihnachten 2007 tendenziell eher nach dem höherwertigen Gerät gegriffen hat als noch vor einem Jahr. Analog zum Saisongeschäft mit der MP3-Hardware hat auch der iTunes Store wieder zulegen können: Hier vermeldet Apple – kumuliert mit iPod-Zubehör – ein Geschäftsergebnis von 808 Millionen Dollar Umsatz, ein Drittel mehr als vor einem Vierteljahr, mit 27 Prozent etwas mehr als ein Viertel im Vorjahreszeitraum. Aber reich wird Apple nicht mit dem Verkauf von Online-Medien, wenn man Oppenheimer Glauben schenken darf: Der Store arbeitet nach seiner Auskunft knapp oberhalb der Gewinnzone.

Neueinsteiger iPhone

Nein, Kannibalisierungseffekte will Peter Oppenheimer zwischen der iPod- und der iPhone Sparte nicht erkennen: 2,3 Millionen Geräte hat Apple von seinem Erstlings-Handy im vergangenen Quartal verkauft, der Start in Großbritannien, Deutschland und Frankreich im November hat mit dazu beigetragen, dass dies doppelt so viele Geräte sind wie im vergangenen Quartal direkt nach dem US-Start. Das Erreichen der 4-Millionen-Marke hat Firmenchef Steve Jobs auf der Keynote vergangene Woche verkündet und Cupertino zeigt sich zuversichtlich, das selbst gesteckte Ziel von zehn Millionen iPhones bis Ende des Jahres zu erreichen. Neugierige Analystenfragen nach einem neuen Modell mit UMTS und verbesserter Ausstattung begegnete Finanzvorstand Oppenheimer mit der Standard-Antwort: “Wir reden nicht über zukünftige Produkte.” Genauso wenig wie über Erträge, die Apples Exklusiv-Partner aus den laufenden Kundenverträgen nach Cupertino überweist, und über die regionalen Verkaufszahlen schon einmal gar nicht. “Dafür ist das Geschäft noch zu jung, als dass wir eine Aussage treffen könnten”, so Apples Kassenwart. So wie die Stückzahlen (+ 107% zu Q4/07) hat sich auch der Umsatzanteil verdoppelt: Nach 118 Millionen im Vorquartal liegt er nun bei 241 Millionen Dollar. Eine “signifikante” Anzahl von Käufern will das iPhone von der Provider-Bindung lösen, belastbare Zahlen oder exakte Schätzungen will Apple aber nicht abgeben. Die 100-Dollar-Gutscheinaktion für die iPhone-Frühkäufer, mit der Apple den Unmut über die frühe Preissenkung besänftigen wollte, sei jetzt in den Bilanzen durchgebucht. Weitere Neuigkeiten, etwa zu einem Verkaufsstart in Kanada, gibt es nicht, Apple plant weiterhin den Eintritt in den asiatischen Markt und die Ausweitung des Europa-Geschäfts mit dem iPhone.

Leopard und Profi-Software steigern Umsatzergebnis

Im Zahlenwerk verschleiert Apple die Ergebnisse aus dem Softwaregeschäft und nennt keine Details zu den Produkten, die sich besonders gut verkauft haben. Da bedarf es schon der Nachfrage der Analysten, um Peter Oppenheimer zu entlocken, wie der Umsatz von 628 Millionen Dollar in dieser Sparte zustande gekommen ist. Nicht überraschend trägt Mac OS X 10.5 seinen Beitrag dazu bei. Ende Oktober veröffentlicht, hat das neue Betriebssystem 170 Millionen Dollar an Umsatz gebracht, in der vergleichbaren Situation hatte Mac OS X 10.4 Tiger seinerzeit “bloß” 100 Millionen eingespielt. Unterstützt wird das im Vergleich zum Vorjahresquartal 81 Prozent besser ausgefallene Ergebnis von einem “unglaublichen Wachstum” bei den Audio- und Videotiteln in der Logic und Final Cut-Familie, so Oppenheimer. Auch im Vergleich zum vergangenen Quartal fällt das Umsatzplus mit 46 Prozent deutlich aus. Zum Geschäft mit Peripherie und weiterem Zubehör wie der Set-Top-Box Apple TV zeigt sich Oppenheimer in seiner Auskunftsfreude bedeckter: Prognosen zum aktualisierten “iPod fürs Wohnzimmer” will Apple nicht abgeben, die Set-Top-Box “ist ein großartiges Produkt zur richtigen Zeit”. Insgesamt hat Apple in diesem Segment, zu dem auch die Cinema Displays gehören, im vergangenen Vierteljahr 382 Millionen Dollar umgesetzt, ein Zehntel mehr als im vergangenen, 29 Prozent mehr als im Vorjahres-Quartal.

Apple International: Japan kriegt die Kurve

Nicht nur das Ergebnis in Europa, sondern auch der Turn-Over in Japan stellt sich der schwierigen Situation im US-Markt entgegen. Nach Monaten des Stillstands legt der Mac-Umsatz in Japan wieder deutlich zu, mit 91.000 verkauften Computern steigert Apple die Stückzahlen um ein Viertel (26 Prozent) im Vergleich zum vergangenen Quartal und steht 30 Prozent mehr verkauften Macs als noch vor einem Jahr wieder deutlich besser da. In Europa lässt die Nachfrage nicht nach, hier erzielt der Mac-Hersteller mit 705.000 verkauften Computern ein nie da gewesenes Ergebnis: Um 41 (Q4/07) bzw. 44 Prozent (Q1/07) sind die Mac-Verkäufe angezogen, in die “alte Welt” hat Cupertino 206.000 mehr Computer exportiert als vor einem Vierteljahr, ähnlich hoch ist der Unterschied zum Vorjahresquartal. Der Umsatz aller Geschäftsbereiche hat in Europa durch die hohe iPod-Nachfrage im Quartalsvergleich um 85 Prozent zugenommen, er liegt jetzt auch dank des schwachen Dollarkurses bei 2,47 Milliarden Dollar und damit 44 Prozent höher als vor einem Jahr.

Schwieriger sieht die Lage zu Hause zwischen Ost- und Westküste aus, die Mac-Nachfrage in den USA hat im Dreimonatsvergleich um 13 Prozent abgenommen, mit 841.000 Einheiten schafft Apple nicht den Anschluss an das Vorquartal. Gegenüber dem Vorjahresquartal liegen die Verkaufszahlen aber immer noch um ein Drittel höher. Die lahmende US-Konjunktur schlägt sich auch in den Umsatzzahlen von Apples eigenen Stores nieder, im Retail-Geschäft, bei dem die Zwischenhändler ausgeschaltet sind, konnte Apple mit 7 Prozent Zuwachs 504.00 Macs an den Mann und an die Frau bringen. Über seine Online-Stores und den eigenen Ladengeschäften weltweit hat Apple 1,7 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet, auch hier fällt das Plus mit 36 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und 53 Prozent im Vergleich zum vergangenen Weihnachtsgeschäft dank der wachsenden Zahl von Verkaufsstellen deutlich aus. An der Expansion hält Apple weiter fest und will nach eigenem Bekunden im Laufe des Jahres einen Store in China eröffnen.

Unterm Strich

“Wir freuen uns sehr, unser bestes Quartal in der Firmengeschichte – mit dem höchsten jemals erzielten Umsatz und Gewinn – erzielt zu haben”, lässt Apples Pressemitteilung den Firmenchef Steve Jobs zu Wort kommen. Trotz des etwas verhaltenen iPod-Geschäfts hat das Unternehmen Rekord-Zahlen präsentiert und besitzt einen Barschatz in Höhe von 18,4 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Vierteljahr prognostiziert Finanzchef Peter Oppenheimer einen Umsatz von 6,8 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 94 US-Cent pro Aktie, 20 Cent weniger als im Weihnachts-Quartal. Bleibt abzuwarten, ob die Konjunktur-belebenden Maßnahmen in den Vereinigten Staaten auch anschlagen.

Bild: Charlotte Nordahl, “Äpplen”. Some rights reserved. Flickr