Im Kino: Mr. Bean macht Ferien

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(Daniel) Die stummen Mr. Bean Kurzfilme kennen wir alle. Meist sogar von innereuropäischen Flugreisen, wo die Clips gerne aus der Mottenkiste geholt werden. Mit Der Katastrophenfilm sprang der stumme Brite dann vor einigen Jahren auf die große Leinwand und hatte Erfolg. Ab diesem Moment war es nur eine Frage der Zeit, bis dem ein zweiter Film hinterher geschoben wurde. Und hier ist er: Mr. Bean macht Ferien.

Im Kino: Mr. Bean macht Ferien

Der tollpatschige, wortkarge Mr. Bean erblickte 1989 das Licht der Fernsehwelt und wandelte sich binnen kürzester Zeit zu einer internationalen Kultfigur, dank der unnachahmlichen und genialen Komik dieser von Rowan Atkinson und Autor Richard Curtis (“Vier Hochzeiten und ein Todesfall”, “Notting Hill”, “Tatsächlich Liebe”) kreierten Person, die mit unbeholfener Tapsigkeit von einer Katastrophe in die nächste schlitterte und gerade deshalb auf der ganzen Welt gleichermaßen gut funktionierte, weil der Slapstick-Humor der Bean-Sketche fast komplett ohne Dialoge auskam. Rowan Atkinson fügte sich damit in die Reihe klassischer Komiker wie Buster Keaton, Charlie Chaplin oder Jaques Tati ein, und krönte die beachtliche Karriere seiner Kunstfigur 1997 schließlich mit einem international erfolgreichen Kinoauftritt, “Bean – Der ultimative Katastrophenfilm”.

Dies schien zunächst der ruhmreiche Abschied von Mr. Bean zu sein, doch ziemlich genau zehn Jahre später zog sich Atkinson doch noch einmal den braunen Anzug und die rote Krawatte an, um erneut als Mr. Bean über die große Leinwand zu stolpern. Auch wenn der Titel des Films dabei ganz bewusst als Verbeugung vor dem Jaques Tati-Klassiker “Die Ferien des Monsieur Hulot” (1953) gemeint ist, müssen sich Bean-Fans nicht sorgen, dass sich ihr Idol nun eher in Richtung der spröderen und zarteren Komik Tatis entwickelt hätte. Ganz im Gegenteil ist “Mr. Bean macht Ferien” sogar eine gezielte Rückkehr zu alten Stärken, nachdem die Fans bei Beans erstem Kinoauftritt zurecht monierten, dass die Figur mit dem für Bean-Verhältnisse sehr hohen Dialoganteil viel ihres ursprünglichen Charmes eingebüßt hatte.

Um diese Gefahr von vornherein auszuräumen, wird Bean hier in eine Situation manövriert, in der er mit Sprechen ohnehin nicht weit kommen würde: Auf einer Kirchen-Tombola gewinnt er einen einwöchigen Urlaub in Cannes an der französischen Mittelmeerküste (und eine Digital-Videokamera, die im Laufe der Handlung zunehmend an Bedeutung gewinnt) und möchte eigentlich nur aus dem verregneten England zum sonnigen Strand entkommen. Aber natürlich wäre dies nicht Mr. Bean, wenn beim Umsteigen in Paris nicht schon diverse Missgeschicke passieren würden, die schließlich dazu führen, dass Bean im ländlichen Nirgendwo Frankreichs strandet mit dem russischen Jungen Stepan (Max Baldry) an der Hand, der durch Beans Schuld von seinem Vater getrennt wurde. Mit seinem aus drei Worten bestehenden französischen Wortschatz (“Oui”, “Non” und “Gracias”) versucht sich Bean nun gemeinsam mit Stepan nach Cannes durchzuschlagen, ohne Sprachkenntnisse und ziemlich bald natürlich auch ohne Geld oder Papiere.

Das ist es im Prinzip auch schon an grober Handlung. Es gibt zwar weitere, an verschiedenen Stellen auftauchende Nebenfiguren, aber letztlich fungiert Beans Odyssee durch Frankreich als loses Gerüst, um episodenhaft eine Reihe von Slapstick-Nummern der alten Schule daran aufzuhängen. Im Vergleich zum etwas mühsamen Plot von Beans erstem Kinoauftritt funktioniert das auch sehr gut und den beiden Autoren McColl und Driscoll gelingt es, die verschiedenen Nummern so elegant zu verbinden, dass sich ein schöner Fluss ohne allzu große Holperer ergibt.

Dabei amüsiert man sich durch die Bank ganz gut – aber eben nicht großartig. Die Gags stammen aus dem altbekannten Repertoire der Slapstick-Komödie, driften ab und zu leicht ins Absurde ab und können sich stets auf den bewährten Trottel-Charme von Mr. Bean verlassen, der sich wie gewohnt in jeder Situation zielsicher zum größtmöglichen Deppen macht. Ausreißer in Richtung echter komödiantischer Genialität und damit wahre Zwerchfell-Attacken bleiben allerdings aus, zumindest bis zum großen Finale auf einer Premiere während den Filmfestspielen von Cannes. Wie Bean dort die Uraufführung des Ego-Projektes eines selbstverliebten Regisseurs (gespielt von Willem Dafoe) auf den Kopf stellt, ist tatsächlich brillant konstruiert und schafft es, die vermeidlich unzusammenhängenden Versatzstücke des Films am Ende zu einem urkomischen Ganzen zusammenzufügen.

So wird man mit einem sehr schönen Ende entlassen, nachdem man 85 Minuten anständig, aber nicht außergewöhnlich unterhalten wurde. Kein großartiges, aber trotzdem ein gelungenes und schönes (und wahrscheinlich letztes) Wiedersehen mit einem der komischsten Kauze der Fernsehgeschichte. (filmszene.de)

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