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Die Welt ist eine Tafel

Christoph Dernbach

Apple kann mit dem iPad seinen iPhone-Erfolg wiederholen. Dabei kommt es aber weniger auf den Tablet-Computer selbst, sondern auf die Apps und Inhalte an.

Für die große Bescherung muss man in diesem Jahr nicht bis Weihnachten warten. Ende März bringt Apple auch in Deutschland die ersten Modelle seines neuen Tablet-Computers iPad auf den Markt. Die Varianten mit ­einem UMTS-Funkmodul folgen dann einen Monat später. Mit dem iPad will Apple eine Lücke zwischen Smartphone und Laptop schließen. „Mit Apples fortschrittlichster Technologie haben wir ein magisches und revolutionäres Gerät entwickelt, das wir zu einem unglaublichen Preis anbieten können“, sagte Apple-Chef Steve Jobs zur iPad-Premiere in San Francisco.
Jobs pokert mit dem iPad hoch. Schließlich haben Branchenriesen wie Microsoft, Hewlett-Packard, Dell und etliche asiatische Konzerne in den vergangenen zehn Jahren immer wieder vergeblich versucht, einen „Tablet-PC“ erfolgreich als neue Geräteklasse für den digitalen Alltag zu etablieren. Microsoft-Begründer Bill Gates hat persönlich immer wieder einen Anlauf unternommen – doch die Käufer ließen die „Tablet-PCs“ oder „Ultra Mobile PCs“ links liegen. Zu hohe Preise, zu geringe Batterielaufzeiten und vor ­allem eine nur unzureichend angepasste Bedienoberfläche schreckten die Interessenten ab.

Ein dritte Gerätekategorie zwischen Smart­phone und Laptop könne nur dann erfolgreich sein, wenn sie wichtige Dinge besser erledigen könne als die beiden anderen Gerätetypen, betonte Jobs gleich zu Beginn der iPad-Vorstellung. Dazu gehören seiner Ansicht nach das Browsen im Web, E-Mails bearbeiten, Fotos und Videos anschauen, eine Musiksammlung genießen, Computer-Games spielen oder ein digitales Buch lesen. „Manche haben geglaubt, dass dies das Netbook ist. Das Problem mit dem Netbook ist aber, dass es keine dieser Aufgaben wirklich besser erledigen kann.“ Netbooks seien eben nur billige Laptops. „Sie sind langsam, haben ein mieses Display und laufen mit klobiger, alter PC-Software“, sagte Jobs und versenkte mit dieser Aussage auch die Hoffnungen vieler Mac-User auf ein preisgünstiges Subnotebook von Apple.

Apples Tablet-Mac – Das iPad

Rein äußerlich erscheint das iPad wie eine XXL-Version des iPod touch. Der Tablet-Computer ist 19 cm breit, 24 cm hoch und nur 1,3 cm dick. Die Wi-Fi-Variante wiegt 680 Gramm, die UMTS-Version bringt 730 Gramm auf die Waage. Für das Display mit einer Bildschirmdiagonale von 9,7 Zoll (24,6 cm) hat sich Apple für die IPS-Technik (In-Plane Switching) entschieden. IPS ist ein Flüssigkristall-Display, bei dem die Farben auch dann noch gut aussehen, wenn man nicht im rechten Winkel auf den Bildschirm schaut. Der von manchen Fans erhoffte Einsatz der modernen OLED-Technologie mit noch besserer Darstellung und weniger Stromverbrauch blieb aber aus.
Mit einer Auflösung von 1024×768 Pixel erreicht das iPad eine gute Punktdichte von 132 dpi. Im Gegensatz zu den E-Book-Readern mit E-Ink-Technologie wird das Display (angepasst an die Helligkeit in der Umgebung) von hinten beleuchtet. Das ist komfortabel, kostet aber wertvolle Batterielaufzeit, die laut Apple im Durchschnitt zehn Stunden beträgt. Der Kindle, das E-Book von Amazon, kommt im Vergleich dazu eine ganze Woche ohne Stromkabel aus.

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Apps 2.0

Ein Erfolg des iPads wird aber weniger von den Hardware-Spezifikationen, als vor allem vom Inhalteangebot anhängen: Zum Verkaufsstart werden rund 150.000 Programme aus dem iTunes App Store zur Verfügung stehen, die ursprünglich für das iPhone und den iPod touch geschrieben wurden. Für die Entwickler dieser Apps ist es eine Kleinigkeit, ihre Software auf den größeren Zehn-Zoll-Bildschirm des iPads zu optimieren. Jeder iPhone-Entwickler wird in diesen Tagen fieberhaft daran arbeiten, seine Anwendung für das iPad anzupassen. Wer sich jetzt mit seiner iPad-App beeilt, hat auch noch gute Chancen, von den iPad-Besitzern überhaupt wahrgenommen zu werden.
Die iPad-Premiere im Künstlerzentrum Yerba Buena in San Francisco verdeutlichte klar, wie Apple seinen Tablet-Computer im Gegensatz zu den gescheiterten Büro-Tablets der Konkurrenz positionieren wird. Auf der Bühne standen ein schwarzer Ledersessel und ein zierlicher Glastisch, die spartanisch inszeniert eine Wohnzimmer-Umgebung darstellen sollten. Mit dem iPad konnten sich hier Steve Jobs und später auch Apple-Marketingchef Phil Schiller gemütlich hinlümmeln und entspannt die Vision vom „Internet in der Hand“ präsentieren – das iPad als idealer Sofa-Computer.
Der iPad-Browser lässt sich wie beim iPhone bequem mit den Fingern bedienen. Dank des deutlich größeren Bildschirms können die Links und Navigationselemente einer Webseite leichter mit den Fingern getroffen werden. Bei der Vorführung des Safari-Browsers auf dem iPad durch Steve Jobs wurde aber auch ein Manko sichtbar. Dort, wo auf der Seite der „New York Times“ ein Flash-Video stand, erschien auf dem iPad-Bildschirm nur ein Plug-in-Symbol.
In einem Townhall-Meeting vor Apple-Beschäftigten begründete der Konzernchef einige Tage später den Verzicht auf die Technologie von Adobe: Die Flash-Plug-ins seien fehlerhaft und ein permanentes Sicherheitsrisiko. Beim Absturz eines Macs sei immer häufiger das Flash-Plug-in die Fehlerursache. „Niemand braucht mehr Flash. Die Welt bewegt sich in Richtung HTML 5“.
Tatsächlich lassen sich Videos im Web mit Hilfe des H.264-Codecs auch ohne Flash abspielen. Das kann man bei YouTube sehen. Mit dem Verzicht auf Flash beim iPad unterbindet Apple aber auch den Zugriff auf Browser-Games wie Farmville bei Facebook, die in Konkurrenz zu Spielen aus dem iTunes App Store stehen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Konkurrenz dürfte das iPad auch mobilen Spielekonsolen wie der PSP oder der Nintendo DS machen. In San Francisco kündigten Gameloft und Electronics Arts an, nicht nur ihre Spiele vom iPhone auf das iPad zu portieren, sondern die Möglichkeiten des iPads für neue Spielideen auszunutzen.

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