Eine Trauerrede für Steve: Mona Simpson über ihren Bruder

Flavio Trillo
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Die Biographie von Steve Jobs ist inzwischen erschienen und von den Ersten bereits durchgelesen. Darin finden sich diverse persönliche Details zu dem Geschäftsmann, dem Manager und dem Privatmann. Einen weiteren, tiefen Einblick in die innere Welt des Apple-Mitbegründers bietet die Grabrede seiner Schwester.

Mona Simpson war 25 und eine aufstrebende Autorin als sie einen Anruf von Steves Anwalt erhielt. Sein Mandant sei reich und berühmt und ihr lange verlorener Bruder. Sie trafen sich und wurden sehr gute Freunde, wovon der nun in der New York Times veröffentlichte Text in berührender Weise zeugt.

Er sei ein Arbeitstier gewesen – soweit, so bekannt. Doch hatte er auch immer Zeit für seine Familie. Wenn seine Sekretärin Anrufe seiner Familie entgegennahm und Steve gerade in einer Konferenz beschäftigt war, fragte sie stets: “Soll ich ihn für Dich unterbrechen?”

Mit seiner großen Begeisterung für Kunst wollte er immer wieder Dinge schaffen, die wahrhaftig schön sind. Nicht nur heute oder morgen, sondern auf Dauer. Auch für Liebe hatte er einiges übrig und habe ständig davon gesprochen. “Steve war wie ein Mädchen, so viel Zeit verbrachte er damit, über Liebe zu sprechen”, erzählt Simpson. Als er seine zukünftige Frau Laurene das erste Mal traf, rief er seine Schwester an und sagte: “Da ist diese wunderhübsche Frau und sie ist wirklich klug und sie hat diesen Hund und ich werde sie heiraten”.

Sehr nahe sei er auch seinen Kindern immer gewesen, hat sich gesorgt um ihre Freunde, ihre Kleidung und ihre Hobbies. Neben sehr speziellen Interessen und Vorlieben verfügte er offenbar auch über erstaunliches Nischenwissen. “Welcher andere CEO kennt die Geschichte englischer und chinesischer Tee-Rosen und hat eine Lieblings-David-Austin-Rose?”

Als er krank wurde, verschwand etwas von dieser Lebenslust und konzentrierte sich auf einen engeren Bereich seines Alltags. Doch sein Wille war nach wie vor ungebrochen, ebenso wie seine Überzeugung, genau zu wissen, was das Beste ist. So auch als er mit einer schweren Lungenentzündung auf der Intensivstation lag und ihm alles, sogar Eis, verboten wurde. “Steve, der es stets vermied, aufgrund seines Namens irgendwelche Vorteile zu erlangen, gab zu, dass er in diesem Fall gerne doch eine Sonderbehandlung wünscht”. Er befand sich jedoch bereits in sehr guter Behandlung und wurde bestens umsorgt.

Auf einen Notizblock schrieb er: “Für die wirklich, wirklich großen Sachen musst Du mir einfach vertrauen” und meinte damit, man möge ihm, entgegen der ärztlichen Anweisungen, ein Stück Eis bringen.

Simpson beschreibt mit solchen kleinen Anekdoten die verschiedenen Lebensphasen, in die sie Steves Leben aufteilt, soweit sie an ihm teilhaben durfte. “Sein volles Leben. Seine Krankheit. Sein Sterben.” Naturgemäß endet die Trauerrede mit Steves letzten Worten.

Unabhängig davon, um wen es hier geht und ob man den Mann, seine Produkte und sein Wirken schätzt oder nicht – diese sehr private Schilderung eines Menschen und seiner Eigenheiten ist um ihrer selbst Willen lesenswert und anrührend.

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