Freiheit, wie Steve Jobs sie meint

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Apple-Boss Steve Jobs hat in der Nacht zu Samstag seine Definition von Freiheit verkündet. Auslöser war eine E-Mail von Ryan Tate an Jobs’ offizielle Mailadresse. Tate ist Redakteur bei “Valleywag“, einem Blog von Gawker Media, und er war sauer über die letzten Sekunden des aktuellen iPad-Werbespots. “Es ist eine Revolution. Und sie hat gerade erst begonnen”, heißt es dort.

Tate provoziert: “Wenn Dylan heute 20 wäre, wie sähe er Ihr Unternehmen? Würde er glauben, das iPad hätte auch nur das Geringste mit Revolution zu tun? Bei Revolutionen geht es um Freiheit?”

Als bekennender Verehrer des Folksängers antwortet Jobs:

“Yep, Freiheit von Programmen, die Ihre privaten Daten stehlen. Freiheit von Programmen, die Ihre Batterie belasten. Freiheit von Pornographie. Yep, Freiheit. The times they are a changin' (Songtitel von Bob Dylan, Anmerkung der Redaktion), und ein paar herkömmliche PC-Leute haben das Gefühl, als gleite die Welt unter ihnen weg. Das passiert tatsächlich.“

Tate widerspricht, fühlt sich bevormundet und er kritisiert, dass Apple durch seine Kontrolle die gleichen Fehler mache, wie einst Microsoft oder Adobe. Am meisten störe ihn aber, dass Jobs der Welt seine Moralvorstellungen aufdrücken möchte, hinsichtlich Pornographie, Betriebsgeheimnissen oder technischer Prinzipien.

Tates Kritik zielt unter anderem auf die scheinbar willkürliche, beziehungsweise auf Profit ausgerichtete Politik, mit der Apps zum App Store zugelassen oder zurückgewiesen werden. Nick Saint, Redakteur des “San Francisco Chronicle” analysierte beispielsweise, dass Apple kleinen und eher unbedeutenden Entwicklern die Darstellung nackter Haut in ihren Apps generell untersage, es aber umgekehrt zulasse, dass Netflix über das iPad Filme zeigen kann, ohne Rücksicht auf sexuelle oder gewalttätige Inhalte. Saints Fazit: “Apples Argument gegenüber den Entwicklern, Kinder schützen zu wollen, ist nur schwer nachzuvollziehen, wenn die lukrativen Apps nach anderen Regeln spielen dürfen.”

Schließlich macht Tate keinen Hehl daraus, dass ihn der von Apple initiierte Polizeieinsatz gegen seine Mitarbeiter ärgere. Zum Hintergrund: Gawker Media führt das Tech-Blog “Gizmodo” im Portfolio, das im April Details über ein angeblich verlorenes iPhone 4G veröffentlicht hatte. Die Polizei durchsuchte daraufhin die Wohnung von “Gizmodo”-Redakteur Jason Chen.

Obwohl die Ermittlungsberichte unter anderem Apple-Anwalt George Riley zitieren, weist Jobs die Aktion von sich: Tate sei fehlinformiert. “Niemand hat irgendwelche Türen eingetreten”, behauptet Jobs, Tate würde falschen Blogger-Berichten glauben.

Jobs erklärt weiter, dass es das gute Recht von Microsoft sei, die Regeln für ihre Plattformen aufzustellen, wie sie wollen. “Was Apple betrifft, tun wir alles, was möglich ist, um die Idee unserer Nutzererfahrung zu bewahren und weiterzuentwickeln”, schreibt Jobs. “Damit muss man nicht einverstanden sein, aber unsere Beweggründe sind echt.”

Eine Spitze kann sich Jobs am Ende dann doch nicht verkneifen, als er den E-Mail-Dialog gegen 2.20 Uhr in der Nacht beendet: “Im Übrigen, was haben Sie schon Großes geleistet? Haben Sie irgendwas geschaffen, oder geht es Ihnen nur darum, die Arbeit anderer zu kritisieren und deren Beweggründe herabzustufen.”

Es kann dahingestellt bleiben, ob Jobs am Ende genervt oder nur müde war. Mit seiner Definition von Freiheit und Apples App-Politik hat er ausreichend Diskussionsstoff geliefert. Was meinen Sie?

Externe Links

Bild: myuibe; Titel: “Steve Jobs introducing iPad now”. Some rights reserved. Flickr.

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