"Ich kauf's für meine Mama, die ist 80"

macnews.de
19

Mit einem Monat Verspätung ist das iPad ab heute auch in Deutschland erhältlich. Medien, Werbung und Mundpropaganda haben den flachen Apple Rechner mit Touchscreen zu einem Objekt der Begierde gemacht. Technikbegeisterte und Händler haben sich auf den Tag lange vorbereitet, und auch wir haben heute Morgen den Wecker gestellt, um vom ersten Augenblick dabei zu sein.

Um 8.08 Uhr flattert der Newsletter von Apple ins E-Mail Postfach: “Das iPad ist da. Online erhältlich oder in deinem Apple Store ” Wer sich aber jetzt aufmacht, um das Gerät der Stunde bei einem Apple-Händler zu kaufen, wird vermutlich zu spät kommen. Werbung, Presse und Mundpropaganda haben das Interesse an Apples Tablet derart geschürt, dass die ersten Händler ihr Geschäft schon um 8.00 Uhr öffnen. Eine noch frühere Öffnung hatte Apple nicht gewünscht.

Obwohl die Händler bis zum Verkaufsstart den Kunden und Medienvertretern nicht bestätigen durften, dass sie heute auch das iPad im Programm haben werden (die Aufmerksamkeit sollte auf die eigenen Apple-Stores gelenkt werden), tritt das erwartete Szenario ein. In Berlin beispielsweise sammeln sich die ersten Kunden seit Tagesbeginn vor einem großen Apple-Händler am Ernst-Reuter-Platz. Bis zur Ladenöffnung ist die Schlange im Nieselregen auf zirka 50 Meter gewachsen.

Im Laden ist die Situation ähnlich gestaut. Pressevertreter aller Medien warten hinter dem Eingang auf den Ansturm der Kunden.

Wer von den Kunden nicht sofort einen Verkäufer ergattern kann, muss sich erneut in Schlangen einreihen. Nur wenige probieren das iPad erstmal aus. Die meisten Kunden sind offensichtlich bereit, 500 bis 800 Euro – je nach Konfiguration – für ein Produkt auszugeben, dass sie vorher noch nie in den Händen gehalten hatten. Man weiß ja, was einen erwartet. Die Präsentation von Apple-Boss Steve Jobs die Werbung und letztlich die Medien hatten alles getan, um ein ziemlich genaues Bild des Geräts und seiner Verwendung in den Köpfen der Menschen zu zementieren. “Ich hab nur Gutes gehört”, sagt einer der ersten Käufer ins Mikro von N24. Besser kann man die tatsächliche Unkenntnis über das Produkt nicht in Worte fassen.

In einer der Kassenschlangen steht Tsun, ein junger Mann, der sich die teuerste Variante mit 64 GB und 3G-Unterstützung kaufen möchte. “Das iPad ist ein Spielzeug”, sagt er. “Ich kaufe das Gerät vor allem für meine Familie. Meine Mutter ist 80 Jahre alt, für die ist das iPad das Richtige.” Er selbst glaubt, dass er mit dem iPad in Zukunft mehr Zeitungen und Zeitschriften lesen wird. Diese Aussage wird besonders die Vertreter des Axel Springer Verlags freuen, die im Foyer die Apps der eigenen Zeitungsmarken erklären.

Die Männer dominieren das Publikum heute Morgen. Die wenigen Frauen haben zumeist nur die Aufgabe, sich für ihren Partner in einer der Schlangen anzustellen oder ein iPad stellvertretend abzuholen. Die ärmste Sau unter den Frühaufstehern ist dann aber doch ein Mann. Irgendjemand hat Peter, Student aus Berlin, als denjenigen ausgemacht, der seit fünf Uhr vor dem Geschäft gestanden und als Erster heute Morgen ein iPad in diesem Geschäft in Empfang nehmen durfte. Zur Strafe wird er von Reporter zu Kameramann zu Reporter gereicht, muss Fragen beantworten, posieren und schließlich vor laufender Kamera sein iPad auspacken. “Das ist das 32 Gigabyte-Modell mit 3G-Verbindung”, sagt er nicht gerade glücklich.

Ob alle, die bereits seit den frühen Morgenstunden ausgeharrt haben, mit einem iPad das Geschäft wieder verlassen können, ist unklar. Es seien “viele” iPads geliefert worden, sagt ein Mitarbeiter. Man erwarte noch eine weitere Lieferung, habe aber keinen Einfluss auf Menge und Konfiguration der Geräte. “Wer heute dennoch leer ausgeht, kann damit rechnen, spätestens in der nächsten Woche ein iPad in den Händen zu halten.”

Zeit genug also, um auch die letzten Zweifler von den Vorzügen des iPads zu überzeugen. Dieses Kundenpaar jedenfalls, das sich hinter dem Werbeslogan “Ein magisches und revolutionäres Gerät” verbirgt, kann noch etwas Nachhilfe vertragen. Sie: “Kaufst du dir auch eins?”. Er, schon etwas genervt: “Nee, was soll ich denn damit.”



Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz
}); });