Nanu, mein iPad ist nur ein iPad!

nexttoyou
68

Man kann natürlich viele hundert Euro einfach so zum Fenster hinauswerfen und einen iPad ausschließlich deswegen kaufen, weil andere es auch tun und sich anschließend öffentlich fragen, warum. Besser wäre da zweifellos, man behielte die eigene Dummheit für sich.

Bevor Apple wieder so richtig erfolgreich wurde, handelten ausgesprochen viele intellektuell limitierte Artikel davon, dass Apple dies und jenes tun müsse, damit deren Produkte so erfolgreich wie jene von Microsoft würden. Die Autoren besagter Beiträge verstanden es wiederholt nicht, dass Apple ganz bewusst anders war und bleiben wollte. Wer den Beitrag „I Hate My iPad“ liest, könnte nun den Eindruck gewinnen, dass die gleichen Autoren ihre Inkompetenz nun auf andere Weise ausleben.

Warum kauft ein Mensch etwas? Weil er es braucht, um bestimmte Dinge tun zu können. Vielleicht auch mal, weil er es schön findet, obgleich es nicht besonders praktisch ist. Oder aber, weil es Teil einer Sammlung ist. Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe. Besonders seltsam ist es jedoch, wenn jemand etwas kauft, ohne dass es den geringsten Grund dazu gibt und sich dann in einem Artikel viele Fragen dazu stellt.

Gleich zu Beginn räumt Autor John Swansburg ein, er habe seinen iPad aus den falschen Gründen heraus gekauft. Jeder hätte zu Weihnachten einen bekommen, nur er nicht, also fühlte er sich irgendwie übergangen. Er hätte sich zuvor nicht gefragt, wie sein neuer iPad in seine vorhandene Infrastruktur aus Laptop, Kindle und iPhone passe und sich auch keinen iPad zum Testen von Freunden ausgeliehen und ärgere sich nun über die sechshundert verschwendeten US-Dollar für etwas, das sein Leben noch weniger als eine Salatschleuder verbessere – und er äße nicht einmal besonders viel Salat. Aha.

Weiter bemängelt der offenkundig talentierte Swansburg, dass soviel Geld alleine fürs Surfen auf der Couch zuviel wäre und er außerdem nicht die Art Person sein sein wolle, die sechshundert US-Dollar alleine für die Zeitersparnis ausgebe, die paar USB-Kabel nicht mehr aus seinem Laptop ziehen zu müssen. Auch hätte der iPad gegenüber dem iPhone zu wenige Vorteile und sei unterwegs zu unhandlich. Soso.

Der Beitrag schließt mit der Feststellung, dass das Tippen auf dem iPad unpraktisch wäre und Steve Jobs bei den iPad-Abos jedes Mal seine Hand aufhielte. Ach ja, für Sportübertragungen fehle dem iPad natürlich Flash Seltsam nur, dass der Kulturredakteur von Slate Sport bereits zuvor aufgegeben hatte.

Wie der Name schon sagt, ein iPad, also ein „Internet-Block“, ist kein vollwertiger Computer im Vergleich zu dem, was beispielsweise derzeit als Mac oder MacBook verkauft wird. Er soll es auch gar nicht sein, niemand hat das jemals irgendwo behauptet. Das Gerät hat zur Arbeit einen viel zu kleinen Bildschirm und ist viel zu langsam, hat außerdem kein Mehrbenutzer-Betriebssystem, ist primär also nur einer Person dienlich. Andererseits ist ein richtiger Computer für viele Benutzer viel zu leistungsfähig, das gilt auch für manche Laptops. Solche Benutzer machen – analog etwa zur Nutzung eines Geländewagens in der Stadt – mit ihrem leistungsfähigen und teuren Gerät viel zu wenig, so dass es die meiste Zeit nur unpraktisch herumsteht und alt wird. Manchmal könnte ein iPad also ohne weiteres zumindest einen tragbaren Computer ersetzen, aber verallgemeinern lässt sich das nicht. Ebenso lässt sich nicht verallgemeinern, dass ein iMac das ideale Gerät für jemanden ist, der nur E-Mails schreibt und von Zeit zu Zeit im Web surft.

Der mit dem Finger zu bedienende iPad ist eine neue Form von Computer, nicht mehr und nicht weniger. Dokumente oder WWW-Seiten, die darauf gelesen werden, dürfen sogar kostenlos oder wie macnews.de werbefinanziert sein und sind damit auch niemals dem Geldbeutel des Steve Jobs dienlich. Und wenn man sich schließlich vor Augen führt, dass ein iPad heute deutlich leistungsfähiger als ein 1997 um siebentausend US-Dollar teurerer Twentieth Anniversary Macintosh ist, dann bekommt man schon eine ganze Menge Leistung fürs Geld, mehr jedenfalls, als dies bei einer Salatschleuder der Fall wäre.

Weitere Themen: iPad

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz