OS X auf PCs: Steve Jobs bot Compaq-Chef 1999 Mac-OS-Lizenzen an

Florian Matthey
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Apples Strategie ist seit Langem, die eigenen Betriebssysteme nur auf eigener Hardware laufen zu lassen. Das Mac-Klon-Experiment seines Vorgängers Gil Amelio der 1990er Jahre machte der frühere Apple-CEO Steve Jobs schnell wieder rückgängig. Ganz so strikt scheint er aber doch nicht gegen die Idee gewesen zu sein: 1999 soll er dem damaligen Compaq-Chef Ben Rosen angeboten haben, dass der PC-Hersteller Rechner mit Mac-OS-Installationen verkaufen könnte.

Theoretisch lässt sich Apples Betriebssystem OS X auch auf PCs installieren – diese werden dann zum “Hackintosh”. Offiziell ist das jedoch nicht möglich, und Apple wehrt sich gegen Unternehmen, die Hardware mit OS-X-Installation verkaufen wollen, vor Gericht. Offenbar hätte die Geschichte aber ganz anders verlaufen können.

Der frühere Compaq-Chef Ben Rosen erinnert sich in einem Blog-Eintrag an seine Begegnungen mit Steve Jobs. Darunter befinden sich unter anderem Mails, die er im Jahr 2007 mit dem damaligen Apple-CEO austauschte – Rosen teilt Jobs mit, dass er mittlerweile einen Mac benutze und der frühere Compaq-Chef so ein “Mac-Enthusiast” geworden sei, worüber sich Jobs entsprechend freute. Die wohl interessanteste Erinnerung geht aber zurück ins Jahr 1999.

Drei Jahre nach der Rückkehr Jobs’ ins Unternehmen war Mac OS 9 noch das aktuellste Mac-Betriebssystem, im selben Jahr erschien jedoch bereits Mac OS X Server 1.0. Die erste öffentliche Beta-Version des eigentlichen Mac OS X folgte im Jahr 2000. Wie Steve Jobs bei der Verkündung des Wechsels zu Intel-Prozessoren im Jahr 2005 verriet, führte Mac OS X lange ein geheimes “Doppelleben” – Apple entwickelte sowohl Versionen für PowerPC- als auch für Intel-Prozessoren. Vor diesem Hintergrund ist das Angebot zu sehen, das Jobs Ben Rosen im Jahr 1999 machte:

Bei einem Treffen in einem Restaurant im kalifornischen Menlo Park eröffnete Jobs Rosen seine Idee, dass Compaq – damals, vor der Übernahme durch HP, der größte PC-Hersteller der Welt – neben Windows-PCs auch Rechner mit einer Installation des Mac OS verkaufen könnte. Aus der Idee wurde letztendlich natürlich nichts: Rosen hatte kein großes Interesse daran, als Mac-OS-Lizenznehmer den langjährigen Geschäftspartner Microsoft zu verärgern, und Jobs habe es sich letztendlich auch anders überlegt.

Interessant ist Rosens Erinnerung aber vor allem angesichts des Zeitpunkts – nicht nur wegen der Geschichte des Mac OS X, sondern auch, weil Jobs 1999 bereits alle von Apple in der Zeit seines Vorgängers verteilten Mac-OS-Lizenzen zurückgekauft hatte und spätestens seitdem als strenger Verfechter des Konzepts “Software und Hardware aus einer Hand” galt.

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