Steve Jobs – „Der Tod ist die beste Erfindung des Lebens“

Sebastian Trepesch
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“Vielleicht gibt es keine größere Anerkennung seines Erfolges als die Tatsache, dass ein großer Teil der Welt von seinem Tod über ein Gerät erfuhr, das er erfunden hat.” Ein Gedanke von US-Präsident Barack Obama am Todestag von Steve Jobs. Ein guter Gedanke. Denn natürlich haben viele von uns die Nachricht über MacBook, iPhone und Co. erfahren. Über seine Produkte. Wir hier in der Apple-Szene kennen den Ex-CEO ein bisschen, wenn auch nur aus den Medien und von Erzählungen seiner Kollegen. Seine persönlichere Sicht erfahren wir mit der Biographie, die bald erscheint. Doch viele Menschen haben erst am heutigen Tag in vielen Nachrufen seine Verdienste kennengelernt. Hat er sich die Apple-Produkte nur zu eigen gemacht, oder hatte er wirklich großen Einfluss auf deren Entwicklung? Das fragte mich heute Nachmittag der Moderator bei n-tv.

Steve Jobs hatte einen Einfluss auf die Produkte, wie nur sehr wenige Lenker großer Firmen haben.

  1. Er hatte eine Begabung dafür, intelligente, fähige Mitarbeiter um sich zu scharen – eine Grundvoraussetzung.
  2. Er war detailversessen – und kümmerte sich in manchen Dingen um die kleinsten Optimierungen persönlich.
  3. Das wichtigste jedoch: Er hatte die großen Visionen, die in den Ohren vieler unmöglich klangen. Bis er sie mit der Umsetzung überzeugte.

„Visionär“, „Charismatiker“. Das sind die beiden Begriffe, die mit der Person Steve Jobs in Verbindung gebracht werden – neben „Apple“. Steve Jobs war nicht der Chef bei Apple, Steve Jobs war Apple.

Das Unternehmen wurde mal mit einem Zirkus verglichen, dessen Direktor Steve Jobs ist (war). Und der auch mal mit der Peitsche knallt. Viele unter uns hätten wahrscheinlich nicht so gerne unter ihm gearbeitet, denn er konnte trotz seines Charismas sehr ungemütlich gegenüber den Angestellten sein. Das wusste er: „Ich weiß, dass sie sich über mich beschweren, aber im Rückblick werden sie das als eine der besten Zeiten ihres Lebens sehen. Sie wissen es nur noch nicht. Dafür weiß ich es.“

Wahrscheinlich wussten sie es doch: Die Kündigungsraten waren bei Apple sehr gering.

Doch wie begann das alles? Das Leben von Steve Jobs hat zu gewissen Teilen die Dramaturgie eines Filmes, in dem der Protagonist die Regie selbst führt. Da ist der unscheinbare Beginn des beruflichen Lebens in der Garage. Der steile Aufstieg. Nicht nur die Firma Apple wächst, sondern auch der Hochmut, bis sich Steve Jobs mit dem Vorstand zerstreitet und aus der eigenen Firma geworfen wird (so lautet zumindest die Version, die am häufigsten erzählt wird. Laut Jay Elliot, Senior Vice President von Apple, wurde Steve Jobs auf einen Posten „befördert“, den er nicht wollte. Daraufhin verließ er Apple).

Ein paar Jahre später kommt zurück, doch die Tragik beginnt erst richtig: Jobs blüht im Unternehmen auf, erziehlt Erfolge über Erfolge. Sein Gesundheitszustand dagegen macht ihm mehr und mehr zu schaffen. So stark, dass er sich Anfang 2011 nicht mehr imstande sieht, seine Aufgaben zu erfüllen.

Ein geordneter Abgang ist ihm offensichtlich wichtig, um sein heiß geliebtes Unternehmen Apple nicht im Chaos versinken zu lassen. Er verdrängt den aufgrund der Krebserkrankung absehbaren Tod nicht, sondern zieht ihn in die Planungen ein, so hart das klingt. Abschied Januar, Rücktritt August, Biographie November. Steve Jobs hat sich arrangiert, das hat er 2005 in einer Rede deutlich gemacht:

„Niemand will sterben . Und trotzdem ist es ein Schicksal, das wir alle teilen. Und so soll es auch sein, denn der Tod ist die beste Erfindung des Lebens. Er ist der Motor des Wandels. Er schafft Platz für neues.“

Er kann dem für die meisten Menschen schrecklichsten Bestandteil des Lebens eine positive Seite abgewinnen. Die Rede in Stanford sollten wir als Trost verstehen, und als Motivation.

Das Neue, der Wandel – irgendwann wird er im Unternehmen Apple kommen müssen. Steve Jobs hat sehr fähige Leute eingestellt, die seinen Geist vorerst weiterführen werden. Doch in ein paar Jahren braucht das Unternehmen wieder ein neues revolutionäres Produkt wie Mac, iPod oder iPhone.

Aus Erfahrung wisse man, dass überall dort, wo ein Unternehmen eine markbeherrschende Position einnehme, die Innovationsrate abnehme. Das erklärte der frühere Apple-Chef vor 15 Jahren in einem Interview. Steve Jobs hat Apple sehr, sehr groß gemacht. Es wird also ein schweres Erbe für den nächsten Visionär. Der jetzige Apple-CEO Tim Cook ist das nicht.

Vielleicht kann einer der Jobs-Zöglinge in die Fußstapfen des Visionärs treten. Aber keiner wird in Cuptertino an den Einfluss herankommen, wie ihn Steve Jobs für Apple, für die IT-Branche, für die Menschen in der technisierten Welt bedeutete.

Danke, Steve, für Deine Visionen, Dein Engagement, Deine Umsetzungskraft.

Wir halten Deine Produkte in Ehren.

(Geschrieben auf iMac und MacBook Pro.)

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