Steve Jobs: Das verlorene Interview mit dem ultimativen Fanboy

Vor 28 Jahren, im November 1983, gab Steve Jobs ein Interview. Gemeinsam mit Steven Levy saß er in einem Restaurant in Cupertino und aß fleischlose Pizza. Es ging um den Macintosh, den Apple damals gerade vorbereitete. Außerdem sprachen die Männer über Karriere, Unternehmensführung und Liebe.

Wo ist der Sinn?

Die Tonaufnahme des Interviews ist leider im Laufe der Jahre verloren gegangen. Glücklicherweise gibt es ein einigermaßen brauchbares Transkript, aus dem Levy für das Wired-Magazin berichtet. Schon damals war Jobs erfüllt von schier unermesslicher Begeisterung für seine Produkte und seine Arbeit. Doch was, wenn der Macintosh ein Misserfolg würde, wie seine Vorgänger?

“Wenn Du nicht gewillt bist, da raus zu gehen und es alles noch einmal zu machen, wo ist dann der Sinn?”, beschreibt der junge Jobs seine Motivation. “Ich mache das nicht fürs Geld. Ich mache es, weil ich es liebe”. Im Übrigen bemerkte er schon damals, dass sich die Liebe zu Computern mit der zu Frauen nicht so leicht vereinbaren lässt. Erst kürzlich war ihm eine romantische Liaison zerronnen, wegen der stressigen Arbeit und der “Maitresse” Macintosh.

Pirat statt Marine

Seine Philosophie war, damals wie auch später, Probleme möglichst einfach zu lösen. Das habe er mit dem Mac versucht. Wer es richtig machen will, dürfe sich nicht mit komplexen Lösungen zufrieden geben, sonder müsse das Problem weiter untersuchen, bis er das zugrunde liegende Prinzip verstanden habe und daraus eine simple, effektive Formel schlussfolgern könne. Außerdem plante er, einen Milliarden schweren Konzern auf die Beine zu stellen, ohne dabei die Seele des Unternehmens zu opfern.

Hierzu dürfe man sich nicht der “Marine” anschließen, sondern müsse “Pirat” sein – ein Bild, dass sich etwa übersetzen lässt mit: Erst durch unkonventionelles Denken kann Bestehendes verändert werden. Außerdem seien kleine Gruppen nötig, denen man Großartiges abverlangt. “Wenn man das so organisiert, werden die Leute Dinge erreichen, die sie vorher nie für möglich gehalten hätten.”

Vier Geräte, sie alle zu einen

Auch später trafen sich Levy und Jobs noch häufiger zu Interviews oder einfach um sich eine Weile zu unterhalten. Darunter auch ein Treffen kurz nach der Rückkehr des damaligen interims-CEO nach Cupertino. Er hatte gerade das Büro seines Vorgängers übernommen und hasste es dort. Gil Amelio habe dort an seinen Präsentationen gebastelt und wollte eine eigene Toilette für eine halbe Million US-Dollar einbauen. Für Jobs, der sich nie viel aus Statussymbolen oder obszönen Ausgaben gemacht hat, unvorstellbar.

Zu dieser Zeit entfernte er gerade alle unnötigen Produkte aus Apples Portfolio. Nur vier Geräte wollte er Apple herstellen lassen. Je ein Notebook und Desktop-Rechner aus den Bereichen “Konsument” und “Profi”. Damit das funktioniert, musste auch der Newton gehen, dem Jobs besonders nachtrauerte. Doch die Entwickler wurden für andere Projekte benötigt und mussten die Arbeit an dem (weitgehend erfolglosen) tragbaren Assistenten einstellen.

Bei fast jeder folgenden Produktvorstellung hatte Levy das Glück, einen Platz in der ersten Reihe zu haben und nach den Präsentationen gab es häufig die Möglichkeit, mit Steve selbst eine Weile zu sprechen. Für eine Vorschau des neuen iBook, des ersten tragbaren Apple-Computers unter Steves Regie also, zitierte man den Journalisten erneut nach Cupertino. Begeistert wie ein kleines Kind präsentierte Der Chef seine jüngste Kreation.

Kein Scharlatan, aber ein Showman

Internet ohne Kabel, eine Sensation. Phil Schiller und Jonathan Ive daneben, ebenfalls freudestrahlend. Auch wenn er ganz offensichtlich Entertainer-Qualitäten besaß, sah er sich selbst nie als Showmaster. “Das hört sich an, als würde ich den Leuten Schlangenöl verkaufen” – als Scharlatan wollte er keinesfalls gelten. Auch habe er stets schnell sein Team gelobt und war bemüht, die Lorbeeren auf mehrere Häupter zu verteilen.

Dagegen bekamen seine Konkurrenten scharfe Kritik zu hören. Zu Dell und Steve Ballmer hatte er im Jahr 2002 unter anderem dies zu sagen: “Diese Leute lieben das, was sie herstellen nicht. Hier tun wir das!”. Es sei ein hartes Stück Arbeit gewesen, Apple nach seiner Rückkehr von kurzfristigem Profitstreben abzubringen und wieder auf diesen “Pfad der Tugend” zurückzuführen.

Geholfen habe dabei auch der Werbespot “Think Different“, der nach Jobs’ Tod am 5. Oktober dieses Jahres erneut in aller Mund und Auge war. Während der Gedenkfeierlichkeiten auf dem Apple-Campus in Cupertino zeigte der Konzern erstmals die bis dahin unveröffentlichte Version des Videos, in dem Jobs selbst aus dem Off spricht. Seinerzeit wurde nur die Variante mit Richard Dreyfuss als Sprecher ausgestrahlt.

Der Spot richtete sich mehr an die Mitarbeiter als an die Kunden und sollte das Unternehmen dazu bringen, sich wieder auf seine Kernwerte zu besinnen. Doch er trug Steve Jobs zufolge auch eine wichtige Information nach außen: “Du kannst viel über jemanden lernen, wenn Du weißt, wer seine Helden sind”.

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